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Das große Schweigen im Fall Maike Thiel

Langwieriger Prozess am Landgericht Neuruppin Das große Schweigen im Fall Maike Thiel

Sie schweigen bis heute. Am Dienstag mussten sich Michael Sch. und seine Mutter Christine vor dem Landgericht Neuruppin erneut für das Verschwinden der schwangeren Maike Thiel verantworten. Die Hauptverdächtigen im "Mord ohne Leiche" stehen seit mittlerweile einem Jahr vor Gericht.

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Die Angeklagte Christine Sch. mit ihrem Anwalt.

Quelle: dpa

Neuruppin/Leegebruch. „Ich bin restlos davon überzeugt, dass sich die Tat, wie in der Anklage beschrieben, ereignet hat.“ Das sagte am Dienstag Nebenklägervertreterin Barbara Petersen vor dem Landgericht Neuruppin. Dort müssen sich seit Mai 2013 Michael Sch. und seine Mutter Christine verantworten. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte Christine Sch. den Plan, die von ihrem Sohn schwangere Maike Thiel am 3. Juli 1997 umbringen zu lassen. Der mittlerweile 80-jährige und verhandlungsunfähige Manfred S. und Michael Sch. setzten das Vorhaben um. Wegen gemeinschaftlichen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft für den damals 18-jährigen Michael Sch. eine Jugendstrafe von achteinhalb Jahren beantragt, für seine Mutter wegen Anstiftung zum Mord eine lebenslange Haftstrafe. Da bis heute keine Leiche gefunden wurde, ist es ein reiner Indizienprozess.

Alles stehe und falle mit der Aussage von Dominique S. Ohne sie gäbe es das Verfahren nicht, so Petersen. Dominique S., die engste Vertraute von Michael Sch., hatte jahrelang geschwiegen und daran festgehalten, nichts über das Verschwinden von Maike Thiel zu wissen, obwohl Michael Sch. ihr am 3. Juli 1997 die Tat gestanden hatte. „Ich will für Dominique S. eine Lanze brechen“, so Rechtsanwältin Petersen. Die Verteidigung habe der jungen Frau immer zu verstehen gegeben, dass sie eine „Räuberpistole zum Besten gebe“. Ihr Leben sei nachhaltig beeinträchtigt durch die Bürde, die Michael Sch. ihr als Mitwisserin der grausigen Tat mit einem Schweigegelübde auferlegt habe. „Es hat ihr jahrelang die Kehle zugeschnürt, dass ihr bester Freund getötet hatte.“ Sie habe ihm über Jahre die Freundschaft gehalten, bis zur Selbstaufgabe. Und sei dann enttäuscht, ja geradezu verraten worden, so Petersen. Dominique S. habe damit gerechnet, dass er weiter schweigt, aber nicht damit, dass sie bis „ins Intimste entblättert“ wurde – mit Details, mit denen der Angeklagte die Verteidigung gefüttert habe. Geredet habe sie erst 2012, als sie dem inneren Druck nicht mehr Stand gehalten habe und auf eine Vernehmungsbeamtin mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen getroffen sei, so Petersen. Sie berief sich auch auf die Aussage der Psychotherapeutin, bei der Dominique S. in Behandlung ist und die ihre Patientin als starke Frau beschrieben hatte, die trotz vieler Schwierigkeiten im Leben anders als andere „kein Krankheitsbild“ entwickelt hätte.

„Dominique S. Aussage beruht auf Erlebtem“, so Petersen. Das allein würde nicht für eine Verurteilung reichen, aber alle Indizien wie andere Zeugenaussagen und die abgehörten Telefonate zusammen ergäben ein Bild. Demnach sind beide Angeklagte schuldig. Petersen sah Christine Sch. als Mittäterin. „Sie ist die treibende Kraft gewesen. Sie hat den Tatplan ausgearbeitet. Dazu wäre ihr Sohn nicht fähig gewesen.“

Daran, dass Maike Thiel tot ist, bestehe kein Zweifel. Das ergebe sich aus den letzten Monaten ihres Lebens. Maike wollte das Kind, hatte einen Abtreibungstermin nicht wahrgenommen, das Kinderzimmer war eingerichtet, die Eltern hatten sich mit der Situation angefreundet. „Alles war im Lot. Der Zeitpunkt für eine Kurzschlusshandlung war längst vorbei.“ Es habe nicht den geringsten Anlass mehr gegeben, sich umzubringen oder woanders ein neues Leben zu beginnen, so Petersen. Sie sprach Michael Sch. an, dass er die Chance vertan habe, mit einem Geständnis den ersten Schritt „zu einer intakten Persönlichkeit“ zu machen. Doch der Angesprochene verzog keine Miene – wie immer.

Am 17. Juni wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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Für Verteidiger Hendrik König stand fest: Das Maike Thiel Verfahren muss neu begonnen werden – nach fast einjähriger Verhandlungsdauer und 38 Prozesstagen. Grund: Aus Sicht der Verteidigung hätte spätestens am 4. April weiter gegen Christine und Michael Sch. verhandelt werden müssen, nicht erst am Montag.

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