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Eine Herde in freier Wildbahn

Wilde Pferde als Erlebnis in der Region Eine Herde in freier Wildbahn

Sie leben wie vor Jahrhunderten am Rande der Schorfheide: die Wildpferde aus Liebenthal. Sie sind eine einzigartige Herde und ihre Marke ist geschützt. Die Tiere sind sich so gut wie selbst überlassen. Nur selten greift der Mensch ein. Besitzer der Pferde ist die Stadt Liebenwalde, die sich mit der Zucht und Betreuung an ein außergewöhnliches Projekt gewagt hat.

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Es herrschen die Gesetze der Natur. Der Stärkere setzt sich durch. Das lernen auch die Junghengste.

Quelle: Robert Roeske

Liebenthal. Der kleine Ortsteil Liebenthal scheint auf den ersten Blick ein verschlafenes Dörfchen zu sein. Doch wenige Kilometer nordöstlich von Liebenwalde finden Naturliebhaber und Pferdefreunde etwas ganz Besonderes: eine Wildpferdherde. Und die könnte den Liebenwalder Ortsteil einmal berühmt machen. Denn die 100 Tiere, die in der freien Wildbahn leben, tragen den Namen Liebenthaler Pferde. Eine Urkunde der Bundesrepublik Deutschland besiegelt das schwarz auf weiß. Die Liebenthaler Pferde sind eine geschützte Marke. Und das ist gut so, denn auf den Koppeln am Rande der Schorfheide wachsen die Tiere ganz natürlich auf, wie sie es vor Jahrhunderten schon taten. Die Liebenthaler Pferde sind eine Rückzüchtung, und doch eine völlig eigene Rasse.

Doch damit ist es noch nicht genug der Besonderheiten. Die Herde hat auch noch einen außergewöhnlichen Besitzer: die Stadt Liebenwalde, die den Tieren aus einer Notsituation heraus in den 1990er-Jahren eine neue Heimat bot. Um die Herde betreuen und weiter züchten zu können, hat sich der Verein „Liebenthaler Pferde“ gegründet und die Dinge 2001 in die Hand genommen.

Wer mitten im Dorf der Beschilderung folgt, landet am Waldrand. Von dort geht es nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter. Vorbei am „Haus der hundert Pferde“ und dem Haustierpark von Arne Broja geht es weiter in Richtung Schorfheide. Der Weg ist gut ausgeschildert. Etwa 100 Hektar messen die Koppeln der Liebenthaler Pferde. Im Moment steht die Herde auf der Rohrwiese, der Sommerkoppel. In diesen Tagen haben Manfred und Andrè Schröder damit zu tun, neue Koppelpfähle zu bauen. Die beiden Männer haben seit kurzem eine Festanstellung, die nach einer Beschäftigungsmaßnahme zustande kam. 20 Stunden pro Woche können sich die beiden nun ganz den Pferden und den Arbeiten auf dem Gelände widmen. Zu tun gebe es noch viel mehr, doch die Brüder sind zufrieden. „Das ist was richtiges hier“, strahlt Manfred Schröder. Der 48-Jährige ist genauso wie sein zwölf Jahre jüngerer Bruder begeistert von den Wildpferden. Die beiden Männer und Projektleiterin Claudia Grünefeldt gehören zu den wenigen Menschen, die den Tieren näher kommen dürfen. Besucher müssen am Koppelzaun stehenbleiben und darauf hoffen, dass die Herde nicht so weit wegsteht.

André und Manfred Schröder machen jeden Tag ihren Kontrollgang. „Wir schauen, ob die Tiere unverletzt sind, ob die Zäune defekt sind und ob Strom drauf ist“, sagt André Schröder. Denn würden die Liebenthaler Pferde die Weide verlassen können, wären sie weg. Es sind eben Wildpferde.

Projektleiterin Claudia Grünefeldt, die über einen Dienstleistungsvertrag mit der Stadt Liebenwalde, für die Herde zuständig ist, kann viele der Tiere auseinander halten, jedes Pferd hat einen Namen. „Wenn wir uns nicht sicher sind, werden die Pferde ausgelesen.“ Die Tiere tragen an der linken Halshälfte einen Shipp. Neun Zuchthengste mit ihren Familien leben auf der riesigen Koppel. Auch das ist ungewöhnlich. Alle müssen miteinander klar kommen. Doch die Rangfolgen sind völlig eindeutig, es herrschen die Regeln der Natur. Die Stammhengste erteilen den Junghengsten schnell mal eine Lektion, die dann sitzt. Nicht immer ist es ratsam, mit den Tieren Tuchfühlung aufzunehmen. „Es gibt auch Tage, da beobachten wir die Herde lieber aus der Ferne“, sagt Claudia Grünefeldt. Auch zwischen zwei Hengsten sich aufzuhalten, ist nicht ratsam. André und Manfred Schröder lassen die Tiere nie aus dem Blick. Und wenn es dann heißt, „Rückzug“, ist das ernst zu nehmen. Claudia Grünefeldt und die beiden Männer laufen dann im Pulk einfach ganz ruhig ein Stück rückwärts von der Herde weg. Das ist besonders dann klug, wenn sich zwei Junghengste in die Wolle bekommen, um eine Stute für sich zu gewinnen. Die Herdenbetreuer greifen so wenig wie möglich in das Leben der Tiere ein. Auch wenn die Fohlen zur Welt kommen, wird nicht nachgeholfen. Auch das muss die Natur regeln.

