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Ein Zuhause für Tiere

Wensickendorf Ein Zuhause für Tiere

Auf dem Gnadenhof im Gärtnerweg finden Tiere ein Zuhause, die verletzt und krank sind, die keiner mehr haben oder die langsam ihr Gnadenbrot bekommen sollen. Im Moment haben die Wildtierretter viel mit Greifvögeln zu tun, die bei dem Starkregen und den Stürmen aus ihren Nestern gefallen sind.

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Steven Giese hat von Elena und Darius Faradjollah (v. l.) eine handaufgezogene Taube bekommen, die in Berlin aus dem Nest gefallen war.

Quelle: Fotos: Robert Roeske

Wensickendorf. Steven Giese hat Besuch auf dem Gnadenhof im Gärtnerweg. Elena und Darius Faradjollah kommen direkt aus Berlin-Kreuzberg und bringen eine junge Taube. „Sie war gerade zwölf Tage alt, als sie aus dem Nest gefallen ist“, erzählt die junge Frau. Die kleine Taube hatte gar keine Federn. Die beiden Berliner haben das Tier mit nach Hause genommen, mit Brei gefüttert und aufgezogen wie ein Haustier. Birdy haben sie ihr Findelkind genannt. Erst hat eine Katzenbox gereicht. „Dann haben wir einen Hasenkäfig gekauft“, erzählt Elena. Zum Schluss ist Birdy einfach in der Wohnung herumgeflogen und hat sich auf die Schultern der beiden gesetzt. Nun ist es Zeit, Birdy in die Freiheit zu entlassen. „Als wir noch nicht wussten, dass es diese Wildtierrettung hier gibt, waren wir todtraurig.“ Der Abschied fällt den beiden sichtlich schwer. Doch Birdy ist in guten Händen. Steven Giese bugsiert die junge Taube vorsichtig in eine Voliere. Dort ist sie in guter Gesellschaft. Eine Sporttaube, die völlig erschöpft in Berlin gefunden wurde, lebt schon länger auf dem Gnadenhof. Sie hat in dieser Zeit sogar eine andere Babytaube mit aufgezogen. „Die Sporttaube kommt dann zu einem Bekannten, freilassen können wie sie nicht“, sagt Steven Giese. Sie würde zu ihrem Züchter zurückfliegen. „Und der würde ihr den Hals umdrehen, weil sie zu spät kommt und für seine Zucht ungeeignet ist.“ Mit Tieren, die keiner mehr will oder die sich bei den Stürmen und dem Starkregen in diesem Jahr verletzten, haben es die Wildtierretter oft zu tun. Anfang des Jahres waren es vor allem junge Füchse, Waschbären und Marder, die gefunden wurden. Jetzt sind es vor allem Greifvögel, die sich verletzt, in der Stadt die Orientierung verloren haben oder aus dem Nest gefallen sind.

Das kleine Igelbaby wurde im Sperrmüll gefunden

Das kleine Igelbaby wurde im Sperrmüll gefunden. Seine Mama hatte es sich in einem alten Sofa bequem gemacht. Jetzt wird die kleine Familie mit drei weiteren Babys auf dem Gnadenhof erst mal zur Ruhe kommen.

Quelle: Robert Roeske

Sechs Hunde leben auf dem Hof im Gärtnerweg. Sie sind krank, alt oder blind. Dazu schnurren 17 Katzen durch den Garten, und auf dem Taubenschlag gurrt es. Die Tauben wurden mit der Hand aufgezogen und wollen den Hof deshalb gar nicht verlassen. Die Tiere kommen alle gut miteinander aus, stromern bei dem schönen Wetter zwischen den Gehegen und Volieren herum. Die beiden Minischweine gehören schon zum Altbestand. Sind vor drei Jahren aus Lehnitz mit hierher gezogen, als endlich ein Grundstück für den Gnadenhof gefunden war. Lautstark macht ein hübscher Großsittich mit buntem Federkleid auf sich aufmerksam.

Der kleine Kater ist ein Schmusetier

Der kleine Kater ist ein Schmusetier.

Quelle: Robert Roeske

„Er wurde in einer Halle in Berlin gefunden, war fast nackig und total unterernährt“, erzählt Steven Giese. Im Hasengehege ist mächtig was los. Die drei Tiere sind nur selten zu sehen. Sie sind vollauf mit ihrem Erdbau beschäftigt. Die Freiflugvoliere, in der sonst Eulen und Bussarde leben, herrscht gerade Leere. Die Babykauze, die dort das fliegen gelernt haben, sind schon ausgewildert. Jethro und Siva, die beiden Kolkraben, können ihre Voliere nicht verlassen. Siva ist vor vier Wochen in eine Schlingfalle geraten und hat sich die Kralle verletzt. Jethro hat einen kaputten Flügel. „Die beiden haben nur Blödsinn im Kopf“, sagt Steven. In dem Gehege nebenan leben acht Meerschweinchen.

Steven Giese und seine Frau Sandra, die diplomierte Tierpsychologin und Tierheilpraktikerin ist, bekommen Hilferufe aus ganz Berlin, Brandenburg und weit darüber hinaus. Letzte Woche hatten Urlauber einen kleinen Fischotter auf Rügen gefunden. „Wenn der Einsatz so weit weg ist, beraten wir die Leute erst mal am Telefon.“ Die Urlauber verfrachteten den kleinen Otter erst mal in einen Karton und warteten mehrere Stunden, ob sich das Muttertier blicken ließ. Doch es kam nicht. Nun ist der Fischotter in einer Pflegestelle in Velten.

Der Gnadenhof kann natürlich nicht alle Fundtiere aufnehmen und behalten. Deshalb gibt es inzwischen viele private Pflegestellen, zu denen die Wildtierretter einen guten Kontakt haben. Der Verein Notkleintiere e. V. zählt 17 Mitglieder. Aber zum Einsatzteam zählen 48 Leute. Auch davon könnte es noch mehr geben. Denn viele sind tagsüber arbeiten und können nicht mit eingreifen, wenn es gilt, verstörte und verletzte Tiere einzufangen. Die neueste Anschaffung des Vereins ist eine Netzpistole.

Die Kolkraben sind beide verletzt

Die Kolkraben sind beide verletzt.

Quelle: Robert Roeske

Nachdem das Team mit fünf Schlauchbooten tagelang versuchte, einen Schwan einzufangen, wurde ein Spendenaufruf gestartet. Die 1600 Euro für die Netzpistole kamen tatsächlich zusammen. In ganz Berlin und Brandenburg gibt es sonst keinen Verein, der so etwas hat. Sandra und Steven Giese kommen auch zu Hauseigentümern, wenn sich Waschbären oder Marder einquartiert haben. Dann stellen sie Lebendfallen auf. Alles kostenlos. Was gut klappt , sind die Futterspenden. „Da sind viele Leute mit Herz dabei.“ Der Verein ist über Facebook gut vernetzt, auf der Internetseite findet man viel Hinweise.

Weitere Informationen sind unter www. notkleintiere.de zu finden.

Von Andrea Kathert

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