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Ein Netz für Jugendliche

Leegebruch Ein Netz für Jugendliche

Ein Jugendclub ist elterfreie Zone und Freizeittreff. Und doch so viel mehr. So ist der T-Point in Leegebruch seit mehr als 50 Jahren ein Teil des Ortes, in dem Kinder und Jugendliche eine Art Wahlfamilie haben. Wo sie kreativ sein können, wo sie Werte erlernen und Grenzen gesetzt bekommen und lernen, Regeln einzuhalten.

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Das Dorf mit zwei Bürgerhäusern

Seit 2012 leitet Steffi Klinghardt den Club und hat das Angebot für Jugendliche deutlich ausgebaut.

Quelle: Ulrike Gawande

Leegebruch. Als der Leegebrucher Jugendclub 1962 gebaut und eröffnet wurde, war dessen heutige Leiterin Steffi Klinghardt noch lange nicht geboren. Denn der Club in der Dorfstraße ist einer der ältesten Jugendclubs Brandenburgs, der einzige, der stets an Ort und Stelle geblieben ist, wo er einmal erbaut wurde. „Ich bin hier nur ein Teil der jüngeren Geschichte“, lacht Klinghardt, die aus Cottbus über Berlin erst 2012 in Oberhavel heimisch geworden ist. „Es war schön aufs Land zu ziehen. Es funktioniert hier, man hilft sich gegenseitig.“ So könne sie bei ihrer Arbeit im Club, der heute den Namen T-Point trägt, nicht nur auf die Hilfe der Eltern, des Bauhofs, der Gemeindevertreter und auch des Bürgermeisters zählen. „Leegebruch gehört das Gebäude, betrieben wird es von der Stiftung Sozialpädagogisches Institut „Walter May“ (SPI). Aber die Gemeinde sehe, so die Diplom-Sozialpädagogin, neben Schule und Kita auch die Jugendarbeit als ihre Pflicht an. Und die Fürsorge für den Nachwuchs sei wichtiger als je zuvor. „Viele Eltern sind heute beide voll erwerbstätig, oft zusätzlich Pendler mit langen Arbeitswegen, da bleibt wenig Zeit für die Familie.“ Hier im T-Point biete man einen familienähnlichen Verbund, so die 38-Jährige, die selber in einem Pädagogenhaushalt aufgewachsen ist. Neben Freizeitangeboten wie Sportmöglichkeiten, einem Tonstudio und Billardtisch, wird gemeinsam gekocht, handwerklich gearbeitet und viel gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet. Das schule nicht nur Basisfertigkeiten, sondern diene auch der Teamfähigkeit. „Wir schaffen Erfolgserlebnisse durch eigenes Schaffen. Die Jugendlichen können aus der Praxis Wissen aufnehmen.“ Klinghardt, selber Mutter von zwei Söhnen, weiß, dass durch das Überangebot von Konsum- und Freizeitmöglichkeiten, es vielen daran mangele, Langeweile auszuhalten. Sie bedauert, dass dadurch auch kreative Prozesse verloren gingen und so Erfahrungswerte fehlen. Dem will man im T-Point entgegenwirken. Jedoch ohne die jungen Leute einzuengen. Man biete an. „Wir sind offen, fast eine Art Familienzentrum.“ So gebe es kein Thema, was man im T-Point nicht ansprechen könne. Egal ob Jobberatung, Familien- oder Schulprobleme, aber auch Fragen zur Sexualität. Sogar Kondome bekäme man im Jugendclub, denn hier sei die Hemmschwelle geringer, sie auch anzunehmen. „Freiheit ist gut, aber Kinder brauchen ein Netz, das sie auffängt. Ein Netz, das über Mama und Papa hinausgeht.“ Man sei hier im Jugendclub quasi eine Wahlfamilie mit, besonders für Jugendliche wichtig, verlässlichen Strukturen. Biete Kontinuität. „Wir haben fünf Tage die Woche geöffnet. Nur sonntags ist Familientag. Aber mein Handy hat keine Schließzeit, denn Sorgen und Nöte kennen selten eine Uhrzeit“, erklärt Klinghardt ihre Arbeitseinstellung, ohne ihren Einsatz in Stunden aufzurechnen. So ist auch in den Sommerferien durchgehend geöffnet. „Es ist wichtig, dass Kinder im Sommer etwas erleben.“ Auch wenn der elterliche Geldbeutel leer sei. Und das bei lediglich zwei festen Mitarbeitern und einem Stamm von fünf ehrenamtlichen Helfern. Klinghardt: „Ich lebe meine Arbeit, es ist keine Belastung, sondern ich habe jeden Tag Spaß daran, auch wenn meine gesamte Familie in einer hohen sozialen Verantwortung steht.“ Ihre Söhne und auch Mann Ronny, der sich bei der Bahnhofsmission im Obdachlosenbereich engagiert, sind oft im T-Point anzutreffen. Der ältere Sohn absolviert gerade eine Ausbildung zum Sozialassistenten, der andere will Lehrer werden. „Man muss eine Verbindung zu den Menschen haben.“ Aber auch wenn die Jugendlichen die Neugier und die Aussicht auf eine elternfreie Zone in den Jugendclub treibt, gelten hier klare Regel: So gibt es weder Alkohol, Rauchen noch Drogen auf dem Gelände. Wer erwischt wird, wird angezeigt und des Hauses verwiesen. Das ist der Pädagogin wichtig zu betonen, denn auch Regeln und das Aushalten von Grenzen gehören für sie zum Lernprogramm eines Heranwachsenden dazu. „Das fängt schon beim Guten-Tag-Sagen an, wenn man den Club betritt.“ Es ist eine ganzheitliche soziale Arbeit, die in Leegebruch geleistet wird. So macht es Steffi Klinghardt besonders stolz, wenn sich die Jugendlichen bei Ortsfesten einbringen und so die erfolgreiche Arbeit des Jugendclubs in die Gemeinde, zu den Bürgern getragen wird. „Die Kinder lernen: Das, was sie tun hat (für viele) einen Nutzen.“ Und man zeigt gleichzeitig, wie tief der T-Point in Leegebruch verwurzelt ist.

Von Ulrike Gawande

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