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00:30 23.03.2018
Angelika Paedelt ist auf dem Rücken von Pferden groß geworden. Quelle: Andrea Kathert
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Hammer

Die Turnierschleifen, die bei Angelika Paedelt an der Wand hängen, kann man nicht zählen. Meter über Meter sind sie aufgereiht. Genauso die Pokale in den Vitrinen und die Stallplaketten. Angelika Paedelt hat Preise über Preise geholt, hat es als Dressurreiterin bis zur Champions League gebracht. Aber irgendwann hat sie den Schlussstrich gezogen, sie wollte ihn nicht mehr, den Leistungsdruck auf ihr Pferd und sie selbst. Sie fand es nicht mehr richtig.

Unzählige Turnierschleifen hängen überall von Angelika Paedelt. Quelle: Andrea Kathert

Angefangen hat alles mit einem Familienhobby. „Da war ich vielleicht acht oder neun“, erzählt sie. Am Poloplatz in Berlin-Frohnau ist sie groß geworden. Mit Fabius ritt sie ihre ersten Wettbewerbe. 1980 ging es richtig los, mit dem Dressursport. „Und später wurde es richtig profimäßig“, sagt die 52-Jährige.

Auf dem Hof in Hammer stehen Pferde zur Aufzucht und solche, die ihr Gnadenbrot bekommen. Quelle: Andrea Kathert

Vom kleinsten Pony bis zur S-Prüfung hat sie sich hochgekämpft. Bis zum Gran Prix. Ihre Eltern haben sie immer unterstützt, waren der Meinung: Die Kinder sind im Stall besser aufgehoben als auf der Straße. „Das hat mir nicht geschadet, ich habe gelernt, Disziplin zu halten und mich durchzuboxen.“

Beruflich war sie die Frau der Zahlen

Mit Wintop trainierte sie unter Hartmut Lammers. Und ritt mit ihm viele Erfolge ein. Die Bilder, die im Haus hängen, zeigen Angelika Paedelt als junge Frau im klassischen Reitanzug stolz auf ihren Pferden.

Ihr eigentlicher Beruf hat so gar nichts mit Tieren zu tun, nur mit Mathematik. In Hennigsdorf arbeitete sie jahrelang für ein großes Unternehmen als Leiterin für Rechnungswesen. „Ja, ich war die Chefin der Zahlen“, sagt die 52-Jährige.

Dirk Paedelt hat sich eher dem Westernreiten verschrieben. Quelle: Andrea Kathert

2005 war Schluss für Angelika Paedelt mit der Dressur. „Mit Wini habe ich meine letzte S-Dressur geritten, da war er schon 20.“ Zwei Jahre später durfte Wini in Rente gehen. Und Angelika Paedelt fing an, sich neu zu orientieren. „Ich hab ein bisschen Westernreiten probiert.“ Das hatte wohl abgefärbt von ihrem Mann Dirk Paedelt.

2005 war aus ihrer langjährigen Freundschaft Liebe geworden. Und ein Jahr später war Sophie unterwegs. Deshalb hielten die beiden nach einer Hofstelle Ausschau, die sie schließlich übers Internet in Hammer fanden. Dort sollte Sophie eigentlich zur Welt kommen.

Auf dem Reitplatz im Hof wird bei schlechtem Wetter geritten. Quelle: Andrea Kathert

Aber das hat nicht ganz geklappt. Die Kleine wurde am 14. März 2007 geboren. Die Schlüsselübergabe fand zwei Wochen danach statt. Es war eine ziemlich chaotische Zeit. Am 8. April zog die Familie ein. Just an diesem Tag fiel der Maler von der Leiter. Die ganze Verwandtschaft musste ran, um zu helfen. Mit drei Pferden zog die Familie nach Hammer: Wini, Tütchen und Hengsti.

Es dauerte nicht lange und die ersten neugierigen Kinder standen vor der Tür. Und wollten auch mal ausprobieren, wie das so ist mit dem Reiten. Angelika Paedelt gab Reitstunden.

Sophie sollte ein Pony bekommen

Und Sophie wurde immer größer und die Freunde waren der Überzeugung: Ihr braucht ein Pony für Sophie. Browny sollte es werden. Doch der hatte sich vorher in Jeronimo verguckt, die Ponys gab’s nur im Doppelpack. Und so hatte die Familie schon mal fünf Pferde.

Bei denen sollte es nicht bleiben. Dirk Paedelt hatte sich schon immer ein eigenes Westernpferd gewünscht. Und so kam Jerry dazu. Von da an waren es sechs Pferde. Und später sogar acht.

Unter dem Dach des Stallgebäudes hat Angelika Paedelt eine urigen Aufenthaltsraum für die Reitschüler eingerichtet. Hier werden auch die verschieden großen Sättel gelagert. Quelle: Andrea Kathert

Damit der Reitunterricht auch bei schlechtem Wetter stattfinden konnte, entstand auf dem Hof ein kleiner Reitplatz und unterm Dach des Stallgebäudes ein uriger Raum, wo sich die Kinder auch mal aufhalten konnten und ihre ersten Übungen beim Aufsitzen aufs Pferd absolvierten. Angelika Paedelt hatte extra ein Holzpferd gekauft, was beste Dienste leistete.

Bei den Cowboys gibt’s auch mal einen Drink. Quelle: Andrea Kathert

2012 gründete sich schließlich der Reitverein Hammer Crazy-Cowboy-Ranch, der bis heute sehr engagiert ist. Die erste Vorsitzende ist, wie könnte es anders sein, Angelika Paedelt. 2014 bekam der Verein ein eigenes Pferd geschenkt. Capriola hatte eine wenig schöne Geschichte hinter sich und fühlt sich nun wie alle anderen Pferde sichtlich wohl auf dem Hof in Hammer.

Als Reitlehrerin für Kinder hat sich Angelika Paedelt ein wenig zurückgezogen. Nur noch wenigen gibt sie Reitstunden. Berufstechnisch hat sie sich seit drei Jahren wieder ihren Zahlen zugewandt. Aber das kann sie von Zuhause aus erledigen. Deshalb kommen ihre Pferde nicht zu kurz. Das könnte die Reiterin anders auch nicht mit sich vereinbaren.

Von Andrea Kathert

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