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Oberhavel Ein Wikinger aus Velten
Lokales Oberhavel Ein Wikinger aus Velten
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00:43 23.08.2014
Paul Niepalla kämpft als Wikinger Thorbjörn in der Sippe Dimvargar (zu deutsch: „Nebelwölfe“). Quelle: Privat
Velten

Wir schreiben das Jahr 1165, die Dänen wollen die Slawen auf Rügen mit aller Macht zum Christentum zwingen. Hunderte Krieger sterben in der Schlacht um Garz. Auch Thorbjörn wird tödlich verwundet, eine Klinge durchbohrt den Rumpf des Wikingers. Er lässt Schwert und Schild fallen, sinkt aufs Schlachtfeld nieder. Der Seekrieger hadert mit seinem frühen Ende. „Die Deckung ist noch so ein bisschen meine Schwäche“, sagt der Wikinger. Doch am Ende steht er wieder auf, mehr als ein paar blaue Flecke bleiben nicht. Thorbjörn ist schwer gepanzert, seine Hände sind mit dicken Handschuhen geschützt. „Wenn man Montag wieder arbeiten gehen muss, kann man sich ja keinen gebrochenen Finger leisten.“

Quelle: Privat

Alle paar Wochen kämpft Thorbjörn auf Schlachtfeldern im ganzen Land, im wahren Leben trägt der Krieger meist Schlips und Kragen. Es ist Paul Niepalla, der Vorsitzende der Veltener SPD und Chef der Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. „Die Leute glauben immer gar nicht, dass ich so ein Hobby habe“, sagt der 29-Jährige. Kein Wunder. Im Sitzungssaal wirkt der Verwaltungswissenschaftler, der seine Masterarbeit der Einführung der Doppik im Land Brandenburg gewidmet hat, oft etwas steif. Erst auf Mittelaltermärkten kommt er aus sich heraus. „Da kann ich mal richtig abschalten und mein Smartphone landet in einer Truhe“, sagt der Veltener.

Quelle: Privat

Als Kind besuchte er ein Mittelalterdorf in Altefähr auf Rügen. Niepalla verschlang fortan Bücher übers Mittelalter, baute reihenweise Lego-Burgen. Der Junge kam nicht mehr los von den dunk len Jahrhunderten. Vor sieben Jahren gründete er mit drei Mitstreitern seine Wikingersippe, sie nannten sich „Dimvargar“ (schwedisch, zu deutsch: „Nebelwölfe“). Paul Niepalla kaufte sich Schwert, Axt, Tunika & Co, auch sein Name Thorbjörn war schnell gefunden. Und weil er in Greifswald aufgewachsen ist, wollte Paul Niepalla ein Wikinger sein. „Das hat einfach mit der Nähe zur Ostsee zu tun“, so der SPD-Krieger. Im ersten Jahr schnupperten Niepallas Nebelwölfe nur als Tagesgäste auf den Mittelaltermärkten herum, in die großen Schlachten stieg die Wikinger-Sippe erst vor zwei Jahren richtig ein. Und damit er nicht in jeder Schlacht den Heldentod stirbt, muss Paul Niepalla regelmäßig trainieren. Etwa fünfmal im Jahr übt er den Umgang mit Schwert und Axt, dafür gibt es extra Veranstaltungen in Sporthallen oder auf Freiflächen. Seine Nebelwölfe trainieren dann nicht nur Kämpfe in Gruppen (sogenannte Linienkämpfe) und Mann gegen Mann, sondern auch taktische Formationen fürs Schlachtfeld. „Ich habe am Ende noch zu viele blaue Flecken, das muss besser werden.“

Die Nebelwölfe

Die Sippe „Dimvargar“ um den Veltener Paul Niepalla gründete sich 2007, ab 2008 nahmen die Hobby-Wikinger am Lagerleben auf Mittelaltermärkten wie Berlin-Schönholz, Bäbelin, Friesack, Burg Stargard oder Garz teil. Infos gibt es ganz modern im Internet unter http://www.dimvargar.de/.
Kostspielig ist Ausrüstung der Krieger. Paul Niepalla zahlte für Schwert 100 Euro, Helm 150 Euro, Axt 50 Euro, Schild 80 Euro und Kleidung 150 Euro.

Momentan fällt Niepalla noch in fast jeder Schlacht. Zwar sind die Schwerter abgerundet, die Äxte stumpf. Ganz ungefährlich sind die Hobbykriege aber trotzdem nicht. Anfang Juni wurde der Nebelwolf bei einer Schlacht in Neustadt-Glewe schwer an der Schulter getroffen, Niepalla kam ins Krankenhaus. „Sie haben geschaut, ob nichts angebrochen oder abgerissen war.“ Doch außer einer Prellung hatte der Krieger nichts davongetragen. Er gibt sich weiter furchtlos. „Die meisten Leute sterben eh zu Hause“, sagt Niepalla und lacht.

Quelle: Privat

Doch es geht bei seinem Hobby nicht nur um Krieg. Die Nebelwölfe hausen in Leinenzelten, in den Kupferkessel kommen Pastinaken, Lauch, Graupen. Was die Felder im Mittelalter eben hergaben. Und wenn am Lagerfeuer die Waffen schweigen, gibt es interessante Begegnungen. Eines Nachts hat Paul Niepalla ein paar Krieger mit SPD-Parteibuch getroffen. Vielleicht wird er sie Ende September auf dem Schlachtfeld der Wasserburg Heldrungen wiedersehen. Doch dann wird der Wikinger erbarmungslos sein. Genossen kennt er in der Schlacht nicht.

Von Marco Paetzel

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