Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Ein Vierteljahrhundert in 53 Minuten

800 Jahre Oranienburg Ein Vierteljahrhundert in 53 Minuten

Die Uraufführung des Films „Oranienburg – 1990 bis 2015“ entführte die Zuschauer im Filmpalast wieder in die Wendezeit. Manch einer sah sich selbst auf der Leinwand – allerdings blutjung. Hans-Jürgen Georgi hatte beeindruckende Szenen zusammengestellt, die vor allem verdeutlichten, wie schlimm die Stadt nach dem Mauerfall ausgesehen hatte.

Voriger Artikel
Über den Fuß gefahren
Nächster Artikel
Hennigsdorf: Musikalische Stadt

Zwei Bürgermeister: Wolfgang Arps (r.) führte nur zwei Jahre das Zepter (1991 bis 1993). Hans-Joachim Laesicke schon seit 22 Jahren.

Quelle: ENRICO KUGLER

Oranienburg. Es gab am Dienstagabend wohl niemanden im Oranienburger Filmpalast, der nicht irgendwann gedacht hat: Mein Gott, wie das aussah. Ach schau mal, wie blutjung der war. Oh, da war ich doch auch dabei. Der Film von Hans-Jürgen Georgi, dem ehemaligen Geschäftsführer und Redakteur von Oberhavel TV, begeisterte wohl jeden, der eine Stunde lang auf die Leinwand schaute. Wie im Schnelldurchlauf erlebten die Zuschauer ein Vierteljahrhundert, in der sich Oranienburg vom hässlichen Entlein in eine hübsche Stadt verwandelte.

Zwei Jahre lang hatte Hans-Jürgen Georgi sein Archivmaterial durchstöbert, um im Auftrag der Stadt genau zur 800-Jahr-Feier diese historische Dokumentation zu zeigen. Im Gegensatz zu anderen Sendern hatte Georgi sämtliches Archivmaterial bei sich im Keller gebunkert. Was für ein Glück für Oranienburg.

  Bürgermeister Laesicke (l) und Filmemacher Hans-Jürgen Georgi fachsimpeln vor dem Filmpalast

Bürgermeister Laesicke (l.) und Filmemacher Hans-Jürgen Georgi fachsimpeln vor dem Filmpalast.

Quelle: ENRICO KUGLER

Ein bestens gelaunter Bürgermeister drehte bei der Begrüßung der Zuschauer den Spieß mal um, und interviewte den Redakteur, der ihm sonst ein Loch in den Bauch gefragt hatte. „Herrn Georgi sind erschütternde Bilder gelungen“, sagte Hans-Joachim Laesicke mit fröhlicher Miene. „Sie werden sehen, wie aus schlanken Frauen stattliche Damen wurden.“ Und wie sich die Bärte der Männer von Tiefbraun in helles Grau verfärben.

Der Film zeigt einen gelungenen Querschnitt durch alle Lebensbereiche. Ein Raunen ging durch den Saal, als auf der Leinwand die grauen, tristen Fassaden der Wendezeit zu sehen waren, von denen in großen Brocken der Putz abfiel. So furchtbar hatten wohl die wenigsten die Bilder noch vor Augen. Die Orangerie, die im Krieg unbeschadet blieb, sah aus, als hätte sie trotzdem eine Bombe getroffen _ ein erbärmlichen Anblick. Der Film beginnt am Oranienburger Schloss, eines der meist geschundendsten Gebäude der Stadt, heruntergewirtschaftet und verwahrlost. Udo Semper, der erste demokratisch gewählte Bürgermeister, bekam 1990 die Schlüssel in die Hand gedrückt.Das Schloss ist ein Spiegelbild für die Entwicklung von Oranienburg.

Etlich Zuschauer werden sich in dem Film wieder erkannt haben

Etlich Zuschauer werden sich in dem Film wieder erkannt haben. So wie Kerstin Kausche.

Quelle: ENRICO KUGLER

Beeindruckende Bilder gab es auch zur Weißen Stadt, als ein Stück der Mauer am Kran hing und die russischen Truppen abzogen. Zu sehen waren Investor Klaus Kesting, der 1997 pleite ging, Wolfgang Arps als Bürgermeister oder Bernd Jarczewski, der noch im Norwegerpullover in der Stadtverordnetenversammlung saß. So mancher Zuschauer wird kurz gezuckt haben, als er sich selbst blutjung auf der Leinwand entdeckte. Hans-Jürgen Georgi hat nichts ausgelassen: der Wohnungsmangel, der Bau der neuen 96, das erste Einkaufszentrum, der Untergang des Kaltwalzwerkes, der Abriss des G-Hauses und vieles, vieles mehr.

Bürgermeister Laesicke fand die Dokumentation nicht nur gelungen. „Es stimmt auch alles in dem Film“, sagte er. „Es ist eben besser, wenn jemand so was macht, der immer mit dabei war.“

Gut gefüllt, aber nicht voll besetzt war der  Filmpalast Oranienburg zur  Premiere des Dokumentarfilms über 25 Jahre Oranienburg von Hans-Jürg

Gut gefüllt, aber nicht voll besetzt war der Filmpalast Oranienburg zur Premiere des Dokumentarfilms über 25 Jahre Oranienburg von Hans-Jürgen Georgi.

Quelle: ENRICO KUGLER

Wer bei der Premiere nicht dabei sein konnte, muss sich nicht grämen. Der Filmpalast will den Streifen immer mal wieder im „Seniorenkino“ oder dem „Kino für Kenner“ zeigen. Am 5. Juli ist der Film erneut zu sehen. Außerdem denkt die Stadt darüber nach, eine DVD von dem Film herstellen zu lassen.

Von Andrea Kathert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg