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Ein neues Leben für die Villa

Lehnitz Ein neues Leben für die Villa

Investor Lothar Stenzel hatte den richtigen Riecher. Er war sich sicher, dass Interessierte tief in die Tasche greifen würden, um eine Eigentumswohnung in der sanierten Villa Sachs in Lehnitz zu bekommen. Im Moment ist das ehemalige jüdische Erholungsheim eine einzige Baustelle. Doch sämtliche Wohnungen sind bereits verkauft.

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Die Villa Sachs in der Magnus-Hirschfeld-Straße ist komplett eingerüstet. Im September wird auch noch das Dach abgenommen.

Quelle: Fotos: Andrea Kathert

Lehnitz. Das ehemalige jüdische Erholungsheim in der Magnus-Hirschfeld-Straße ist komplett eingerüstet. Doch außer vielen Brettern und Rohren rund um die Gebäudehülle ist außen nicht viel Spektakuläres zu sehen. Dabei gab es durchaus während der Aufräumarbeiten auf dem Gelände was zu entdecken. „Wir haben zum Beispiel einen alten Heizöltank in der Erde gefunden“, erzählt Architekt Frank Hintzpeter. 40 000 Liter passten in das Riesending. „Das sah aus wie ein U-Boot“, lacht er. Aber sonst gab es auf dem Villengrundstück keine bösen Überraschungen, vor allem keine Bombenblindgänger. Die Munitionssucher sind gerade auf der Fläche des dritten Bauabschnittes zugange, wo auf dem ehemaligen Waldstück rechts von der Villa sechs Häuser und eine Tiefgarage entstehen sollen. Aber das passiert erst Ende 2017. Im Herbst oder im nächsten Frühjahr hingegen wird der zweite Abschnitt in Angriff genommen. Links von der Villa werden zwei neue Häuser entstehen.

Architekt Frank Hintzpeter führt durch die Villa, die eine einzige Baustelle ist

Architekt Frank Hintzpeter führt durch die Villa, die eine einzige Baustelle ist.

Quelle: Kathert

Momentan aber konzentrieren sich alle Arbeiten auf das Innere der Villa Sachs. Dort geht es ein wenig wie im Bienenschwarm zu. Im großen Treppenhaus kreuzen sich die Wege der Handwerker. „Wir haben alles entkernt und haufenweise Schrott und Müll entsorgt“, meint der Architekt. In der bel étage, wie Investor Lothar Stenzel das Erdgeschoss nennt, werden gerade neue Türöffnungen geschaffen.

In der bel étage werden die Türöffnungen gemauert

In der bel étage werden die Türöffnungen gemauert. Unter dem hinteren Fenster ist das Loch für die Balkonbefestigung zu sehen.

Quelle: Kathert

In der Giebelwand sind schon die großen Löcher für die Balkonbefestigungen zu sehen. Die Träger werden in die neue Geschossdecke der darunterliegenden Gartenebene einbetoniert. Dort wo es möglich war, wurden die alten Holzdielen erhalten. Die großen Saaltüren sind aufgearbeitet worden. Fünf Wohnungen entstehen in der bel étage. Vier sind durch das großzügige Treppenhaus zu erreichen. Das wunderschöne, schmiedeeiserne Geländer ist bereits asugebessert und sandgestrahlt. „Das Geländer selbst wird schwarz gestrichen, der Handlauf dunkelrot“, erzählt Hintzpeter.

Das Geländer im Haupttreppenhaus wurde komplett wieder aufgearbeitet und sandgestrahlt

Das Geländer im Haupttreppenhaus wurde komplett wieder aufgearbeitet und sandgestrahlt.

Quelle: Kathert

Im Obergeschoss sind die Maurer bereits durch, die Grundrisse der Wohnungen kann man sich bereits vorstellen. Die Wohnungen im rechten Giebel werden jeweils über ein hinteres Treppenhaus zu erreichen sein.

Was der Zahn der Zeit während des jahrelangen Leerstands der Villa angerichtet hat, wird im Dachgeschoss am deutlichsten. Die Geschossdecken bleiben zwar drin. „Aber die ganzen alten Balken kommen raus, die sind nicht zu retten.“ Die kompliziert aussehenden Balkenkonstruktionen werden auch nicht erneuert. Sie wären für die Zuschnitte der Dachgeschosswohnungen auch nur hinderlich.

Von den Balken im Dachgeschoss ist nichts mehr zu retten

Von den Balken im Dachgeschoss ist nichts mehr zu retten.

Quelle: Kathert

Das Dach muss ohnehin komplett neu gemacht werden. „Im September nehmen wir es runter“, sagt der Architekt. Ein vollkommen neuer Dachstuhl wird aufgesetzt. Nach seinen Plänen soll das Dach im Dezember dicht sein. Die beiden linken Gauben werden als Schleppgauben wieder hergestellt. Die rechte Gaube gehört nicht zum denkmalgeschützten Ursprung der Villa, deshalb wird sie verglast.

Der Turm in der Mitte der Villa wird nach alten historischen Aufnahmen mehrere Meter höher gebaut. Die Schornsteine, von denen es einst ganz viele gab, brauchen nicht wieder nachgebaut werden. Der Denkmalschutz bestand nicht darauf. Dafür werden die hölzernen Doppelkastenfenster in der Fassade zur Straße hin nach den Originalen nachgebaut. Hinter den Giebeln mit dem Fachwerk ziehen die Handwerker von innen eine zwölf Zentimeter starke Lehmwand hoch. Das ist gut für die Wasserregulierung und den Wärmeschutz des Gebäudes.

Wo sich die 1899 erbaute Villa wohl am meisten verändern wird, ist der Kellerbereich, der gerade zur Gartenebene umgebaut wird. Die Bodenplatten, die bei der Bombensuche ohnehin durchlöchert wurden, sind alle entfernt, der blanke Sand ist zu sehen. Für die Fußbodenheizung müssten ohnehin neu gedämmte Böden gebaut werden. „Wir erreichen hier eine Raumhöhe von 2,80 Metern“, sagt Frank Hintzpeter. Zum Wald hin wird die Front komplett verglast.

Im Kellergeschoss gibt es keinen Bodenplatte mehr

Im Kellergeschoss gibt es keinen Bodenplatte mehr. Die Fenster werden bis zum Fußboden verglast. Hier liegt die Gartenebene.

Quelle: Kathert

Die aufwendigen Sanierungsarbeiten haben ihren Preis. Der Quadratmeterpreis der Wohnungen liegt im Durchschnitt bei 4000 Euro. Die 17 Wohnungen in der Villa Sachs sind bereits verkauft. Im nächsten Frühjahr sollen sie bezugsfertig sein.

Ein Fünf-Millionen-Projekt

Investor Lothar Stenzel, Geschäftsführer der Brenta Real, saniert die Villa Sachs in der Magnus-Hirschfeld-Straße in Lehnitz für fünf Millionen Euro.

Die Jugendstilvilla war 1899 von dem wohlhabenden jüdischen Ehepaar Rosa und Louis Sachs als Erholungsheim errichtet worden.

17 Wohneinheiten entstehen in der Villa selbst. Hinzu kommen acht Seevillen, die auf dem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück neu gebaut werden.

Im Frühjahr 2017 sollen die Wohnungen in der Villa bezugsfertig sein, sie sind bereits alle verkauft.

Von Andrea Kathert

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