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Eine Großküche oder vier kleine

Oranienburg Eine Großküche oder vier kleine

Oranienburg möchte ab 2021 für die Kinder in den städtischen Kitas und Grundschulen gern wieder selbst kochen und damit mehr Qualität auf den Teller bringen. Die Stadt hat jetzt eine Konzeption vorgelegt. Aber eigene Küchen kosten auch viel Geld. Start für eine Diskussion.

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Essen für die Kinder soll gesund sein, satt machen und schmecken – gar nicht so einfach, das alles auf einen Teller zu bekommen.

Oranienburg. Das Essen soll den Oranienburger Kindern nicht nur schmecken, sondern auch ausgewogen und gesund sein – ob zum Frühstück, mittags oder zur Vesperzeit. Können das Caterer, die derzeit rund 2400 Portionen in die städtische Kitas, Grundschulen und Horte liefern, leisten? Oder sollte man nicht besser vor Ort kochen, ganz frisch und ohne lange Lieferwege? Die Stadtverordneten hatten sich im Mai dafür ausgesprochen, dass sie künftig direkten Einfluss nehmen möchten auf die Qualität des Essens für die Kinder. Die Verwaltung solle deshalb ein Konzept vorlegen, ob und wie viele Küchen man bauen könnte. Und vor allem, was das alles kostet. Das liegt jetzt auf dem Tisch.

Bis 2021 ist Oranienburg vertraglich an Caterer gebunden. „Bis Ende 2020 sollte klar sein, wie es weitergeht“, so Amtsleiterin Anke Michelczak, unter deren Regie das Papier erarbeitet worden ist. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, geht das Konzept von künftig 3000 Essenportionen am Tag aus. „So wie bisher sollen auch bei einer Eigenversorgung drei Essen im Angebot sein: Mischkost aus Gemüse, Fleisch und Kohlenhydraten, vegetarisches Essen und Sonderkost für Allergiker und Diabetiker.

Zur Entscheidung stehen zwei Wege: Der Bau einer Zentralküche, die alle Einrichtungen beliefert. Der Bau würde mit zwei Millionen Euro, die Ausstattung mit weiteren 1,2 Millionen Euro zu Buche schlagen. Variante zwei: Vier kleinere Küchen, die jeweils 750 Essen liefern. Hier wird mit einer Gesamtinvestition von 3,7 Millionen Euro gerechnet. Sie könnten an geplante Kita- oder Schulneubauten „andocken“, aber baulich unabhängig entwickelt werden. Baulich gebe es „Platzhalter“ zum Beispiel in Friedrichsthal und Lehnitz.

Auch Fördermöglichkeiten sollte die Stadt ausloten: „Es gibt ein Programm, das aber lediglich beim Ausbau von Kitaplätzen oder Lehrküchen greift, für unsere kommerzielle Küche nicht.“

Weiterer Prüfauftag bestand darin: Wie kommt man weg von verpflichtenden EU-weiten Ausschreibungen wie bei den Caterern? „Würde man eine städtische Tochter gründen, bleibt das so. Das ist nur erreichbar mit einem Regiebetrieb.“ Die erforderlichen 17 Mitarbeiter einer Zentralküche als auch die jeweils sechs von vier kleinen Küchen wären Mitarbeiter der Verwaltung. Im Gegensatz zu Caterern, die meist Mindestlöhne zahlen, „müssen wir nach Tarif zahlen. Ein Regiebetrieb schafft Arbeitsplätze, was natürlich gut ist, aber auch ein wesentlichen Punkt der Verteuerung.“ Und: „Auch bei einem Eigenbetrieb bleiben die Einkäufe ausschreibungspflichtig. Man müsse Lieferanten binden, „es kann ja niemand morgens auf den Markt zum Einkaufen gehen.“

Kommen derzeit jährlich 2,4 Millionen Euro (bei 3000 Essen) zur Unterstützung aus dem Stadtsäckel fürs Kinderessen, so läge der Zuschussbedarf bei vier kleinen Küchen bei 4,2 und bei einer zentralen Küche bei 3,6 Millionen Euro. Denn die Eltern bezahlen zum Beispiel aktuell für ein Kitaessen 1,74 Euro, der tatsächliche Preis liegt bei 6,57. Bei Portionen aus einer Zentralküche läge er bei 8,02 Euro, aus einer der vier dezentralen Küchen bei 8,91 Euro.

„Das Projekt des Selberkochens ist machbar“, so Anke Michelczak, die jedoch bezweifelt, ob man das Ziel, direkten Einfluss auf die Qualität zu bekommen, damit erreichen kann. Caterer müssten Großlieferanten für Lebensmittel nutzen, eigene Küchen aber ebenso. „Und: Catering ist ein Profigeschäft mit Paketen von EU-Vorschriften, denen dann auch die Stadt mit einem neuen Amt nachkommen muss.“

Breite Kritik am Essen gebe es in der Stadt nicht. „Die Eltern sehen das Essen oft kritischer als die Kinder“, so Michelczak. Sie hofft, „dass das Papier eine gute Grundlage zur Entscheidung bietet.“ Ende Januar gibt es das nächste Treffen der AG Essen. Dem wird sich eine Diskussion der Politik anschließen, die in eine Beschlussvorlage münden soll.

Gleich, wie die Entscheidung ausgeht: Der Renner bei den Kindern wird wohl Nudeln mit Tomatensoße bleiben.

Von Heike Bergt

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