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Ein Leben mit Umwegen

Velten Ein Leben mit Umwegen

Bernd Stummvoll war seit 2004 Pastor der 1886 gegründeten Veltener Baptistengemeinde. Mit einem Festgottesdienst in Neuruppin wurde der 65-Jährige nun in den Ruhestand verabschiedet. Doch Stummvoll sieht seine Aufgabe noch nicht als beendet an, und möchte sich weiter ehrenamtlich in der Gemeinde engagieren.

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Das Gebäude der Veltener Baptisten wurde Ende des 19. Jahrhunderts als gemeindeversammlungshaus erbaut.

Quelle: Foto: UG

Velten. Als Bernd Stummvoll 2004 seinen Dienst als Pastor der Veltener Baptistengemeinde begann, die zum Bund der Freien Evangelischen Kirchengemeinden gehört, hatte er es sich zum Ziel gesetzt, die Gemeinde, die bereits 1886 in der Wilhelmstraße gegründet wurde, weiter zu öffnen und neue Arbeitsformen und Angebote auch außerhalb der Kirche zu finden.

„Die Gemeinde hat Potenzial“, ist der Pastor, der zudem ausgebildeter Krankenpfleger ist, überzeugt. Am vergangenen Sonntag wurde der zweifache Familienvater Stummvoll nun mit einem Festgottesdienst in Neuruppin, wo er ebenfalls als Pastor tätig ist, offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Doch seiner Gemeinde wird der 65-Jährige trotzdem nicht den Rücken kehren. „Gott hat mich noch nicht entlassen, auch wenn ich nun im Ruhestand bin.“ Seine Aufgabe sei in Velten noch nicht beendet, das Ziel noch nicht erreicht. Zumal bisher kein Nachfolger für ihn gefunden wurde. Er wolle daher zukünftig ehrenamtlich für die Baptisten tätig sein, denn die unabhängige Gemeinde, zu der in Velten heute noch rund 50 Mitglieder gehören, finanziere sich ausschließlich aus Spenden. Stummvoll hofft, dann mehr Zeit für Gespräche und Seelsorge zu haben. „Ich möchte immer ein Ohr an der Gemeinde haben.“

Geboren wurde der 65-Jährige bei Fürth in Bayern. Er wuchs protestantisch auf und sei doch immer auf der Suche gewesen, beschreibt Stummvoll seinen, aus eigener Sicht konsequenten Weg zum Glauben. „Ich war ein typischer 68er. Experimentell“, lacht der begeisterte Hobbymusiker, der Beatles, Rolling Stones, Jazz und Klassik schätzt. „Ich bin dankbar für die Vielfalt.“ Mit 16 Jahren brach Stummvoll die Schule ab, und führte, wie viele damals, ein Hippieleben. „Ich lebte zeitweise in einer Landkommune“, verrät Stummvoll, der leidenschaftlich gerne szenische Kurzgeschichten schreibt. Zwischenzeitlich hatte er sich sogar an der Kunstakademie beworben. Dort bescheinigte man ihm Talent.

Doch mit 20 Jahren vollzog Stummvoll eine „krasse“ Lebenswende, wie er ehrlich zugibt. Er fand über Freunde zum christlichen Glauben bei den Baptisten und absolvierte in Nürnberg eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ab 1978 besuchte er für die Pastorenausbildung das theologische Seminar der Baptisten in Hamburg. Nach dem Vikariat in Reinbek zog er in die Hauptstadt, arbeitete dort als Krankenpfleger im Altenpflegeheim und als Heimseelsorger bei der Immanuel Diakonie, die in Berlin unter anderem das Herzzentrum und eine Rheumaklinik betreut. Parallel holte er 1993 das Abitur nach und studierte Psychologie an der Humboldt-Universität. „Ich möchte humanwissenschaftliches Wissen mit dem in Dialog bringen, was wir Theologie nennen“, erklärt Stummvoll seinen Anspruch.

Und so nutzte er die Chance, als in Velten vor 13 Jahren die Pastorenstelle vakant war. Man war sich sympathisch. Fortan bestimmten Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten, Kranken- und Gemeindebesuche sowie Gottesdienste die Hälfte seines Alltag. Denn die Veltener Stelle war nur eine Halbtagsstelle, so dass Stummvoll weiter als Heimseelsorger in Berlin tätig war, bis er 2013 auch in Neuruppin Pastor wurde. Bei seiner Arbeit stärkt ihm Ehefrau Eva den Rücken. „Die Freikirche hat einen großen Zusammenhalt“, weiß er. „Die Gemeinschaft, die auch die DDR-Zeit überstand, ist spürbar.“ Heute sei das größte Problem, die Gemeinde zu verjüngen. Früher hätten über die Schülerbetreuung „Lichtblick“ am Nachmittag junge Menschen den Weg in die Gemeinde gefunden. Heute müsse man andere Wege suchen. „Wir sind keine Arche Noah, sondern müssen uns öffnen und ein Begegnungszentrum werden, das für alle Menschen offen ist.“ Jedoch ohne die Ernsthaftigkeit des Glaubens und die Bibel zu vernachlässigen.

Von Ulrike Gawande

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