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Jubiläumschronik des Zehdenicker Amtsgerichtsgebäudes liegt vor Ein Schatz zum Stöbern

Es ist eine kleine Rarität, die da jetzt ins Haus geflattert ist. Erstmals verfügt die Stadt Zehdenick über eine sehr informative Chronik zum Amtsgericht mit Texten, die so noch nie veröffentlicht wurden.

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Vor 100 Jahren feierlich übergeben: das Amtsgerichtsgebäude in der Havelstadt.

Quelle: Andreas Röhl

Zehdenick. Anlass für diese Publikation mit ganz neuen Arbeiten über das Gerichtswesen in der Havelstadt sowie historischen Zeugnissen, die damit eng zusammenhängen, ist ein rundes Jubiläum. Am 25. Oktober 1913 wurde das Amtsgericht in Zehdenick seiner Funktion übergeben, und das soll übermorgen ausgiebig gefeiert werden. Gut aufgehoben ist zumindest eines der Exemplare im Zehdenicker Stadtarchiv, damit die Schreiber beim 200. Geburtstag nicht noch mal zu den gleichen Themen recherchieren.

In einem der ersten Texte befasst sich der frühere Lehrer Lothar Lauwaßer mit der Gerichtsbarkeit in Zehdenick. Er stellt die Frage, warum und in welchen Schritten die Havelstadt zu einem Gerichtsstandort wurde. Wie sich die meisten Zehdenicker denken können, ist die Keimzelle der Stadt und mit ihr der Juristerei natürlich die Burg im 13. Jahrhundert. Ihr Platz war dort, wo heute das Havelschloss steht. Als die Deutschen nach Osten expandierten, wurde von der Burg aus die "landesherrliche Gewalt über die unterworfenen Ländereien, die ansässige slawische Bevölkerung und die angesetzten deutschen Siedler nun nach deutschem Recht ausgeübt", schreibt Lauwaßer.

Für die Passage auf der Havel an Zehdenick vorbei mussten Fernhändler Zoll zahlen. Verstöße gegen diese Ordnung wurden mit Folter und Tod bestraft. So präsentierte sich die Obere Gerichtsbarkeit. In den größer werdenden Siedlungen entwickelte sich dagegen die niedere Gerichtsbarkeit, die sich bald in der Person des Stadtrichters manifestierte. Der Mann kümmerte sich um kleinere Delikte. Und als dritte Säule galt für das Kloster und die angeschlossenen Ländereien eine eigene Rechtssprechung. An deren Ende stand der Papst.

Im Laufe der Zeit und im Zuge einiger Reformen entwickelte sich die Juristerei weiter. Zehdenick verlor das Gericht 1818, verfügte aber noch über eine Zweigstelle. Erst 1879 mit der Neustrukturierung des preußischen Rechtswesens, bekam die Havelstadt wieder ein Amtsgericht.

Die nun vorliegende Jubiläumsbroschüre befasst sich ausführlich mit dem Bau jenes Gebäudes am heutigen Friedrich-Ebert-Platz. Schließlich wird ja am Freitag nicht das Jubiläum des Amtsgerichts als Institution gefeiert - dazu kommt es erst 2029 - sondern des Gebäudes, in dem es untergebracht ist. Die Bauerlaubnis ist abgebildet, die öffentliche Ausschreibung, die Genehmigung der Anleihe in Höhe von 250.000 Mark, um den Bau finanzieren zu können, und auch die detaillierte Abrechnung aller Kosten.

Beim Stöbern findet man den Originalbericht von der Eröffnungsfeier sowie andere Pressetexte, die mit dem Amtsgericht zusammenhängen. Die Broschüre enthält Beiträge über angrenzende öffentliche Plätze, über das Gericht in der DDR, die Neuorganisation nach der Wende sowie über Aus- und Umbauarbeiten im Zuge der Jahre. Auch zu Findlingen sowie Gerichtslinden und Gerichtseichen ist etwas zu finden.

Von Andreas Röhl

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