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Eine tänzerische Spurensuche

Konzentrationslager Sachsenhausen Eine tänzerische Spurensuche

Die Tanzperformance „Baracke & Blumenwalzer“, präsentiert von Johanne Timm und ihrem Team, war eine der beeindruckenden Veranstaltungen anlässlich des 70.Jahrestages der Verlegung des sowjetischen Speziallagers Nummer 7 nach Sachsenhausen. Am Wochenende wurde daran mit verschiedenen Gedenkveranstaltungen erinnert.

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Die Tänzerin Johanne Timm begab sich auf familiäre Spurensuche.

Quelle: Ulrike Gawande

Oranienburg. “Ein besseres Denkmal hätten sie ihrer Familie gar nicht setzen können“, lautete das begeisterte Lob von Carmen Dietze aus Berlin an Tänzerin Johanne Timm und ihr Team nach deren Präsentation der Tanzperformance „Baracke & Blumenwalzer“.

Vorgeführt wurde sie anlässlich des 70.Jahrestages der Verlegung des sowjetischen Speziallagers Nr.7/später Nr.1 nach Sachsenhausen, der am Wochenende mit verschiedenen Gedenkveranstaltungen begangen wurde. So fand am Samstagnachmittag ein Zeitzeugengespräch mit ehemaligen Lagerinsassen des 1950 aufgelösten Lagers unter dem Kontext „Lager und Kultur“ statt. In den fünf Jahren seines Bestehens waren sechzigtausend Menschen in dem Speziallager inhaftiert, viele ohne je zur Haft verurteilt worden zu sein. 12000 von ihnen starben an Hunger, Krankheit oder psychischer Erschöpfung.

Mit der Tanzperformance, die in der ehemaligen Häftlingswäscherei für hundert Gäste dargeboten wurde, wagte man eine völlig andere Herangehensweise – auch seitens der Gedenkstätte – an dieses umfangreiche und düstere Kapitel deutscher Geschichte.

Durch die Mitwirkung von Johanne Timm war es außerdem eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem über lange Zeit wenig erforschten Themenfeld. Denn nicht nur die mittlerweile verstorbenen Großeltern, der in Kühlungsborn geborenen Tänzerin waren in Sachsenhausen inhaftiert, sondern auch weitere Brüder ihres Großvaters. Einer von ihnen, Lukas Timm, hatte am Nachmittag als Zeitzeuge aus seinem Leben erzählt.

Es war bedrückend, wie eindringlich Johanne Timm die Monotonie des Häftlingsalltags mit ihrem Tanz vor dem freien Fenster, das den Blick der Zuschauer auf das verregnete Lagergelände lenkte, widerspiegelte. Damals jedoch seien die Fenster geschlossen gewesen, berichten Zeitzeugen. Die einzige Lampe in der Baracke wurde abends um zehn Uhr gelöscht. Der Kontakt zwischen Männern und Frauen? Streng verboten. Trotzdem lernten sich Johanne Timms Großeltern Dietlinde und Tilmann während der Haft kennen und lieben. Beide waren damals Mitglieder des im Jahre 1946 gegründeten Lagertheaters, das nicht nur Aufführungen für die herrschenden Russen, sondern auch für ausgewählte deutsche Insassen vorführte.

„Uns hat damals das Theater und die Kultur vom tristen Barackenleben abgelenkt. Das Ballett war Arbeit, so haben wir eine Zeit lang sogar unseren Hunger vergessen“, berichtet Eva Schneider, die vor 70 Jahren Teil des Balletts gewesen war, und nun Johanne Timm für die einjährige Vorbereitung der Tanzperformance beratend zur Seite gestanden hatte.

Besonders geliebt habe ihre Oma den Blumenwalzer aus Tschaikowskys „Nussknackersuite“, berichtet Johanne Timm, die mit ihrem Beruf den Traum der Großmutter, Tänzerin zu werden, verwirklichte.

Von Ulrike Gawande

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