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Ein Mittel gegen Krebs – Tiertests schon erfolgreich

Hennigsdorf Ein Mittel gegen Krebs – Tiertests schon erfolgreich

Die Deutsche Biotech Innovativ AG im Technologiezentrum forscht an Wirkstoffen für Krankheiten, für die es keine vergleichbare Behandlung gibt. Der Antikörper „Adrecizumab“ etwa soll die Blutgefäße in Tumoren verkümmern lassen und sie somit aushungern. An Nagetieren wurde der Wirkstoff bereits erfolgreich getestet.

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Die DBI-Vorstände Andreas Bergmann und Bernd Wegener (r.) am Firmensitz im Blauen Wunder.

Quelle: Foto: DBI-AG

Hennigsdorf. Rund 14 Millionen Menschen auf der Welt bekommen pro Jahr die Diagnose Krebs, Tendenz steigend. Der Antikörper „Adrecizumab“ soll die Therapie voranbringen. Der Wirkstoff „made in Hennigsdorf“ könnte die Verbreitung neuer Blutgefäße im Tumor verhindern und alte verkümmern lassen. Er hemmt das Hormon Adrenomedullin, das das Wachstum der Blutgefäße vorantreibt, der Tumor soll ausgehungert werden. „Mit den Tierversuchen sind wir durch, es wurde erfolgreich an Nagern getestet“, sagt Bernd Wegener, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Biotech Innovativ AG (DBI). Die Behandlung soll als Ergänzung zu Standardtherapien eingesetzt werden. Damit ließen sich Krebsarten in gut durchbluteten Regionen wie Leber, Niere, Blase oder Darm bekämpfen. Forschungsfördermittel wurden jüngst bewilligt, die Erstanwendung am Menschen wäre die nächste Phase, so Wegener.

Der leise Herr mit dem schlohweißen Schopf sitzt im Erdgeschoss des Hauses 15a, mitten im Blauen Wunder. Hier entwickeln die DBI AG und ihre vier Beteiligungsgesellschaften Behandlungsmöglichkeiten, für die es keine vergleichbare Kur gibt: Neben dem Antikörper gegen Tumore beschäftigt sich ein Teil der rund 60 Mitarbeiter vor allem mit der Prävention von Brustkrebs und der Behandlung von septischen Schocks, also Reaktionen des Körpers etwa auf Verletzungen, Lungenentzündungen oder auch Krankenhauskeime.

Letzteren gilt die größte Aufmerksamkeit von Wegener und seinen Kollegen. Die Erstanwendung beim gesunden Menschen sei abgeschlossen. „Die Phase II wird an 300 erkrankten Patienten anlaufen“, so der 69-Jährige, der eigentlich Tierarzt ist. Allein in Deutschland sterben pro Jahr 65 000 Menschen an einer Sepsis. Zuletzt habe die Pharma-Industrie 18 Milliarden US-Dollar in der Forschung verbrannt, vergeblich. Die meisten Patienten werde man auch mit dem Mittel aus Hennigsdorf nicht retten können, aber die Zahl eventuell „signifikant reduzieren“, wie Wegener es ausdrückt. „Wenn aus den 65 000 dann 50 000  würden, wäre das ein Meilenstein.“

Auch ein Wirkstoff für die Anwendung am kranken Herzen, etwa bei Herzmuskelversagen, soll unter der Regie des Hennigsdorfer Unternehmens in Phase II an erkrankten Patienten getestet werden. „Wir haben bei den Tierversuchen sehr gute Resultate erzielt“, so Wegener. Es sei gar denkbar, dass Patienten, die sonst relativ bald auf die Warteliste für Herztransplantationen gelangen würden, vereinzelt keine Transplantation mehr benötigen.

Acht bis 13 Jahre kann die Zulassung eines Wirkstoffs dauern

Es dauert lange, bis ein Wirkstoff zugelassen wird. Bernd Wegener spricht hier von einer Zeitspanne zwischen acht und 13 Jahren. Es gebe auch das Risiko, dass ein Mittel am Ende nicht für den Markt tauglich sein könnte. „Vom Einsatz unseres Geldes ist das ein Risiko für uns, aber Menschenleben zu retten ist der wichtigste Ansporn.“ Doch je weiter die Forschung voranschreitet, desto teurer wird es. Für den Sepsis-Wirkstoff rechnet Wegener in der Phase III, der Anwendung an einem größeren Patientenkreis, mit Kosten von bis zu 200 Millionen Euro. „Das können wir aus eigener Kraft nicht schaffen, aber es gibt schon Interessenten.“ Geschäftsmodell der DBI sei es, die Lizenzen vor der Markteinführung an Konzerne zu verkaufen, um wiederum die Weiterentwicklung anderer Wirkstoffe stemmen zu können.

Ein Versuch, mit einer Kapitalerhöhung 20 Millionen Euro an der Börse zu sammeln, scheiterte aber. Nur zwei Millionen Euro kamen zusammen. „Das war ein Flop“, räumt Wegener ein. Die Skepsis, in Arzneimittelforschung zu investieren, sei wegen des hohen Risikos groß gewesen. Eventuell wolle man es noch mal an der Börse versuchen, aber nur mit ausgewählten Investoren. „Wenn wir weiter erfolgreich sind“, so Wegener, „wird es Krokodilstränen von Leuten geben, die überlegt hatten, sich zu beteiligen.“

Von Marco Paetzel

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