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Ein Traum von einem Trabi

Oranienburg Ein Traum von einem Trabi

Dreieinhalb Jahre lang hat Klaus-Dieter Schimmel gebraucht, um einen abgewrackten Trabant 600 Camping zu einem Schmuckstück zu machen. Jetzt kann es der Oranienburger kaum erwarten, im Frühjahr die erste große Tour zu unternehmen.

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Da steht der ganze Stolz von Klaus-Dieter Schimmel, ein Trabant 600 Camping Baujahr 1963. Nur 2700 Stück wurden davon gebaut.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Klaus-Dieter Schimmel kann es kaum erwarten. „Mir kribbelt’s in den Fingern“, sagt er. So sehr freut er sich auf die erste große Ausfahrt mit seinem Trabi 600 Camping. Ein wahres Schmuckstück in Weiß. Dreieinhalb Jahre Arbeit stecken drin, damit der kleine Flitzer nun aussieht wie 1963, als er in Meerane vom Band lief. Denn die Camping-Reihe des Trabant war eine ganz besondere, die nicht in Zwickau produziert wurde. „Es gibt nur 2700 Stück davon.“ Und einer steht nun bei Klaus-Dieter Schimmel im Carport.

Zwei Drittel aller Wochenenden der letzten Jahre hat er damit verbracht, aus dem vollkommen abgewrackten Auto eine kleine Augenweide zu machen. „Ich hatte gute Unterstützung“, sagt der Oranienburger. Zwei echte Experten, beide über die 70 hinaus, standen ihm im Landkreis Märkisch Oderland zur Seite. „Die waren wirklich mit Leib und Seele dabei.“ So wie Schimmel selbst. Im Internet, auf Märkten und bei Ersatzteil-Händlern stöberte der Trabifan alles auf, was er für seinen 600er brauchte. Von der blanken Karosse an wurde alles neu aufgebaut, sämtliche Teile entrostet, neu gestrichen, liebevoll poliert. „Vor dreieinhalb Jahren war der Wagen in einem sehr schlechten Zustand.“ Er hatte lange Zeit im Freien gestanden, es hatte reingeregnet, der Boden war vollkommen verrostet. Ein Klempnermeister aus Friedland half Schimmel, die Karosse wieder aufzubauen.

Er blitzt nur so, der Trabi von Klaus-Dieter Schimmel

Er blitzt nur so, der Trabi von Klaus-Dieter Schimmel.

Quelle: Enrico Kugler

Das Besondere an der Camping-Reihe war unter anderem das Schiebedach aus Stoff, die Hecktür und eine serienmäßige Anhängerkupplung. „Da konnte man den Klaufix anhängen“, lacht Schimmel. Große Probleme bereiteten ihm die Sitze. Die konnte er nirgendwo auftreiben und musste die alten aufarbeiten und neu polstern lassen. Auch die Scheiben waren ganz schwer zu bekommen. Der 600er hat geteilte Seitenscheiben, die man zur Hälfte nach hinten schieben kann. Eine kleine, dreieckige Klappscheibe sorgt dafür, dass es nicht zieht während der Fahrt. Die Scheibenwischer, alle Gummis, der blaue Streifen und die Zierleisten an der Seite – jedem Detail sieht man an, wie viel Liebe darin steckt. Die Trabi-Reifen werden übrigens immer noch hergestellt.

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Der Trabi 600 Camping ist ein Schmuckstück geworden. Klaus-Dieter Schimmel hat ihn über Jahre aufgebaut. Wie er vorher aussah ist hier auch zu sehen.

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Im Motorraum blitzt es nur so, kein Stäubchen, kein Öltropfen ist zu sehen. 23 PS hat der Motor und eben die 600 Kubik Hubraum. „Er schnurrt gut“, sagt Schimmel ganz stolz. Der Tank, der Luftfilterbehälter, die Rohre für die Heizung – alles sieht aus wie neu. Klaus-Dieter Schimmel hat auf jedes Detail geachtet. Zum 600er gehören eben die kleine Blumenvase am Armaturenbrett mit den Plasteblumen, die umhäkelte Klopapierrolle, die Aschenbecher für die hinteren Insassen oder der einzige Außenspiegel auf dem linken Kotflügel. Vielen Trabifahrern ist sicher auch noch in Erinnerung der kleine Metall-Fußschalter neben der Kupplung für das Aufblendlicht.

Tausende von Euro hat Klaus-Dieter Schimmel in seinen Trabi gesteckt. „Aber irgendwann konnte ich eben nicht mehr aufhören.“ Inzwischen ist er wohl fast so viel wert wie sein Neuwagen. Der Oranienburger hat zwar viele Jahre selbst einen Trabant gefahren und um die 100 000 Kilometer damit runtergeschrubbt. Mit der Idee, einen alten wieder aufzubauen, hatte ihn aber sein Schwager infiziert. „Der hat meine Frau und mich vor sechs Jahren zu einem Oldtimer-Treffen mitgenommen.“ Da ging alles ganz authentisch zu, bis zur Garderobe. Die Frauen fuhren im Petitcoat-Kleid, die Männer im Präsent-20-Anzug oder mit Röhrenjeans und Pomade im Haar. Irgendwann musst du aber mit deinem eigenen Oldtimer kommen, wurde Schimmel gesagt. Der treibende Keil war schließlich seine Frau. Doch wenn es schon ein altes Auto sein sollte, „dann ein richtig alter Trabi“, hatte sich Schimmel vorgenommen.

Die MAZ sucht Trabi-Fans

Wer kennt nicht die kleine Rennpappe aus Zwickau: den Trabant.

Die MAZ sucht Fans, die ihren Trabi wieder aufgemöbelt haben oder noch fahren. Die Redaktion ist gespannt, wer das älteste Modell fährt.

Rufen Sie an: 03301/5 94 50, schicken eine Mail: Oranienburg@maz- online.de oder schreiben uns: Mittelstraße 15, 16 515 Oranienburg.

Als er den Wagen auf dem Anhänger aus dem Landkreis Märkisch Oderland nach Oranienburg transportierte, „hab ich mich zum ersten Mal in meinem Leben über ein Blitzerfoto gefreut.“ 37 Km/h hatte er auf einer 30er-Strecke drauf. „Das war ein schönes Erinnerungsfoto“, lacht Schimmel. Seit dem 6. November hat sein Schmuckstück eine Zulassung und den TÜV. Nun muss der Oranienburger nur noch auf den Frühling warten. „Das wird schon ein Schönwetterauto sein“, sagt er. Für den Alltag ist das Liebhaberteil nicht gemacht. Eine seiner ersten Touren wird ihn bestimmt zu den beiden alten Herren führen, die ihm so unter die Arme gegriffen haben. Und wer weiß, vielleicht rollt Klaus-Dieter Schimmel mit seinem weißen Trabant 600 Camping auch zur Trabant-Ausstellung in diesem Jahr in Zwickau vor.

Von Andrea Kathert

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