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Oberhavel Eine Sichtachse erregt die Gemüter
Lokales Oberhavel Eine Sichtachse erregt die Gemüter
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00:34 15.03.2018
Eine Sichtachse auf dem ehemaligen Grenzstreifen schlug die SDW in den Wald, wo ein Mauer-Memorial errichtet werden soll. Quelle: Robert Roeske
Bergfelde


Geschichte neu erlebbar machen. Das will die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), deren 30 Helfer am Sonnabend einen rund 20 Meter breiten Streifen neben dem Naturschutzturm, einem ehemaligen Grenzturm der Berliner Mauer (MAZ berichtete), in Bergfelde in den Wald schlugen.

Am alten Grenzstreifen wurde eine Sichtachse geschlagen. Quelle: Robert Roeske

Eine Aktion, die mit der zuständigen Oberförsterei in Borgsdorf abgestimmt war, wie dessen Leiter Henry Repkow bestätigt. „Es ist Landeswald und bei der Aktion handelt es sich nicht um eine Rodung, sondern es wurden lediglich junge, 25 Jahre alte Kiefern gefällt.“ Fünf Raummeter Industrieholz ergaben die Fällungen. „Alles andere bleibt wie es war“, so Repkow, der die Aktion richtig findet und betont, dass die Begrünung des einstigen Todesstreifens an der Berliner Mauer lobenswert sei. Doch sei es gut, nun der neuen Jugend die ehemalige Grenze zu verdeutlichen. „Es ist ein legitimes Recht über Geschichte neu zu diskutieren.“ Und die alten Grenzanlagen der Öffentlichkeit wieder näher zu bringen.

Am ehemaligen Grenzturm in Bergfelde. Quelle: Robert Roeske

Doch nicht alle sind von der Idee eines Mauer-Memorials, das zum 30. Jahrestag des Mauerfalls um ein Original-Mauersegment erweitert werden soll, auf dem einstigen Grenzstreifen begeistert. Die Erinnerungsstätte ist vor allem für Schüler geplant, die die Zeit der deutschen Teilung nicht mehr miterlebt haben. Mitglieder der Deutschen Waldjugend Naturschutzturm protestierten am Sonnabend still vor Ort. Besonders Marian Przybilla, der 1990 zusammen mit Helga Garduhn den Naturschutzturm gegründet hatte, sieht sein Lebenswerk bedroht. 80 000 Bäume hatte er mit der Waldjugend auf dem Grenzstreifen gepflanzt. 96 Bäume wurden nun für die Sichtachse gefällt.

Stiller Protest der Deutschen Waldjugend Naturschutzturm. Quelle: Robert Roeske

Regelmäßig ist auch Harald Grimm aus Schönfließ am Turm unterwegs. Besucht mit Verwandten und Freunden den Ort, wo „der aufgeforstete Wald die deutsche Geschichte zusammenwachsen“ lässt. Grimm: „Seit zwanzig Jahren erleben wir als Bewohner des nahen Wohngebiets Bieselheide diese erfreuliche, natürliche Entwicklung.“ Am Wochenende wurde er Zeuge der Abholzung.„Als Vorsitzender einer Gemeindevertretung kann ich mir vorstellen, mit welchem Unverständnis und Protest Bürger, Initiativen und Naturschutzverbände reagiert hätten, wenn kommunale Gremien oder die Verwaltung einen solchen Eingriff in den Wald vor Ort ohne Beteiligung der Öffentlichkeit hätten vornehmen lassen.“ Auch weil es sich um Landesforst handelt, halte sich die Stadt Hohen Neuendorf aus dem Konflikt heraus, erklärte Pressesprecherin Susanne Kübler. Doch Donnerstag soll das Memorial Thema eines Gespräches zwischen Stadt und SDW sein.

Auch Marian Przybilla (l.) beteiligte sich an dem Protest. Quelle: Robert Roeske

Monika und Alwin Schuster aus Schildow haben für die Aktion der SDW jedenfalls wenig Verständnis: „Die SDW soll schützen und nicht politisierend dem Wald seine ’Harmlosigkeit’nehmen. Hier ist genau das, was zusammengehört, zusammengewachsen. Symbolträchtig für die überwundene Teilung ist der zugewachsene Grenzstreifen und nicht seine erneute Freilegung. Wenn überhaupt nötig, genügen an dieser Stelle Schautafeln.“

1841 habe Georg Herweg in einem Gedicht gefordert: „Der Freiheit eine Gasse!“, weiß Grimm. „Dem Mauerrest eine Blickschneise in den Wald zu schlagen, das wäre dem Freiheitsdichter sicher nicht zu fordern in den Sinn gekommen.“

Von Ulrike Gawande

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