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Oberhavel Einen Baum der Hoffnung pflanzen
Lokales Oberhavel Einen Baum der Hoffnung pflanzen
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18:57 13.11.2017
Imbert Rolla du Rosey (2.v.r.) mit der von ihm und seiner Frau Petra (2.v.l.) mit Pfarrer Burmeister (l.) und der gestifteten Blutbuche. Quelle: Ulrike Gawande
Schönwalde

Hanseatisch zurückhaltend möchte Imbert Rolla du Rosey aus Hamburg, dessen Vorfahren aus der heutigen französischen Schweiz stammen, gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Doch am Martinstag drehte sich in Schönwalde alles um ihn und seine Frau Petra. Beide waren mit ihrem Wohnmobil anlässlich des Jubiläums 280 Jahre Kirchweihe ins Havelland gekommen. Sie wollten an der am 10. November 1737 eingeweihten Schönwalder Dorfkirche eine Bank errichten und einen Baum pflanzen.

Stifterplakette Quelle: Ulrike Gawande

Eine Blutbuche, wie Martin Schorlemmer, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, den Besuchern des Kirchweihgottesdienstes verriet. Er erklärte, dass Blutbuchen, die wegen ihrer Laubfärbung auch „Purpurbuchen“ genannt werden, seit dem 15. Jahrhundert bekannt sind und seit dem 18. Jahrhundert kultiviert werden.

Der Hamburger mit dem Baum vor der Kirche. Quelle: Ulrike Gawande

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts war der Namensvetter von Imbert Rolla du Rosey, der französische Offizier Imbert du Rosey, nach Schönwalde gekommen. Der 74-jährige Hamburger ist also ein Rosey-Ahn in achter Generation. Der Zwang, sich dem Katholizismus zuwenden zu müssen, hatte seine Vorfahren als protestantische Hugenotten nach Brandenburg auswandern lassen. 1686 kam Imbert du Rosey an den Hof des Großen Kurfürsten. Zehn Jahre später vertraute man ihm die Leitung der Schweizer Leibgarde des Königs an. 1693 heiratete er im Berliner Dom Dorothea von Meinders, die ihm sechs Söhne schenkte. 1698 erwarb du Rosey mehrere Güter, unter anderem das Gut in Schönwalde. Der jüngste Sohn, Otto du Rosey, ließ dann 1737 dort eine Kirche von Grund auf neu bauen, weil der Vorgängerbau zuvor 30 Jahre brach gelegen hatte. So ist es in der Chronik von Schönwalde nachzulesen. Auch die berühmte und klangprächtige Wagner-Orgel der Kirche wurde 1739 auf Wunsch von Otto du Rosey eingebaut.

Orgelandacht in der Schönwalder Dorfkirche Quelle: Ulrike Gawande

Es sei ein bewegender Moment, in der Kirche zu stehen, die seine Vorfahren errichtet hätten, gibt Imbert Rolla du Rosey zu, der nach einer Lehre zum Tankwart später 30 Jahre lang bei der „Zeit“ in Hamburg gearbeitet hat. Er chauffierte den ehemaligen Bundeskanzler und späteren „Zeit“-Herausgeber Helmut Schmidt ebenso, wie die „Zeit“-Gründerin Marion Gräfin Dönhoff, mit deren Familie die du Roseys auch familiär verbunden sein sollen. Er sei historisch interessiert, so Imbert Rolla du Rosey, und nutze nun seinen Ruhestand, um auf familiäre Spurensuche zu gehen. Sowohl in der Schweiz, wo am Genfer See das „Institut Le Rosey“, ein renommiertes Internat, im alten Schloss der Familie untergebracht ist, als eben auch in Schönwalde.

Kirche mit Wagner-Orgel Quelle: Ulrike Gawande

Ein Onkel sei bereits in den 70er-Jahren erstmals in Schönwalde gewesen. Die Fotos hütet der Neffe wie seinen Augapfel. 2013 kam auch er erstmals in die Kirche und ließ sich von dem Kanzelaltar mit den Rosengirlanden und den darüber befindlichen, goldenen Monogrammen der Kirchenstifter und dem Familienwappen an der Kanzel verzaubern.

Rosengirlanden auf der Kanzel. Quelle: Ulrike Gawande

Ursprünglich wollte der Hamburger die Restauration der Monogramme und des Wappens finanzieren, damit diese wieder in der Originalfarbe blau mit goldener Schrift erstrahlen können. Doch der Denkmalsschutz machte den Plänen, wie Pfarrer Martin Burmeister in der Orgelandacht berichtete, vorerst einen Strich durch die Rechnung. So dass Rolla du Rosey sich entschied, wenigstens einen Baum zu pflanzen. „Ich wollte der Gemeinde etwas zugute kommen lassen. Die Kirche liegt mir am Herzen.“

Und so durfte im Gedenken an 500 Jahre Reformation Luthers Zitat „Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ im Gottesdienst nicht fehlen. Ein Satz, der Menschen im Zweiten Weltkrieg Hoffnung gegeben hatte. So wurde „Ein Baum der Hoffnung“ gepflanzt und das entsprechende Lied gesungen, das aus der kirchlichen Umweltbewegung der DDR stammt.

Von Ulrike Gawande

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