Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Ein Spezialist für alte Reifen

Unternehmen in Oranienburg Ein Spezialist für alte Reifen

Genan ist weltweit das größte Unternehmen für Altreifenrecycling. Das Mutterhaus steht in Viborg in Dänemark. 2003 wurde als zweiter Standort das Oranienburger Werk errichtet. Genan stellt aus Altreifen neue Produkte unter anderem für die Freizeitbranche und den Straßenbau her. Die Devise des Unternehmens: Verbrennen Sie keinen hochwertigen Rohstoff.

Voriger Artikel
Neue Häuser auf der Industriebrache
Nächster Artikel
Hits und Hardrock von der Havel

Hier werden die angenommenen Altreifen entladen.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Auf das Firmengelände von Genan im Gewerbegebiet Nord rollen täglich 15 bis 30 große Lkw. Ihre Fracht sind Altreifen, knapp 2000 Stück pro Ladung. Was nach dem Recyceln von ihnen übrig bleibt, hat jeder von uns schon mal gesehen, auf Kunstrasenplätzen beim Fußball oder auf Kinderspielplätzen. „Wir sehen in den Altreifen nicht den Müll und die Umweltverschmutzung“, sagt Geschäftsführer Jens Christian Henneberg. „Wir machen neue Rohstoffe daraus.“ Wie das funktioniert, zeigt er bei einem Firmenrundgang, zu dem er Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke eingeladen hat.

 Als Erstes gehen die Reifen in die Waschanlage

Als Erstes gehen die Reifen in die Waschanlage.

Quelle: Robert Roeske

In der ersten Halle packt sich ein Greifer die abgelieferten Altreifen und lässt sie über einer Waschanlage fallen. Begleitet von einem Höllenlärm werden die Reifen in große Stücke zerschreddert und in ein Zwischenlager transportiert, wo das Material auf mehrere Mühlen verteilt wird. Was nun passiert, zählt zu den Firmengeheimnissen und ist von außen nicht zu erkennen. Die hochmoderne Technologie befördert jedenfalls zum Schluss ein Granulat in verschiedenen Körnungen bis hin zum feinsten Pulver zu Tage. Die Produkte verkauft Genan hauptsächlich für den Unterbau von Kunstrasen.

 Jens Christian Henneberg ist Geschäftsführer für alle drei Genan-Werke in Deutschland

Jens Christian Henneberg ist Geschäftsführer für alle drei Genan-Werke in Deutschland.

Quelle: Robert Roeske

„Das ist zurzeit unser größter Absatzmarkt“, sagt Henneberg. Aber auch auf Spielplätzen wird das Granulat nach strengen Kriterien eingesetzt. Eines der Produkte dient als Bindemittel zur Modifizierung von Asphalt und Bitum. Obwohl der Asphalt mit niedrigeren Temperaturen herzustellen wäre, die Fahrbahn geräuschärmer und der Pflegeaufwand geringer wäre, ist dieses Erzeugnis schwer zu verkaufen. Aus dem feinsten Produkt, einem kryogenischen Pulver, können wiederum Reifen hergestellt werden.

 Geschäftsführer Jens Christian Henneberg  (l) zeigt Oranienburgs Bürgermeister sein Unternehmen

Geschäftsführer Jens Christian Henneberg (l.) zeigt Oranienburgs Bürgermeister sein Unternehmen.

Quelle: Robert Roeske

In jedem Reifen stecken 75 Prozent Gummigranulat, 15 Prozent Stahl und zehn Prozent Textilgewebe. Da sich Genan auf die Veredelung des Granulats spezialisiert hat, fällt die Ökobilanz sehr gut aus. Denn die Alternative heißt: Verbrennung. Pro Tonne Reifen würden dabei 1,1 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. „Deshalb lautet unser Unternehmensspruch: Verbrennen Sie nicht hochwertigen Rohstoff.“ Eigentlich könnte die Genan GmbH noch mehr Altreifen recyceln. Besonders aus Deutschland. Denn jetzt werden zwei Drittel der Altreifen aus dem Ausland geliefert. Doch es gibt eine nicht zu verachtende Konkurrenz. Die Zementindustrie verbrennt Altreifen für ihre Produktion.

 In solchen Big-Bags abgefüllt, wird das Granulat in Containern auf dem Hof der Firma gelagert

In solchen Big-Bags abgefüllt, wird das Granulat in Containern auf dem Hof der Firma gelagert.

Quelle: Robert Roeske

Das Werk in Oranienburg ist mit jährlich 65 000 Tonnen das kleinste des Konzerns. Im Jahr 2003 war Genan das erste Unternehmen, das im Gewerbegebiet Nord gebaut hat. Bürgermeister Laesicke kann sich noch gut an den Aufschrei der Oranienburger erinnern, die Angst vor Dreck und Krach hatten und an die beiden Reifenbrände in der Sachsenhausener Straße dachten. Nach einem Besuch in Viborg schlug die Stimmung um. Doch dann brannten kurz vorm Start von Genan die bereits angelieferten Altreifen. „Ein wahrgewordener Alptraum.“ Heute sagt Laesicke: „Von wegen Umweltsünder, das Gegenteil ist hier der Fall.“

Ein Spezialist für alte Reifen

Genan ist der größte Altreifenverwerter auf der Welt und stammt aus Dänemark. Die erste Anlage entstand 1990 in Viborg.

2003 folgte der Standort in Oranienburg. Weitere Werke wurden gebaut in Dorsten in Nordrheinwestfalen (2008), in Kammlach in Bayern (2010) und 2014 in den USA. Die Gesamtkapazität liegt bei 375 000 Tonnen pro Jahr.

Im Genan-Werk in Oranienburg sind 28 Mitarbeiter beschäftigt.

Weltweit fallen jährlich 13,5 Millionen Tonnen Altreifen an, ein Drittel in den USA, ein Drittel in Europa und ein Drittel im Rest der Welt. In Deutschland sind es jährlich 600 000 Tonnen. In Europa werden 35 Prozent der Altreifen recycelt, 37 Prozent verbrannt und fünf Prozent auf Deponien gelagert.

Von Andrea Kathert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg