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Eine Idee mit Pfiff

Oranienburg Eine Idee mit Pfiff

Der Diplom-Ingenieur Adam Krecisz hatte eine Idee, mit der er die Weltmärkte erobern könnte. Er erfand Pellets, in denen Rasensamen eingebettet sind. Für jeden Gärtner wird damit die Nachsaat zu einem Kinderspiel. Inzwischen tüftelt das kleine Unternehmen schon an Pellets für Blumen- und Gemüsesamen.

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Adam Krecisz (l.) und Sohn Thomas (r.) erklärten Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke während des Firmenbesuchs die Anlage.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. Die Idee ist ganz simpel und doch so grandios. Adam Krecisz war es leid, seine Löcher und schadhaften Stellen im Rasen immer wieder mühevoll und mit viel Arbeit auszubessern. Das muss einfacher gehen, fand der 58-jährige Diplom-Ingenieur, der gerne entwickelt, bastelt, ausprobiert.

Das war vor vier Jahren. Jetzt hat Krecisz eine kleine Firma namens „instant seed“ im Gewerbepark Mitte an der Sachsenhausener Straße 28a und stellt Lehmpellets mit Rasensamen her. In der unscheinbaren Halle schaute Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke am Freitag vorbei und ließ sich alles erklären.

Volker Weiss zeigt die verschieden farbigen Pellets

Volker Weiss zeigt die verschieden farbigen Pellets.

Quelle: Andrea Kathert

Die zwei Zentimeter großen, länglichen Pellets werden einfach auf den unbearbeiteten Boden gestreut, etwas feucht gehalten – fertig ist die Rasennachsaat. Keine Werkzeuge sind nötig, keine Nachbereitung, nichts. Die Pellets sind natürlich schwerer als Grassamen, werden vom Regen nicht weggespült und vom Wind nicht verweht. „Und die Ausbeute ist viel höher“, sagt Volker Weiss, den sich Krecisz ins Boot geholt hat, um seine Produkte und seine Technologie zu vermarkten. Weiss hat viele große Unternehmen mit aufgebaut und noch heute viele Kontakte bis nach Südamerika. Vögel und Insekten interessieren sich auch nicht für die länglichen Gebilde. Sie glauben, es sei Erde. Mit den Pellets sind auch Pferdekoppeln und Schafwiesen auszubessern. Sie eigenen sich bestens für Böschungen. Die Samen und die Lehmbeschaffenheit werden den klimatischen Verhältnissen der Länder angepasst. In trockenen Regionen ist die Wasserersparnis groß, weil der Lehm die Feuchtigkeit speichert.

Als trockenes Pulver wird der Lehm aus Stendal angeliefert

Als trockenes Pulver wird der Lehm aus Stendal angeliefert.

Quelle: Andrea Kathert

Aber nicht nur für Rasennachsaat eignet sich das Produkt. Auch große landwirtschaftliche Flächen lassen sich damit bestellen, weil die Pellets maschinell ausgebracht werden können. Selbst mit Flugzeugen und Helikoptern wäre es möglich. Das erschließt neue Möglichkeiten zum Beispiel bei der Renaturierung von Tagebauflächen. Inzwischen werden die Rasensamen-Pellets in Deutschland, in England, Irland und anderen Ländern bis nach Übersee verkauft. Die Grundidee, Samen zu ummanteln, ist nicht ganz neu. Doch bisher schaffte es niemand, eine Technologie und die Maschinen dafür zu entwickeln. Adam Krecisz hat es geschafft. Nach vielen Versuchen und Berechnungen. Und dank guter Partner. Den richtigen Lehm zu finden war nicht einfach. Er kommt aus Stendal. Der Prozess läuft im Groben so ab: Den Samen wird Kartoffelstärke als Klebemittel zugesetzt, dann mit Lehm vermischt und Wasser zugefügt. Die klebrige Masse läuft durch viele Extruder, die dafür sorgen, das die Samen schonend vom Lehm umwandelt werden. Anschließend geht das Produkt in die Trocknung und kann verpackt werden.

Die Trocknungsmaschine hat Krecisz inzwischen auch schon optimiert

Die Trocknungsmaschine hat Krecisz inzwischen auch schon optimiert. Die Pellets liegen auf drei Bändern übereinander.

Quelle: Andrea Kathert

Die Herausforderung für Krecisz war nicht nur diese Technologie zu entwickeln, sondern die Maschinen dazu, die er schließlich alle selbst baute. „Mit unserer zweiten Linie schaffen wir jetzt 170 Kilo pro Stunde“, sagt Krecisz. Inzwischen hat er sich die Patente für Produkt und Prozess gesichert. Die Rasensamenpellets werden deutschlandweit über eine bekannte Marke als Premiumprodukt bereits in vielen Baumärkten angeboten. „Jetzt testen wir Pellets für Blumensamen“, sagt Weiss. Die sind sogar farbig. Damit die Gärtner, auch in großen Parks, wissen, welche Muster sie in den Beeten anlegen. Weitere Märkte für Gemüsesamenpellets tun sich auf. Auch beim Reisanbau könnte „instant seed“ mitmischen, weil die trinkwasserintensive Aufzucht auf lange Sicht keine Zukunft hat.

Und so fallen die Pellets zum Schluss vom Band

Und so fallen die Pellets zum Schluss vom Band.

Quelle: Andrea Kathert

Adam Krecisz und Volker Weiss sind zwei Männer, die sich bestens ergänzen und voller Begeisterung bei der Arbeit sind. Das Unternehmen zählt nur sieben Leute. „Wir sind immer noch ein Start-up-Unternehmen“, meint Weiss.

Von Andrea Kathert

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