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Eine Friseurin in der Fraktion

Hennigsdorf Eine Friseurin in der Fraktion

Die Friseurmeisterin Ursula Methfessel aus Nieder Neuendorf sitzt seit Kurzem für das Bürgerbündnis in der Hennigsdorfer Stadtverordnetenversammlung. Sie rückt für Jürgen Woelki nach, der aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist. In Nieder Neuendorf regt die 72-Jährige vieles auf.

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Seit 1968 schneidet Ursula Methfessel in Nieder Neuendorf Haare, seit 1990 hat die Meisterin ihren Salon neben ihrem Wohnhaus.

Quelle: Foto: Marco Paetzel

Nieder Neuendorf. Als der Anruf von Fraktionsmitglied Horst Brandenburg kam, musste Ursula Methfessel erstmal schlucken. „Er wollte mich für die Stadtverordnetenversammlung gewinnen, dabei habe ich noch nie Politik gemacht“, sagt die 72-Jährige vom Bürgerbündnis. Ihr Vorgänger Jürgen Woelki hatte im Sommer aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung abgegeben und Methfessel war die nächste Kandidatin auf der Liste, die in Frage kam. 90 Leute hatten für sie bei der Wahl 2014 ihr Kreuz gemacht.

Die meisten davon dürften Stammkunden sein. Denn Nachrückerin Ursula Methfessel ist eine Instanz in Nieder Neuendorf, seit 1968 arbeitet sie als Friseurin, vier Jahre später auch im eigenem Salon. Viele der Einwohner hat sie also regelmäßig unter der Schere. Das Schwätzchen auf dem Friseurstuhl nun so seine Vorteile. „Wenn meine Kunden etwas in der Stadt stört, können sie es mir sagen. Dann wird das in der Fraktion diskutiert.“

Die neue Stadtverordnete ist seit Anfang der 1990er-Jahre Mitglied im Bürgerbündnis, vor allem die Entwicklung von Nieder Neuendorf liegt ihr am Herzen. Die Zeiten, in denen es 300 Einwohner gab, seien vorbei. Gerade errichtet Bonava, der Geschäftsbereich für Wohnprojekte bei NCC, 74 Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Auch an der Hafenpromenade hatte der Konzern 58 Einfamilien- und Doppelhäuser bauen lassen. Immer mehr Leute würden mit dem Versprechen auf den tollen Wasserblick nach Nieder Neuendorf gelockt. „Unser Dorfcharakter ist dadurch total verloren gegangen, die meisten Leute kennt man gar nicht mehr“, sagt Methfessel.

Der Großteil der Zugezogenen seien Familien mit Kindern. Ihnen könne Nieder Neuendorf kaum etwas bieten. Es fehle an Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitaktivitäten und Ärzten. „Es kann doch nicht sein, dass es hier nicht mal einen Kinderarzt gibt“, so Ursula Methfessel. Zudem, so höre sie von Kunden, seien viele Praxen in Hennigsdorf schon jetzt überlastet, neue Patienten würden sie nicht mehr annehmen. Bislang hat sich für das Grundstück Triftweg 2, auf dem sich auch Ärzte niederlassen könnten, noch kein Investor gefunden. Methfessel glaubt auch nicht, dass das in naher Zukunft passieren wird. Ein Aufreger ist für sie auch der oft gescholtene Bustakt der 136er-Linie nach Spandau. „Viele Rentner fahren mit dem Bus in Hakenfelde zum Supermarkt und kommen schlecht zurück“, so die Friseurin. Der Bus müsse mindestens im halbstündigen Takt verkehren. Für solche Themen will sie sich als Stadtverordnete einsetzen, soweit es möglich ist.

Eines steht für Ursula Methfessel aber schon jetzt fest: Mehr als eine Legislaturperiode in der SVV will sie sich mit ihren 72 Jahren nicht mehr antun. „Dann müssen Jüngere übernehmen, davon haben wir beim Bürgerbündnis ja eine Menge.“ Auch ihren Salon wird sie in jüngere Hände legen. Schwiegertochter Marina Methfessel steht schon jetzt regelmäßig im Salon. „Aber solange ich noch fit bin, mache ich weiter“, sagt die Meisterin.

Von Marco Paetzel

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