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Oberhavel Ein helles Licht in dunklen Zeiten
Lokales Oberhavel Ein helles Licht in dunklen Zeiten
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00:27 17.12.2015
Mike Delberg vor einem der achtarmigen Chanukka-Leuchtern in Berlin. Quelle: Vivien Boche
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Oranienburg

Bunt geschmückte Weihnachtsbäume gehören im Dezember zum Straßenbild und fallen vielen Menschen kaum noch auf. Anders ist das mit den achtarmigen Chanukka-Leuchtern gewesen, die vergangene Woche zum Beispiel auf dem Pariser Platz in Berlin oder vor dem brandenburgischen Landtag in Potsdam direkt neben den Weihnachtsbäumen standen. Sie sorgten vor allem bei Touristen aus dem Ausland für Aufregung und waren ein beliebtes Fotomotiv.

Obwohl das Fest für mehr als 30 000 Juden, die im Großraum Berlin leben eine sehr große Bedeutung hat, ist es vielen Menschen nicht-jüdischen Glaubens kaum bekannt. Ein Experte, wenn es um Fragen des jüdischen Lebens in Deutschland und die Bedeutung von Chanukka geht, ist Mike Delberg. Der 26-jährige Jura-Student, der ein guter Freund der jüdischen Gemeinde in Oranienburg ist, leitet in Berlin ein jüdisches Studentenzentrum und ist Abgeordneter im jüdischen Gemeindeparlament in Berlin.

Für ihn sind die acht Tage des Chanukka-Fests eine besondere Zeit, in der er sich jeden Tag mit der Familie und Freunden trifft um zu feiern. An Chanukka, was auch häufig als das Fest der Lichter bezeichnet wird, feiern die Juden ein Wunder, das dem Volk Israel vor 2100 Jahren widerfuhr.

Nachdem der erste jüdische Tempel im alten Jerusalem zunächst von fremden Herrschern zerstört wurde, gelang es einer kleinen jüdischen Gruppe die Besatzer aus dem Tempel zu vertreiben und ihn zurückzuerobern. Nach der gelungenen Befreiung des Tempels fand sich allerdings nur noch ein kleiner Rest des heiligen Öls, welches für das Brennen des heiligen Feuers im Tempel benötigt wurde. Dieser Rest hätte eigentlich nur einen Tag brennen dürfen. Wie durch ein Wunder jedoch, brannte es acht Tage lang bis es den Juden gelang, genügend neues Öl zu beschaffen.

„Deswegen ist Chanukka auch ein Fest der Hoffnung, ein helles Licht in dunklen Zeiten“, sagt Mike. Neben dem Leuchter, an dem es jeden Abend ein neues Licht zu entzünden gibt, stehen vor allem das Beisammensein und leckeres Essen im Mittelpunkt der jüdischen Feierlichkeiten. „Es gibt zum Beispiel eine ganz besondere Art Kartoffelpuffer, die ein bisschen wie eine Mischung aus Eierkuchen und Kartoffelpuffer schmeckt“, erklärt Mike Delberg die Speisegewohnheiten. „Für die Kinder gibt es jeden Tag ein kleines Geschenk“, ergänzt er lachend.

In diesem Jahr ist Mike die Botschaft der Hoffnung in dunklen Zeiten besonders wichtig. „Natürlich haben auch uns Juden die Ereignisse in Frankreich sehr betroffen gemacht. Ich lebe zwar nicht in permanenter Angst, aber trotzdem müssen wir jetzt noch vorsichtiger sein.“

Grundsätzlich habe er sich daran gewöhnt, dass jüdische Gemeindehäuser und Synagogen stets besonders geschützt seien, erklärt er. Für ihn sei es mittlerweile normal, durchsucht zu werden bevor er zum Beten geht. „Wir wollen mit allen anderen in Frieden leben, das ist die zentrale Botschaft“, sagt Mike.

In dieser Grundhaltung lässt er sich auch nicht durch die große Zahl an Geflüchteten beirren, die ins Land kommen und denen häufig vorgeworfen wird, sie brächten eine antisemitische Haltung mit. „Wir senden ein Signal des Willkommens an diejenigen, die vor Krieg nach Deutschland flüchten“, sagt Mike. Er betont, dass es darum gehe gemeinsam in einer Gesellschaft zu leben. Dass Antisemitismus in der Gesellschaft nach wie vor existiert, hat Mike selbst schon oft merken müssen.

Fiese Sprüche gab es häufig, sogar Drohungen wurden gegen ihn gerichtet. Daraufhin war er sogar einmal gezwungen, die Schule zu wechseln. Mittlerweile hat er gelernt, offensiv mit diesen Anfeindungen umzugehen. „Ich mache demjenigen dann stets deutlich, dass nicht ich es bin, der keinen Platz in dieser Gesellschaft hat, sondern derjenige, der mich auf Grund meiner Religion beleidigt“, erklärt Mike.

Seine größte Hoffnung lässt er sich aber auch durch Anfeindungen und dumme Sprüche nicht nehmen. Eines Tages, so wünscht er sich, sollte es für alle völlig normal sein, wenn jemand Jude ist. „Ich hoffe beispielsweise, dass sich Menschen eines Tages nicht mehr umdrehen, wenn jemand mit einem langen Bart und einer Kippa an ihnen vorbeigeht. Ein friedliches miteinander ist das Ziel“, bringt er es auf den Punkt.

Wer weiß, vielleicht wird die Erfüllung dieses Wunsches in der Weihnachtszeit zum nächsten Chanukka-Wunder.

Von Markus Kollberg

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