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Oberhavel Ein Spezialist für alte Reifen
Lokales Oberhavel Ein Spezialist für alte Reifen
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19:17 24.06.2016
Hier werden die angenommenen Altreifen entladen. Quelle: Robert Roeske
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Oranienburg

Auf das Firmengelände von Genan im Gewerbegebiet Nord rollen täglich 15 bis 30 große Lkw. Ihre Fracht sind Altreifen, knapp 2000 Stück pro Ladung. Was nach dem Recyceln von ihnen übrig bleibt, hat jeder von uns schon mal gesehen, auf Kunstrasenplätzen beim Fußball oder auf Kinderspielplätzen. „Wir sehen in den Altreifen nicht den Müll und die Umweltverschmutzung“, sagt Geschäftsführer Jens Christian Henneberg. „Wir machen neue Rohstoffe daraus.“ Wie das funktioniert, zeigt er bei einem Firmenrundgang, zu dem er Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke eingeladen hat.

Als Erstes gehen die Reifen in die Waschanlage. Quelle: Robert Roeske

In der ersten Halle packt sich ein Greifer die abgelieferten Altreifen und lässt sie über einer Waschanlage fallen. Begleitet von einem Höllenlärm werden die Reifen in große Stücke zerschreddert und in ein Zwischenlager transportiert, wo das Material auf mehrere Mühlen verteilt wird. Was nun passiert, zählt zu den Firmengeheimnissen und ist von außen nicht zu erkennen. Die hochmoderne Technologie befördert jedenfalls zum Schluss ein Granulat in verschiedenen Körnungen bis hin zum feinsten Pulver zu Tage. Die Produkte verkauft Genan hauptsächlich für den Unterbau von Kunstrasen.

Jens Christian Henneberg ist Geschäftsführer für alle drei Genan-Werke in Deutschland. Quelle: Robert Roeske

„Das ist zurzeit unser größter Absatzmarkt“, sagt Henneberg. Aber auch auf Spielplätzen wird das Granulat nach strengen Kriterien eingesetzt. Eines der Produkte dient als Bindemittel zur Modifizierung von Asphalt und Bitum. Obwohl der Asphalt mit niedrigeren Temperaturen herzustellen wäre, die Fahrbahn geräuschärmer und der Pflegeaufwand geringer wäre, ist dieses Erzeugnis schwer zu verkaufen. Aus dem feinsten Produkt, einem kryogenischen Pulver, können wiederum Reifen hergestellt werden.

Geschäftsführer Jens Christian Henneberg (l.) zeigt Oranienburgs Bürgermeister sein Unternehmen. Quelle: Robert Roeske

In jedem Reifen stecken 75 Prozent Gummigranulat, 15 Prozent Stahl und zehn Prozent Textilgewebe. Da sich Genan auf die Veredelung des Granulats spezialisiert hat, fällt die Ökobilanz sehr gut aus. Denn die Alternative heißt: Verbrennung. Pro Tonne Reifen würden dabei 1,1 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. „Deshalb lautet unser Unternehmensspruch: Verbrennen Sie nicht hochwertigen Rohstoff.“ Eigentlich könnte die Genan GmbH noch mehr Altreifen recyceln. Besonders aus Deutschland. Denn jetzt werden zwei Drittel der Altreifen aus dem Ausland geliefert. Doch es gibt eine nicht zu verachtende Konkurrenz. Die Zementindustrie verbrennt Altreifen für ihre Produktion.

In solchen Big-Bags abgefüllt, wird das Granulat in Containern auf dem Hof der Firma gelagert. Quelle: Robert Roeske

Das Werk in Oranienburg ist mit jährlich 65 000 Tonnen das kleinste des Konzerns. Im Jahr 2003 war Genan das erste Unternehmen, das im Gewerbegebiet Nord gebaut hat. Bürgermeister Laesicke kann sich noch gut an den Aufschrei der Oranienburger erinnern, die Angst vor Dreck und Krach hatten und an die beiden Reifenbrände in der Sachsenhausener Straße dachten. Nach einem Besuch in Viborg schlug die Stimmung um. Doch dann brannten kurz vorm Start von Genan die bereits angelieferten Altreifen. „Ein wahrgewordener Alptraum.“ Heute sagt Laesicke: „Von wegen Umweltsünder, das Gegenteil ist hier der Fall.“

Ein Spezialist für alte Reifen

Genan ist der größte Altreifenverwerter auf der Welt und stammt aus Dänemark. Die erste Anlage entstand 1990 in Viborg.

2003 folgte der Standort in Oranienburg. Weitere Werke wurden gebaut in Dorsten in Nordrheinwestfalen (2008), in Kammlach in Bayern (2010) und 2014 in den USA. Die Gesamtkapazität liegt bei 375 000 Tonnen pro Jahr.

Im Genan-Werk in Oranienburg sind 28 Mitarbeiter beschäftigt.

Weltweit fallen jährlich 13,5 Millionen Tonnen Altreifen an, ein Drittel in den USA, ein Drittel in Europa und ein Drittel im Rest der Welt. In Deutschland sind es jährlich 600 000 Tonnen. In Europa werden 35 Prozent der Altreifen recycelt, 37 Prozent verbrannt und fünf Prozent auf Deponien gelagert.

Von Andrea Kathert

Ein weiteres, kleines Wohngebiet mit Blick aufs Wasser soll in Oranienburg entstehen. Zwischen Robert-Koch-Straße und Oder-Havel-Kanal liegt eine alte Industriebrache, die nun ein Investor gekauft hat. Seine Pläne sind, auf der 1,7 Hektar großen Fläche 18 Einfamilienhäuser und 14 Reihenhäuser zu bauen. Wer in der ersten Reihe sitzt, kann auf den Kanal schauen.

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