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Oberhavel Ein Mann mit Botschaft in Oranienburg
Lokales Oberhavel Ein Mann mit Botschaft in Oranienburg
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05:10 15.04.2016
Nach der Gesprächsrunde gab es noch ein Erinnerungsfoto mit Michael Blumenthal. Einige Schüler ließen es sich dabei nicht nehmen, noch ein Selfie mit dem Ehrenbürger der Stadt zu machen. Quelle: Juliane Weser
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Oranienburg

Im Januar feierte Michael Blumenthal in Berlin seinen 90. Geburtstag. Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke gehörte zu den Gästen, und bat den Jubilar in diesem Jahr wieder einmal nach Oranienburg zu kommen. Michael Blumenthal sagte sofort zu. Wichtig sei ihm nur gewesen, dass es dazu ins Runge-Gymnasium gehen muss: „Das hat mir dort immer so gut gefallen.“ Am vergangenen Donnerstagvormittag löste der Ehrenbürger der Stadt Oranienburg schließlich sein Versprechen ein, und stellte sich den Fragen vieler Jungen und Mädchen einer zehnten Klasse des Gymnasiums.

Um 10.15 Uhr fuhr der Ehrengast vor. In Empfang genommen wurde er herzlich vom „Hausherren“ und Direktor des Gymnasiums, Henry Krüger, sowie vom Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke.

„Als sie das letzte Mal hier waren, stand unser neues Schulgebäude nicht, stattdessen mussten wir um unsere Existenz bangen“, erklärt Krüger. „Runge bleibt offen“ war damals nicht nur ein leerer Slogan, sondern ein Statement von Schülern, Lehrern, Absolventen und Menschen, die wussten, dass ein traditionsreiches Gymnasium, wie das „Runge“, nicht geschlossen werden darf. Symbolisch erhielt Michael Blumenthal damals ein T-Shirt mit dem Aufdruck. Er zog es sofort an. „Bildungsminister Steffen Reiche war damals mit vor Ort, und sah sogleich sehr blass neben Michael Blumenthal aus“, erinnert sich der Direktor. „Heute steht unsere Schule besser da, als jemals zuvor“, meint Krüger.

Schauten gemeinsam auf das neue Gymnasium: Direktor Henry Krüger, Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und Ehrengast Michael Blumenthal. Quelle: Juliane Weser

In der Gesprächsrunde mit den Schülern erzählte Michael Blumenthal aus seinem Leben. Dabei ratterte er nicht einfach irgendwelche Fakten herunter, sondern stellte stets einen Bezug her, um den Jugendlichen seine Erlebnisse und Eindrücke verständlich zu machen. „Jede Generation behauptet, dass sie die bewegendsten Zeiten durchleben, aber ihr lebt meiner Meinung nach wirklich in einer aufregenden Zeit.“ Diese Zeit, so Blumenthal, sei voll von Möglichkeiten, aber auch voll von Unsicherheiten und Gefahren.

„Ihr lebt in einem Land, das von einem auf den anderen Tag Masseneinwanderungen bewältigen muss.“ Dazu komme die andauernde Unsicherheit im Nahen Osten, permanente Bedrohungen durch Terroristen und Jobs, die wegfallen, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.

In diesen Zeiten werden zumeist die Extremen gehört, die mit lauten Parolen alles versprechen, so Blumenthal. „Die Mitte wird ausgehöhlt, und sie orientierten sich entweder extrem nach Links oder nach Rechts. Das Schreien der Parolen sei dabei lediglich ein Zeichen für Unsicherheit. Die Anhänger sind leichtgläubig, und denken nur: „Früher war alles besser.“ Also glauben sie dem Extremen alles.“ Die AfD sei genau so ein Phänomen, so Blumenthal.

Kurzbiografie

Werner Michael Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Oranienburg geboren.

1938 wurde Blumenthals Vater nach Buchenwald verschleppt und misshandelt. Nach dessen Freilassung 1939 flüchtete die jüdische Familie nach Shanghai.

1947 wanderte er in die Vereinigten Staaten ein, und erhielt 1952 die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Nachdem er an der Princeton University zum Wirtschaftsprofessor ernannt wurde, wechselte er in die Politik.

Von 1961 bis 1967 war er im Außenministerium als Berater der Präsidenten Kennedy und Johnson in Handelsfragen tätig. 1977 berief ihn Jimmy Carter als Finanzminister in sein Kabinett.

1997 wurde Blumenthal Direktor des Jüdischen Museums in Berlin.

„Sie sind in ihrem Leben so viel umher gereist, was ist ihre Heimat?“, fragt eine Schülerin. „Heimat ist so ein deutsches Wort, das kennen wir im Englischen nicht. Amerika ist meine Heimat, aber ich bin mir meiner deutschen Wurzeln sehr bewusst, und sehe Deutschland als meine zweite Heimat an.“

Das Leben von Michael Blumenthal lässt sich nicht in einer Schulstunde zusammenfassen. Dafür hat dieser 90-jährige Amerikaner unglaublich Vieles erlebt. Es fällt aber auf, dass er immer noch etwas zu sagen hat. Ein kluger Kopf, der so spannend und eindringlich erzählt, dass man ihm stundenlang zuhören könnte. Dabei ist sein Verstand stets hellwach.

Von Juliane Weser

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