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19:10 19.08.2016
David (11) probiert sich als Seiltänzer. Quelle: Foto: Paetzel
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Hennigsdorf

Einen Fuß vor den anderen. Ganz langsam balanciert David über das dünne Stahlseil, stützt sich an der Hand seiner Helferin ab. Erst vor, dann wieder zurück. Zigmal hat er das in den vergangenen Tagen trainiert. Bei der großen Zideka-Vorstellung am Freitag bekamen David und seine kleinen Zirkuskollegen auf dem Platz in der Fabrikstraße warmen Applaus vom Publikum. Egal ob Einrad, Waveboard oder Stelzen – die Kinder beherrschten die Geräte nach zwei Wochen Training auf dem Platz erstaunlich gut.

Lampenfieber? „Nein, gar nicht.“ David ist mit seinen elf Jahren schon so etwas wie ein Routinier beim Kinderzirkus. Schon zum vierten Mal hat der Junge, dessen Eltern vor acht Jahren aus Nigeria geflohen waren, beim Kinderzirkus-Projekt der Regionalen Arbeitsförderungsgesellschaft Pur mitgemacht. „Es macht einfach Spaß, und ich habe hier sogar Gitarrespielen gelernt“, sagt der Sechstklässler der Fontane-Grundschule. Ein paar neue Kumpels hat David auch gefunden, Jannik und Hassan heißen die beiden.

Rund 90 Mädchen und Jungen von sechs bis 14 Jahren haben in diesem Jahr am Zirkusprojekt teilgenommen. Es ist mittlerweile ein fester Termin im Hennigsdorfer Kalender geworden, regelmäßig besuchen auch Bürgermeister Andreas Schulz oder Landtagsabgeordnete die Zirkusvorstellungen. Vor zehn Jahren hatte die ehemalige Pur-Mitarbeiterin Gudrun Bergmann das Zirkusprojekt gestartet, damals kamen etwa 30 Mädchen und Jungen. Mit dabei waren viele Kinder aus dem Asylbewerberheim oder aus sozial schwachen Familien. Das hat sich bis heute nicht geändert, erklärt Steffen Leber von der Pur. In diesem Jahr hat er das Projekt zum ersten Mal alleine koordiniert, Gudrun Bergmann war 2015 in Rente gegangen.

Das Zirkusprojekt soll den Kindern schöne Sommerferien bereiten, die ihnen ihre Eltern vielleicht so nicht bieten können. „Es ist schlimm, was einige in ihren Heimatländern schon erleben mussten“, sagt Leber und bleibt vage. Der Zideka soll Ablenkung sein, ein Stückchen heile Welt in den Ferien. In diesem Jahr sind Schulsozialarbeiter, Personal vom Jugendklub Conny Island und Hennigsdorfs Jugendbeauftragte Jennifer Burczyk im Boot, es gibt Ausflüge und Mitmachangebote wie eine Sprayer-Wand zwischen den Zirkusproben.

Die Eltern kostet die Zideka-Teilnahme aber weiter nur zehn Euro für zwei Wochen Ferienspaß. Das ist nur ein Obolus, die Unkosten lassen sich damit nicht decken. Trotzdem kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder ohne Rucksack mit Verpflegung zum Zirkusprojekt schicken. „Wir kochen deshalb auch öfter, die gesunde Ernährung ist uns ein wichtiges Anliegen.“ Dafür setzt die Pur auf Spenden regionaler Unternehmen. In dieser Woche etwa schickte die Akademie für Lebensqualität Christoph Groth, Inhaber des Gasthauses „Hubertus“, mit seinem alten Feuerwehrauto aufs Zirkus-Gelände. Mitgebracht hatte er Spaghetti Bolognese für alle. Solche Spender seien in den kommenden Jahren wichtig für das Zirkusprojekt, appelliert Steffen Leber. Nur dank Spenden steht in diesem Jahr auch ein neues Zirkuszelt auf dem Platz, ein Sturm hatte die beiden alten Zelte im vergangenen Jahr zerfetzt. „Für den Kauf eines zweiten neuen Zeltes fehlen uns noch etwa 5000 Euro“, erklärt der Pur-Mann. Auch hier ist die Gesellschaft vor allem auf Spenden regionaler Unternehmen angewiesen.

David würde sich freuen, wenn es den Zideka auch in den kommenden Jahren geben würde. Er will in den nächsten Sommerferien wieder auf dem Zirkusplatz stehen. Dann aber nicht mehr in der ersten Reihe. Der Junge kann sich vorstellen, als Trainer seine Erfahrung an andere Zirkus-Kinder weiterzugeben. Ehrenamtlich, versteht sich.

Von Marco Paetzel

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