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Eine, die immer nach vorne schaut

Mitbegründerin der Regenbogenschule Eine, die immer nach vorne schaut

Birgit Kleinert hat die Regenbogenschule in Hennigsdorf mitbegründet und setzt sich stets für Behinderte ein. Dort, wo die Möglichkeiten der Schule erschöpft sind, springt der Förderverein ein. Viele Dinge konnten so angeschafft werden, so zum Beispiel therapeutische Hilfsmittel für die behinderten Kinder.

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Birgit Kleinert vor dem Empfangsgebäude von Bombardier in Hennigsdorf, wo sie arbeitet und sich für Behinderte einsetzt.

Quelle: ENRICO KUGLER

Hennigsdorf. Birgit Kleinert (58) ist Mitbegründerin der Regenbogenschule für geistig und körperlich behinderte Kinder in Hennigsdorf und leitet den Förderverein dieser Schule. Wo die Möglichkeiten der Schule erschöpft sind, springt der Verein ein.

MAZ: Welchen Anteil haben Sie an der Gründung der Regenbogenschule im Jahre 1991?

Birgit Kleinert: Als Mutter einer schwerstmehrfachbehinderten Tochter bekam ich 1990 die Aufforderung, die Tochter einschulen zu lassen. Doch wo? Es gab gar keine Schule für diese Kinder. Ich suchte den Kontakt zur Stadtverwaltung Hennigsdorf. Wir gründeten eine Fördergruppe, denn viele Kinder und Familien waren betroffen. In einer Arbeitsgruppe berieten wir mit der Lebenshilfe. Noch bevor das neue Bildungsgesetz des Landes Brandenburg am 1. September 1991 erlassen wurde, gründete die Stadt Hennigsdorf die Regenbogenschule und war damit Vorreiter für viele Kommunen im Land Brandenburg. Wir gewannen die Berufsschullehrerin Hannelore Treucker für unser Vorhaben. Sie hat selbst eine behinderte Tochter. Frau Treucker absolvierte die Zusatzausbildung als Sonderschulpädagogin und wurde später Leiterin der Regenbogenschule.

Wie und wo begann der Schulbetrieb?

Kleinert: Wir begannen am 16. März 1991 mit 19 Schülern in einer ehemaligen Baracke auf dem Gelände des alten Gymnasiums an der Parkstraße. 1995 zogen wir dann in die ehemalige Kita in der Fontanesiedlung. Jetzt platzt die Schule aus allen Nähten. Wir haben 61 Schüler in acht Klassen. Drei Klassen müssen sogar in der Förderschule „An den Havelauen“ an der Fabrikstraße unterrichtet werden.

Der Landkreis plant ja einen Neubau der Regenbogenschule in der Nähe des Bahnhofes Hennigsdorf. Sind Sie froh darüber?

Kleinert: Und ob. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass einige Kinder woanders beschult werden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl an der Regenbogenschule ist sehr groß. Die Kinder wollen beisammen sein. Der Standort ist super, mitten in der Stadt und in Bahnhofsnähe, also gut zu erreichen.

Warum engagieren Sie sich im Förderverein?

Kleinert: Das Budget der Schule für bestimmte Ausstattungsgegenstände reicht nie. Wir unterstützen immer dann, wenn das Budget endet und ermöglichen den behinderten Kindern damit viele Dinge, die sonst nicht möglich wären. Diese Kinder brauchen mehr therapeutisches Spielzeug und spezielle Hilfsmittel.

Zum Beispiel?

Kleinert: Mit Hilfe der Sparkasse konnten wir elektronische Tafeln kaufen. Manche Kritiker meinten, Behinderte bräuchten solche Tafeln nicht. Doch es ist faszinierend, was die Kinder mit diesen Smartboards leisten können. Ein anderes Beispiel sind die technischen Hilfsmittel für die unterstützende Kommunikation wie für nichtsprechende Schüler. Mit diesen Geräten können sich die nichtsprechenden Kinder mitteilen, zum Beispiel mit einem Alpha Talker, bei dem Tasten mit Bildern versehen sind, die mit bestimmten Themen besprochen werden. Wenn die Schüler dann die Taste drücken, ist zum Beispiel der Satz zu hören: Ich habe Hunger.

