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Eine mexikanische Tochter auf Zeit

Birkenwerder Eine mexikanische Tochter auf Zeit

Uta und Ralf Gerth aus Birkenwerder haben drei Kinder. Von Zeit zu seit kommt noch eines dazu, diesmal aus Mexiko. Austauschschülerin Pamela Rubalcaba lebt seit September den deutschen Familien- und Schulalltag. Und sie kickte bei Forst Borgsdorf. Am 7. Juli steht jedoch das Abschiednehmen an.

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Ganz in Familie: Papa Ralf Gerth mit Florian (11), Pamela (17), Josephin (13), Mama Uta und Nesthäkchen Tobias (8).

Quelle: Helge Treichel

Birkenwerder. Ihre Schwester hat es getan, ihr Cousin auch – und weil sie nur Gutes über Deutschland zu berichten wussten, wollte auch Pamela Rubalcaba aus Chiwawa in Mexiko hier ihr Austauschjahr verbringen. Die 17-Jährige ist seit Anfang September das viert Kind von Uta und Ralf Gerth aus Birkenwerder und besucht seitdem die elfte Jahrgangsstufe des Oranienburger Rungegymnasiums. Weil sie vorher keinen Deutsch-Unterricht hatte, absolvierte sie unmittelbar davor einen dreiwöchigen Kurs. Ihr Vater sei ein Deutschland-Fan, und die Urgroßmutter stamme sogar von hier.

Beim Einstieg in den Schulalltag half Gastschwester Josephin. Die 13-Jährige war bereits ein Jahr zuvor an die Oranienburger Schule gekommen. Den das Finden von Freunden ist gar nicht so leicht, da es keine Klassen gibt und es im Kurssystem ständig wechselnde Mitschüler gibt. „Die Schule ist gut und macht Spaß“, sagt Pamela, die sich ihren Stundenplan ziemlich frei zusammenstellen darf.

Einmal Texas und zurück hat sein Leben verändert

Ihr Aufenthalt wurde vom Verein Youth For Understanding organisiert, kurz YFU. Über den war auch Ralf Gerth 1994/1995 für ein Jahr in den USA. Der Kontakt zur Gastfamilie in Texas ist seitdem nie abgerissen, Facebook und Facetime machen es möglich. Vor drei Jahren hatte er die damaligen Gasteltern besucht. „Man kommt völlig anders wieder“, sagt der 38-jährige Unternehmensberater. Dort habe er die Möglichkeit bekommen, auf Zeit ein komplett anderes Leben zu führen. Das habe ihn selbstbewusster gemacht – und sattelfest in der englischen Sprache.

Von dieser großartigen Erfahrung möchte der Familienvater etwas zurückgeben. Im vergangenen Schuljahr wohnte eine 16-jährige Thailänderin in der Familie, Mädchen aus den USA und aus Peru waren jeweils nur für vier und fünf Wochen da. Ist ein viertes Kind nicht anstrengend? Uta Gerth, Sonderpädagogin an der Regenbogenschule in Hennigsdorf, nimmt es gelassen: Auf eine Person komme es auch nicht mehr an. Und schließlich wird der Gast aus einem anderen Kulturkreis ebenso als Bereicherung empfunden.

Bei Forst Borgsdorf gekickt

Pamela liebt die sportliche Betätigung. Sie spielt Badminton mit ihrem Gastbruder und Volleyball in der Schule. Ihre große Leidenschaft aber ist Fußball. In der vergangenen Saison hat sie die 1. und 2. Frauenmannschaft von Forst Borgsdorf verstärkt. Auch dort wurde sie sehr freundlich aufgenommen. Ein langwieriger Kampf sei nur gewesen, die Spielberechtigung von der Fifa zu bekommen, sagt Ralf Gerth. Das bürokratische Prozedere soll den Talentehandel unterbinden.

Die junge Mexikanerin engagiert sich außerdem für Flüchtlinge. Familie Gerth hat die Patenschaft für eine Familie übernommen – und Pamela hilft beim Deutsch-Unterricht. Das falle ihr als Fremdsprachlerin manchmal sogar leichter, sagt Uta Gerth.

Am schönsten: chillen an der Ostsee

Ansonsten nimmt Pamela auch an allen übrigen Familienaktivitäten teil: Hausaufgaben, Eislaufen, Besuche bei der Verwandtschaft. Am Wochenende führte sie ein Ausflug zum Erdbeerenpflücken in den Beerengarten nach Schönfließ und ins Jump-House nach Berlin. Spaß habe ihr auch der Besuch einer Kletter-Halle gemacht, sagt Pamela, und natürlich der sechstägige Schulausflug nach Schottland. Ihr schönstes Erlebnis sei aber der Ostseeurlaub gewesen, das gemeinsame Chillen am Meer. „Das Jahr war so schön wegen der Familie“, sagt Pamela. Das Schwierigste stehe Anfang Juli bevor, sagt Ralf Gerth, der Abschied. „Das ist schon so, als wenn man sein eigenes Kind abgibt.“ Dieser Austausch sei „kein Jahr in einem Leben, sondern ein Leben in einem Jahr“.

Die Struktur des Vereins

Das Deutsche Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU) organisiert seit mehr als 50 Jahren langfristige Jugendaustauschprogramme weltweit. Zusammen mit Partnerorganisationen in rund 50 Ländern setzt sich YFU für Toleranz und interkulturelle Verständigung ein.

Seit 1957 haben insgesamt rund 60.000 Jugendliche an den Programmen teilgenommen. YFU hat seit 1965 die Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit Sitz in Hamburg. YFU ist gemeinnützig und als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt.

Tausende Ehrenamtliche bilden den aktiven Kern von YFU. Sie sind meist ehemalige Austauschschüler oder Gasteltern. Die Ehrenamtlichen engagieren sich in der Auswahl der Bewerber, bei Vor- und Nachbereitungstagungen, Orientierungs- und Sprachkursen, in der Betreuung und vielem mehr.

Von Helge Treichel

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