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Projektbetreuerin Claudia Grünefeldt ist eine der wenigen, die den Tieren so nah kommt. Mit einem Lesegerät kann sie feststellen, um welches Pferd es sich handelt. Jedes Tier hat einen eigenen Zuchtpass.

Quelle: Robert Roeske

Die Tiere stehen ganzjährig auf der Koppel, wo sie ihr Futter finden. Nur im Winter werden Heu und Mineralien zugegeben, weil die Pferde nicht große Strecken wandern können. Es gibt keinen Schmied, keinen Hafer, keine Leckerlies. Einmal im Jahr greifen Claudia Grünefeldt und ihr Team dann doch ein und sortieren Tiere aus der Zuchtherde aus. Bei 20 bis 25 Fohlen jedes Jahr wäre die Herde sonst nicht mehr überschaubar. Junge Pferde oder Stuten, die nicht noch mal tragen sollen, kommen in die Verkaufsherde, wo inzwischen Pferde verschiedenen Alters leben. Manchmal stimmt auch nur eine kleine Farbgebung nicht. Eines der neuen Fohlen hat einen hellen Stern auf der Stirn. Das sieht zwar sehr niedlich aus. „Aber aus züchterischer Sicht wollen wir das gar nicht“, meint Claudia Grünefeldt. In der Zuchtherde leben zurzeit 49 Pferde und 19 Fohlen. Das erste in diesem Jahr kam Ende März zur Welt.

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In dem beschaulichen Liebenwalder Ortsteil Liebenthal wächst eine Herde von Wildpferden auf. Die Tiere leben das ganze Jahr auf großen Koppeln unter ganz natürlichen Gegebenheiten. Die Menschen greifen so gut wie gar nicht in den Lebensraum ein.

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Die Liebenthaler Pferde sind gefragt. Weil sie nie schlechte Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben und sozialverträglich aufgewachsen sind, können sich immer mehr Pferdefreunde für sie begeistern. Sei es zum Reiten oder zur Landschaftspflege. „Ein Liebenthaler ist ein im Kopf sauberes Pferd“, sagt Claudia Grünefeldt. Die Tiere sind robust und charakterstark. „Es ist von Vorteil, dass wir nicht nur Fohlen verkaufen“, sagt die Projektleiterin. Viele Pferdefreunde suchen etwas ältere Tiere. Das sanfte Gemüt der Pferde und ihre Sozialisierung macht den Umgang mit ihnen völlig unkompliziert.

Drei Mal im Jahr bietet der Verein Führungen an, dann dürfen auch Besucher den wilden Pferden für kurze Zeit richtig nahe kommen.

Wilde Pferde

Die Liebenthaler Pferde leben in einer Herde am Rande der Schorfheide. Auf 100 Hektar Koppeln wachsen etwa 100 Tiere unter ganz natürlichen Bedingungen auf.

Das Liebenthaler Pferd ist eine geschützte Marke. Die Tiere sind eine Rückzüchtung, aber trotzdem eine eigene Rasse. Die Pferde können in ihrer natürlichen Sozialstruktur aufwachsen.

Die Herde gehört der Stadt Liebenwalde. Um die Betreuung und Zucht kümmert sich der Verein Liebenthaler Pferdeherde. Kontakt zum Verein kann über Thomas Penzel hergestellt werden ( 0172/3 13 30 70).

Die Herde geht zurück auf ein Projekt von Jürgen Zutz, der 1960 mit der Rückzüchtung des Fjordpferdes begann. Zutz zog mit seiner Familie 1990 nach Friesack in den Landkreis Havelland.

Als Jürgen Zutz im Jahr 1996 verstarb, war die Familie allein mit der Herde überfordert. Die Tiere sollten geschlachtet werden. Das Landwirtschaftsministerium, das um Hilfe gebeten wurde, suchte nach einer Alternative und fand sie in der Gemeinde Liebenthal.

Ende 1996 siedelte die Herde um, die Gemeinde kaufte die Tiere. Die Betreuung übernahm die Familie Broja, die in Liebenthal bereits die Przewalskipferde und einen Haustierpark für vom Aussterben bedrohte Rassen betreute.

Die Liebenthaler Pferde sind ausgesprochen sozialverträgliche Tiere. Sie können zum Reiten, zur Landwirtschaftspflege und für therapeutische Zwecke eingesetzt werden.

Drei Mal im Jahr finden Führungen auf die Koppeln im Sinne des sanften Tourismus statt.

Weitere Informationen sind auf der Internetseite www.lienthaler Pferdeherde.de zu finden.

 

Von Andrea Kathert

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