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Eine starke Truppe für den Ernstfall

Die Feuerwehr von Oranienburg Eine starke Truppe für den Ernstfall

Es fühlt sich gut an, den Bürgern der Stadt zu helfen, sagt der Stadtbrandmeister. Mit dieser Einstellung hat er 25 hauptamtliche Leute und 227 aktive Feuerwehrleute in den freiwilligen Ortswehren hinter sich. Die Ausbildung zum Feuerwehrmann ist kein Zuckerschlecken. Bei den freiwilligen Wehren fängt die Nachwuchsgewinnung schon bei den Kindern an.

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Stadtbrandmeister Friedmund Duwe (r.) und Stadtjugendfeuerwehrwart Marcus Dalcke.

Quelle: Foto: ENRICO KUGLER

Oranienburg. Friedmund Duwe (59 Jahre) ist Stadtwehrführer von Oranienburg. Ihm zur Seite steht der Stadtjugendfeuerwehrwart Marcus Dalcke (27Jahre). Die beiden sprechen über die Arbeit der hauptamtlichen Kräfte und die Nachwuchssorgen bei den freiwilligen Wehren in den Ortsteilen. Und sie erzählen, wie man eigentlich Feuerwehrmann wird.

MAZ: Herr Duwe, Sie haben 25 Männer bei den hauptamtlichen Kräften der Oranienburger Feuerwehr, reicht Ihnen diese Personalstärke?

Duwe: Die Stärke wurde von einer Firma genau berechnet. Aber ausreichend finde ich sie nicht. Ich fände es sinnvoll, wenn wir drei Mann mehr hätten. Dann könnte man vieles besser abdecken, der Dienstplan wäre einfacher zu erstellen. Schon mit der Urlaubsregelung ist es ganz kompliziert. Silvester ist die einzige Zeit, wo es keinen Urlaub gibt. Da rechnen wir mit verstärkten Einsätzen.

Wie läuft das derzeit mit dem Schichtsystem?

Duwe: Wir haben drei Wachschichten. Die Männer arbeiten jetzt 24 Stunden, und würden das auch weiter gern tun. Allerdings wollen sie auch wissen, wie ihre Mehrstunden vergütet werden. Und wenn es mit Freizeit ist. Drei Feuerwehrleute haben sich für den 12-Stunden-Dienst entschieden, das ist ihr gutes Recht. Aber die Schichtzeiten sind ein anderes Thema, was derzeit noch vor Gericht geklärt wird.

Was sind die Voraussetzungen, um Feuerwehrmann zu werden?

Duwe: Die Bewerber müssen die 10.Klasse erfolgreich absolviert haben, brauchen eine abgeschlossene Berufsausbildung und sollten nicht älter als 30 Jahre sein. Am liebsten nehmen wir Leute mit handwerklichen Berufen. Solche Fähigkeiten sind bei jedem Einsatz gefragt. Wir haben zwar viele Gerätschaften, aber auf alles können wir nicht vorbereitet sein. Da müssen wir improvisieren. Deshalb gibt es bei uns auch Zimmerer, Maurer, Mechaniker und Leute mit allen möglichen anderen Berufen. Zuerst machen wir mit den Bewerbern einen Eignungstest.

Wie sieht ein Eignungstest aus?

Duwe: Wir stellen den Bewerbern einfache Aufgaben, um zu sehen, wie sie logisch und handwerklich herangehen. Oder wir schauen, ob sie nach einem 3000-Meter-Lauf noch auf einem Balken balancieren können. Ob sie eine Drehleiter rauf steigen können und vieles mehr.Wir lassen uns einiges einfallen. Ist der Test bestanden und wir haben den Eindruck, der Bewerber ist geeignet, melden wir ihn für einen Platz in der Landesfeuerwehrschule Eisenhüttenstadt an.

Herr Dalcke, Sie kommen gerade frisch von der Ausbildung, wie läuft die so ab?

Dalcke: Die Ausbildung zum Feuerwehrmann dauert ein Jahr. Zum einen lernt man viele theoretische Sachen. Wie funktioniert ein Feuer, wie kann man es löschen. Man wird an allen Fahrzeugen eingewiesen, lernt mit Atemschutztechnik umzugehen. Also alles, was man im Einsatz braucht.

Wie sieht die praktische Ausbildung aus?

