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Ein Vierteljahrhundert Arbeit mit Behinderten

Arbeit mit Behinderten Ein Vierteljahrhundert Arbeit mit Behinderten

Aus der Idee am Küchentisch, sich um Menschen mit Behinderungen zu kümmern und sie mitten ins Leben zu holen, ist nach 25 Jahren ein Verein gewachsen, dem sich 200 Betreute anvertrauen. Für die behinderten Menschen ein Leben lang da zu sein, ist beim Verein Lebenshilfe Oberhavel Süd kein Lippenbekenntnis.

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Ein gutes Team: Geschäftsführerin Uta Gerber und Vereinsvorstandsvorsitzender Bolko Prusok. Die beiden erzählen, was in 25 Jahren alles bei der Lebenshilfe Oberhavel Süd passiert ist.

Quelle: Foto: ENRICO KUGLER

Oranienburg. „Wir geben Hilfe zum Leben“, sagt Bolko Prußok. Und das ein Leben lang. Der Verein, den er am 6. Juni1990 an seinem eigenen Tisch zu Hause mit aus der Taufe hob, hat Wort gehalten. Die behinderten Bewohner und Betreute stehen im Mittelpunkt. „Und wir wollen etwas mit ihnen unternehmen, sie am Leben teilhaben lassen und sie nicht aufbewahren.“ Dieses nur „Aufbewahren“ war der eigentliche Grund, warum Bolko Prußok und die anderen Gründungsmitglieder so energisch die Idee verfolgten, im Kreis einen eigenen Verein der Lebenshilfe zu gründen. Bolko Prußok hat selbst einen behinderten Sohn. Aber wo konnte er ihm etwas bieten? „Zu DDR-Zeiten wurde doch vom Staat nichts gemacht.“ Behinderte Menschen lebten damals im Johannesberg, im Annagarten und im Waldhaus in Sommerfeld. „Die waren aber gar nicht sichtbar“,sagt Prußok. Deshalb war die erste Aufgabe des Vereins, diese Menschen zu suchen und zu überlegen, wo sie leben können. Mit der Wende wollte plötzlich der Rat des Kreises seine Feierabendheime loswerden. So wie das in Briese bei Birkenwerder und die Villa Sonnenschein in der Dianastraße in Lehnitz. Die verfallenen Häuser waren offenbar eine Herausforderung für Prußoks „Vorliebe für alte Schinken“. Und dann ging es los. Allerdings ganz anders, als es sich Vereinsvorstandsvorsitzende vorgestellt hatte. „Neun Jahre haben wir gebraucht, um Geld zu kriegen.“ Jetzt kann er darüber lächeln. Jeder Geldgeber hatte andere Anforderungen, es ging immer hin und her. Alles musste streng nach einer Heimmindestbauverordnung laufen. „Mit so was hatte ich nie zu tun vorher“, sagt Prußok. Er kam aus der KfZ-Branche. Aber der 70-Jährige ist einer, der mit dem Kopf durch die Wand will. Im Dezember 2000, einen Tag vor Silvester, zogen die ersten Bewohner in die Villa Sonnenschein ein.

Bei der zweiten Wohnstätte der Lebenshilfe ging es schon ein wenig schneller. „Dafür haben wir nur sechs Jahre gebraucht“, lacht Prußok. Ursprünglich sollte das Heim in Briese umgebaut werden. Auf dem Grundstück wollte der Verein zusätzliche Holzhäuser errichten. Der damalige Bürgermeister Kurt Vetter und Sozialministerin Regine Hildebrandt stimmten zu. Plötzlich hieß es, es gibt keine Fördermittel. Der Verein ging wieder auf die Suche. Beim jüdischen Erholungsheim in Lehnitz wollten die Eigentümer „gleich die Kohle auf den Tisch haben“, erinnert sich Prußok. Das ging also auch nicht.

2001 wurden in Briese bei Birkenwerder die Zelte aufgeschlagen

2001 wurden in Briese bei Birkenwerder die Zelte aufgeschlagen. Aus dem Umbau des ehemaligen Feierabendheimes zur Wohnstätte wurde allerdings nichts.

Quelle: Privat

Schließlich wurde es die Rote Villa in Velten. Es war die zweite Herausforderung. „Was wir da mit dem Denkmalschutz erlebt haben“, schüttelt Prußok den Kopf. „Die erste Strafanzeige haben wir bekommen, weil wir im Keller Putz abgehauen hatten.“ Aber es ging weiter. Gegenüber der Villa lag das Altersheim. „Die Leute sollten endlich ordentlich wohnen können.“ Einer der ersten, die in die Rote Villa zogen, war ein 22-Jähriger aus dem Altersheim. Am 11. März 2006 war Einweihung. Aber nun sagt Prusok: „Mein Leben lang fasse ich kein denkmalgeschützes Haus mehr an.“

Ausflüge, Feste und Ferienreisen gehören bei der Lebenshilfe schon immer dazu

Ausflüge, Feste und Ferienreisen gehören bei der Lebenshilfe schon immer dazu. Außer im Januar wird eigentlich das ganze Jahr über gefeiert.

Quelle: Privat

Dafür kamen viele andere Projekte. 1996 entstand in der Rigaer Straße in Hennigsdorf eine Wohngruppe mit sieben Plätzen. Im gleichen Jahr eröffnete der Freizeittreff in der Lehnitzstraße 26. Inzwischen ist dort jeden Tag was los. Die Lebenshilfe bietet ambulantes, betreutes Wohnen an, das inzwischen 80 Menschen in zwölf Wohngruppen nutzen. Und 2009 wurde ein eigener Pflegedienst der Lebenshilfe gegründet.

Uta Gerber ist die Geschäftsführerin des Vereins. Eines der interessantesten Projekte für sie ist „Aufbruch Psychatrie“. Fünf Menschen aus der Nervenklinik Neuruppin wurden 1998 dort entlassen und in Oranienburg in eine WG integriert. Leute, die 25 Jahre lang eingesperrt waren. Die wieder ins Leben zu integrieren, war eine große Aufgabe. „Und inzwischen gibt es welche, die alleine wohnen können“, sagt Uta Gerber mit einem Fünkchen Stolz in der Stimme. „Ja“, meint die Geschäftsführerin. „Wir bieten Hilfe an, ein Leben lang.“

Von Andrea Kathert

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