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Ein Kanal mit Geschichte

Neugestaltung der Dauerausstellung über den Finowkanal Ein Kanal mit Geschichte

Was haben 30 Schumacher, eine Reeperbahn, ein Gefängnis und eine Kanonenkugel mit Liebenwalde zu tun? Wer die Antwort auf diese Frage erfahren möchte, sollte sich auf den Weg zur überarbeiteten und erweiterten Dauerausstellung über den Finowkanal, die am Freitag zum Stadtfest eröffnet wird, in das „Museum im Knast“ nach Liebenwalde machen.

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Jörn Lehmann zeigt Thomas Reckling alte Schiffsbriefe

Quelle: Ulrike Gawande

Liebenwalde. 30 Schuhmacher gab es im 19. Jahrhundert in Liebenwalde. Ziemlich viele für so einen kleinen Ort, wenn man bedenkt das Liebenwalde damals gerade einmal 2000 Einwohner hatte. Auch eine 300 Meter lange Reeperbahn war vorhanden. Nein, nicht so eine Lustmeile, wie sie für Hamburg berühmt ist. Ein derart sündiges Etablissement gab es zwar auch in Liebenwalde, denn das Gasthaus „Zur Linde“ war damals auch als „Blaue Pflaume“ berühmt, weil es seine Zimmer stundenweise vermietete. Gemeint aber ist die Reeperbahn, wo die Schiffstaue einer Seilerei gespannt wurden. Das Umspannrad ist bis heute am Kanal zu finden.

Denn der Grund, dass neben unzähligen Gaststätten auch so viele Schuhmacher in Liebenwalde zu finden waren, war das hohe Schiffsaufkommen auf dem Finowkanal, der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands, die bis heute noch in Betrieb ist. „30.000 Schiffe jährlich nutzten damals die kürzeste Verbindung zwischen Havel und Oder“, erzählt Jörn Lehmann, Bürgermeister von Liebenwalde und gleichzeitig Vorsitzender des örtlichen Heimat-und Geschichtsvereins. Während der Wartezeiten an den Schleusen hätten die Seeleute sich vor rund 200 Jahren im Ort nicht nur mit Waren des täglichen Bedarfs eingedeckt, erzählt er weiter, sondern kehrten in den Lokalen ein und ließen sich eben auch die Schuhe besohlen.

„Manchmal gab es aber auch handfeste Prügeleien“, erklärt der begeisterte Hobbyhistoriker Lehmann, der fesselnd von vergangenen Zeiten berichten kann. Da viele der Raufbolde damals oft nur einen über den Durst getrunken hatten, war die Gefängniszelle, die man heute noch im Heimatmuseum, dem „Museum im Knast“ besichtigen kann, auch als Ausnüchterungszelle bekannt. Bis 1952 war das Gefängnis in Betrieb, danach wurde es zur Rumpel- und Waffenkammer sowie zum Archiv, bis es 1999 unter der Trägerschaft des Heimat-und Geschichtsvereins als Museum eine neue Bestimmung fand.

„Im Zusammenhang mit der Revitalisierung des Finowkanals, auch als Langer Trödel bekannt, wurde uns bewusst, welch große Bedeutung die Wasserstraße für den Ort gehabt hat“, so der Bürgermeister, der in den vergangenen Monaten unzählige historische Kostbarkeiten und Raritäten bei Internetauktionen für das Museum ersteigert hat. Diese Schätze können Museumsbesucher ab Freitag, pünktlich zum Stadtfest, in der neuüberarbeiteten und erweiterten Dauerausstellung über den „Finowkanal“ besichtigen: Eine alte Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg, als der erste Finowkanal, der 1605 erbaut worden war, den Schweden als natürliche Verteidigungslinie diente. Zu sehen sind auch Modelle nach originalen Bauplänen sowie alte Schiffsbriefe von Kähnen, die auf dem Kanal fuhren. Und wer zukünftig in das Liebenwalder „Museum im Knast“ kommt, kann nicht nur in zehn Minuten einen virtuellen Spaziergang durch „Liebenwalde am Wasser“ machen, sondern in wenigen Schritten entlang des historischen Finowkanals von der Havel zur Oder spazieren.

 

Finanzielle Unterstützung zur Realisierung der Ausstellung bekam das Museum von der E.DIS AG. Thomas Reckling überbrachte persönlich einen Scheck über 700 Euro, die vor allem einer Sonderausstellung für Kinder zugute kommen sollen. „Mit so einer Ausstellung schafft man nachhaltige Bildung und eine Bindung der Kinder an die Region“, erklärt der E.DIS-Mitarbeiter. „Wir wollen, dass die Kinder und Schüler, die zu uns kommen, etwas zum Anfassen haben, und so Geschichte erlebbar machen“, bestätigt auch Jörn Lehmann und öffnet eine weitere Zellentür, in der sich eine komplette Schuhmacherwerkstatt befindet.

Von Ulrike Gawande

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