Dalcke: Man muss mindestens ein Fremd- und ein Heimatpraktikum auf den Wachen machen. Die dauern sechs und 18 Wochen. Ich war bei der Berufsfeuerwehr in Potsdam und in meiner Heimatwache Oranienburg. Da lernt man so richtig den Alltag bei der Feuerwehr kennen. Auch Weihnachten und Silvester war ich bei der Potsdamer Feuerwehr. Das war schon interessant. Da erlebt man alles. Na ja, dann gibt es noch Zusatzausbildungen wie den Motorkettensägeschein oder Absturzsicherung. Die Ausbildung endet mit einer zweieinhalbwöchigen Prüfung, und die war ziemlich schwer.

Aber die haben Sie gemeistert?

Dalcke: Ja, das habe ich. Aber ich denke, wenn man an dem Beruf interessiert ist, ist die Ausbildung gut machbar. Auch, wenn man keine Vorerfahrung hat. Ich selbst war aber schon ein paar Jahre zuvor in der freiwilligen Feuerwehr.

Wie sieht es körperlich aus?

Dalcke: Körperlich ist die Ausbildung schon anstrengend. Man muss das deutsche Sportabzeichen haben und Rettungsschwimmer sein. Wenn man mit der Ausbildung fertig ist, wird man gleich eingesetzt. Speziallehrgänge kann man dann von seiner Wache aus machen.

Sie haben Ihre Ausbildung begonnen, da hatten sie Frau und Kind. Konnten sie das vereinbaren?

Dalcke: Ja, das haben wir hinbekommen. Obwohl es schon schwierig war, gleich nach der Hochzeit weg zu sein. Wir haben am Sonnabend geheiratet, und am Montag drauf bin ich zur Schule nach Eisenhüttenstadt gefahren. Aber das ging eben nicht anders.

Wollten Sie schon immer Feuerwehrmann werden?

Dalcke: Oh ja, seit meinem zehnten Lebensjahr. Das war immer mein Traumberuf.

Was macht die Arbeit bei der Oranienburger Feuerwehr eigentlich so attraktiv?

Duwe: Oranienburg ist fast die einzige Kommune, wo alle hauptamtlichen Feuerwehrleute verbeamtet sind. Es ist ein interessanter, vielfältiger Arbeitsplatz und birgt ständig neue Herausforderungen. Es fühlt sich gut an, den Bürgern der Stadt zu helfen.

Ist es schwer, neue Leute für die hauptamtlichen Kräfte zu bekommen?

Duwe: Nein, das ist nicht schwer. Wir haben immer noch mehr Bewerber als Plätze. In der Schule in Eisenhüttenstadt sind die Plätze knapp. Wir haben mal mit einem begonnen, inzwischen laufen dort jedes Jahr drei Lehrgänge.

Wie sieht es mit der Einsatzstärke bei den freiwilligen Wehren aus?

Duwe: Da ist es zunehmend schwieriger, Leute zu finden. Von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst wechseln im Schnitt fünf von 20. Manchmal bleibt keiner übrig. Die Einsatzstärken in den kleinen Löschzügen ist nicht hoch, das sind meistens zwei bis drei Mann. Am stärksten sind die Germendorfer. In der Innenstadt haben wir fünf bis sechs Mann. Wer arbeitet, ist eben tagsüber nicht da. Aber die Einsatzstärke ist kein Dogma. Das kann in drei Jahren schon wieder besser aussehen.

Wie läuft es mit der Freistellung durch die Arbeitgeber?

Duwe: Sowohl als auch. Gerade mit den großen Betrieben haben wir die größten Probleme, obwohl wir genau dort auch große Einsätze fahren. Bei den kleineren Betrieben habe ich sogar noch Verständnis, dass die Leute da nicht einfach weg können.

Wie sieht die Ausbildung bei der freiwilligen Feuerwehr aus?

Duwe : Die Ausbildung kann mit 17 Jahren beginnen. Das sind erst mal 70 Stunden Grundausbildung, das heißt acht Wochenenden. Dann ist man Truppmann1. Jedes Jahr stehen dann 40 Stunden Weiterbildung an, mit Gerätetechnik, Atemschutz, technische Hilfe usw. Dann kommt die Truppmann-2-Prüfung. Zusätzlich muss man mit durchschnittlich zehn bis 60 Einsätzen pro Löschzug im Jahr rechnen. Es gibt Veranstaltungen abzusichern und Feuerwehrzusammenkünft. Man muss sehr viel Zeit aufbringen und alles für einen kleinen Obolus.

Wie ist das mit Kindern und Jugendlichen?

Dalcke : Jeder Ortsteil hat seine Jugendfeuerwehr. Wir haben immer so zwischen 100 und 120 Kinder zwischen acht und 16/17 Jahren. Man bekommt die Kinder schon noch begeistert, der Stadtausscheid und die Feuerwehrlager kommen auch immer gut an. Die Jugendfeuerwehren haben jetzt auch eigene Fahrzeuge bekommen, drei MTWs und Hänger hat die Stadt zur Verfügung gestellt. Das sind 80000 Euro pro Einheit.