Was hat der Förderverein noch für die Schüler tun können?

Kleinert: Mit Hilfe von Sponsoren konnten folgende Dinge angeschafft werden: Nähmaschinen, Fotoausrüstung, Lehmbackofen für den Töpferkurs, therapeutische Geräte für den Spielplatz wie ein in die Erde eingelassenes Trampolin, welches leider von Fremden demoliert wurde, artistische Materialien für das Zirkusprojekt. Oder ein Zuschuss für eine Fahrt nach Ribbeck gemeinsam mit Schülern der Grundschule Nord. Mit der Schule pflegen wir seit Jahren eine gute Zusammenarbeit. Oder wir unterstützen Praktikanten und Leute vom Bundesfreiwilligendienst, damit sie solche Fahrten begleiten können. Die Klassen sind auf diese Begleitung wirklich angewiesen.

Wie gewinnen Sie Sponsoren?

Kleinert: Die Lehrer nennen die geplanten Projekte, ich schreibe Firmen gezielt an. Das klappt inzwischen sehr gut. Hauptsponsoren sind die beiden Großbetriebe in Hennigsdorf, die Stadt Hennigsdorf, der Verein zur Integration behinderter Menschen, die Sparkasse und die Deutsche Bank.

Geben Sponsoren nur Geld oder unterstützen sie auch in anderer Form?

Kleinert: Geld ist natürlich wichtig, um bestimmte Dinge kaufen oder finanzieren zu können. Doch es gibt auch andere Hilfe. Ich arbeite bei Bombardier, gehöre dem Betriebsrat an und bin freigestellte Schwerbehindertenfrau. Mit der Standortleitung von Bombardier ist viel für Behinderte erreicht worden. Mehr als 132 Schwerbehinderte arbeiten bei Bombardier. Ich bin echt froh, dass die Standortleitung ein offenes Ohr für soziale Belange hat. Ich habe mich da stark eingebracht, ohne überheblich zu sein. Die Sache ist stetig gewachsen. Ein Kollege ohne Arme arbeitet bei uns als Teilkonstrukteur. Wir beschäftigen sogar sechs geistig Behinderte als Hallenreiniger oder als Helfer für Elektriker und Schlosser. Das ist beispielhaft für andere Unternehmen. Diese Haltung kommt auch unseren Schülern zugute. Bombardier stellt Praktikumsplätze für unsere Schüler zur Verfügung. Und wir dürfen jedes Quartal einen Kuchenbasar im Foyer des Betriebes veranstalten. Meine Kollegen kaufen den Kuchen, die Schüler können ihre Klassenkasse auffüllen.

Seit drei Jahren sind Sie zudem Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt? Warum haben Sie diese Funktion übernommen?

Kleinert: 1987 schlossen mein Mann und ich uns einem Elternkreis in der Berliner Dimitroffstraße an. Wir erfuhren, welche Möglichkeiten der Förderung es für Behinderte gibt. 1989 wurde in Oranienburg ein Elternkreis gegründet, und durch diesen Elternkreis wurde die Behindertenarbeit im Kreis angekurbelt. Beruflich kümmere ich mich auch um Behinderte. Mein Beruf ist für mich auch Berufung.

Ihre Tochter ist 31 Jahre alt, wie geht es ihr?

Kleinert: Sie hat es weit gebracht. Sie lebt bei uns, fährt täglich mit dem Bus in die Behindertenwerkstatt nach Glienicke. Dort gefällt es ihr gut.

Haben Sie noch Zeit für Hobbys? Wie schaffen Sie ihre vielen Funktionen?

Kleinert: Mein Mann und mein Sohn haben mich immer unterstützt und sich um Tochter und Schwester gekümmert, wenn ich weg war. Ich bin gerne im Garten und kümmere mich um unsere beiden Enkel. Ich habe die Gabe, immer nach vorne zu schauen.


Von Marion Bergsdorf

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