Inzwischen gibt es auch Kinderfeuerwehren, wie läuft es dort?

Dalcke: Wir haben drei Kinderfeuerwehren für Vier- bis Achtjährige in Germendorf, Friedrichsthal und Sachsenhausen. Da ist das Interesse der Ausbilder da. Die sehen darin eine Chance, mehr Nachwuchs zu bekommen. Mehr Kinderwehren wird es aber nicht geben. Im letzten Jahr haben wir eine interne Satzung beschlossen und Regeln festgelegt. Vom Landesjugendamt haben wir uns Ratschläge eingeholt. Wir beziehen die Eltern mit ein. Und inzwischen ist die Nachfrage größer als wir Plätze haben. In allen Kinderwehren gibt es schon eine Warteliste.

Als Feuerwehrmann muss man auch mit schlimmen Einsätzen und Bildern rechnen, wie wird so etwas verarbeitet?

Duwe: Nach jedem Einsatz sitzen wir sowie so noch mal zusammen und können uns alles von der Seele reden. Aber es gibt schon Einsätze, die vergisst man nicht. Wenn es nötig ist, arbeiten wir auch mit Notfallseelsorgern zusammen. Bei dem Brand im Germendorfer Depot haben wir die zum Beispiel gebraucht.

Die Feuerwehr wird immer mit dem Begriff Kameradschaft verbunden. Ist das so in der Truppe?

Dalcke: Also wir kennen uns alle schon ganz gut. Man merkt einfach, wenn es dem anderen nicht gut geht, wenn er persönlich Problem hat oder nur Zahnschmerzen. Das wichtigste ist, man muss sich hundertprozentig auf den anderen verlassen können, ihm voll vertrauen. Im Notfall ist der andere mein Lebensretter.

Eine Wehr mit hauptamtlichen und freiwilligen Kräften

Die Feuerwehr von Oranienburg hat zehn Löschzüge. Einen für hauptamtliche Kräfte (Löschzug 1) und je einen Löschzug mit freiwilligen Feuerwehrleuten in der Innenstadt und den Ortsteilen. Stadtwehrführer Friedmund Duwe hat drei Stellvertreter: Manfred Gellert, Jens Pamperin und Rainer Huber. Die Oranienburger Feuerwehr verfügt insgesamt über 27 Fahrzeuge. Die technische Ausrüstung, die baulichen Anlagen und die Ausstattung der Feuerwehrleute sind auf einem guten Stand. Die Schutzkleidung für einen Feuerwehrmann kostet etwa 1000 Euro ohne Atemschutz.

Bei den hauptamtlichen Kräften arbeiten 25 Männer in drei Wachsschichten. Der Leiter der hauptamtlichen Kräfte hat Tagschichten, arbeitet 40-Stunden pro Wochen plus Bereitschaften. Im Löschzug 1 gibt es keine Frauen, obwohl die räumlichen Möglichkeiten bestehen. Stellen wurden auch ausgeschrieben. Etliche Bewerberinnen haben aber den sportlichen Eignungstest nicht bestanden.

In der Wache in der Julius-Leber-Straße stehen elf Einsatzfahrzeuge, darunter eine Drehleiter, ein Rettungsboot und diverse Hängertechnik. Im Hause befindet sich eine Werkstatt für die Atemschutztechnik. Die Schläuche werden im FTZ Gransee gereinigt.

In den freiwilligen Wehren gibt es zurzeit etwa 206 aktive Feuerwehrmänner und 21 aktive Feuerwehrfrauen. Alle Ortsteile haben eine Jugendfeuerwehr. In Friedrichsthal, Germendorf und Sachsenhausen existieren Kinderfeuerwehren.

Gearbeitet wird nach einer Ausrückeordnung. Zu 99 Prozent werden die Ortswehren mit informiert.

Bei ordnungsbehördlichen Angelegenheiten rückt nur der Löschzug 1 aus. Hat das Ordnungsamt Feierabend, ist die Feuerwehr das Ordnungsamt. Die hauptamtlichen Kräfte sind genau eingewiesen. Das Tierheim in Ladeburg nimmt nur der Feuerwehr Fundhunde ab. Die Feuerwehr hat extra einen transportablen Hundezwinger gebaut.

Auf der Internetseite www.feuerwehr-oranienburg.com gibt es einen Überblick über die Strukturen und die einzelnen Löschzüge.

Von Andrea Kathert

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