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Oberhavel Einer, der gut erklären kann
Lokales Oberhavel Einer, der gut erklären kann
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08:57 29.08.2017
Johannes Mommert in einem seiner Baufahrzeuge. Der 63-Jährige ist mit Leib und Seele Maurermeister und Ausbilder. Quelle: Enrico Kugler
Borgsdorf

Johannes Mommert liebt knifflige Aufträge. Stolz zeigt der Borgsdorfer Maurermeister ein Foto vom Pinnower Kirchturm, dessen schräges Mauerwerk mit zerbröselten Fugen wie durch ein Wunder zusammenhielt. Nach der Wende mauerte Mommert am Turm des 1860 erbauten Gotteshauses, musste sich dabei streng an historische Vorlagen halten. Auch das Innere des Turms hatte er neu verputzt. Den „Turmbau zu Pinnow“ bezeichnet er als sein liebstes „Kind“.

Wenn er am Freitag das 30-jährige Bestehen seines Baubetriebes feiert, erinnert sich Johannes Mommert an die Anfänge. Wie er 1968 seine Lehre in Ortrand in der Lausitz begann und 1978 seinen volkseigenen Meisterbrief für Hochbau erwarb. Und weil es ihm Spaß macht, jungen Leuten etwas beizubringen und Lehrlinge auszubilden, studierte er bis 1983 in Magdeburg Ingenieur-Pädagogik.

Auch wenn es seiner Firma mal nicht so gut ging, wie im Jahr 2000, als die Zahlungsmoral der Auftraggeber sehr schlecht war, und Mommert Arbeitsumfang und Leute reduzierte, an seiner Lehrlingsausbildung hielt er immer fest. „So richtiges Handwerk zu vermitteln, das macht doch Spaß. Außerdem kommt man nicht schlau auf die Welt. Jeder braucht jemanden, der einem etwas beibringt.“ Mommert freut sich, wenn seine Lehrlinge gut einschlagen. „Einer belegte sogar mal den siebten Platz bei der deutschen Meisterschaft“, berichtet der Maurermeister stolz. Seine Gesellen, die schon mehr als 20 Jahre bei ihm arbeiten, hatten alle bei ihm gelernt. Ein weiterer war Meister in seiner Firma und ist jetzt Ausbilder im Lehrbauhof in Oranienburg. Johannes Mommert ist zudem Vollmitglied der Handwerkskammer und kümmert sich ehrenamtlich als einer der fünf Arbeitgebervertreter aus Oberhavel um Lehrunterweisungen und Lehrgänge.

Ans Aufhören denkt der 63-Jährige nicht wirklich. Einen Nachfolger für seine Firma? „Nee, habe ich nicht, ich arbeite gedanklich dran“, sagt Mommert schmunzelnd. Seine Frau Christine, die Lehrerin in Schmachtenhagen war und in der Buchhaltung ihres Mannes mithilft, bezweifelt ebenfalls, dass ihr Mann in absehbarer Zeit aufhört. Dafür hänge er noch zu sehr an seiner Arbeit. Es sei ihm sehr wichtig, dass seine Kunden zufrieden sind. „Er ist immer da, wenn ältere Kunden etwas zu reparieren haben. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, Johannes kümmert sich darum.“ Keines der drei Kinder der Mommerts erwägt die Firmennachfolge. Die hätten ihren Vater immer nur arbeiten gesehen, sagt Mutter Christine.

Vor 30 Jahren hatte Johannes Mommert seine Baufirma gegründet, nachdem er die Gängeleien in der Berufsausbildung zu DDR-Zeiten satt hatte. Mehrere Jahre war ihm das Selbstständigmachen verweigert worden. Erst nachdem er gekündigt und aufgehört hatte zu arbeiten, wurde sein Antrag bewilligt. In Borgsdorf verpachtete ihm die Gemeindevertretung ein Grundstück für seinen Handwerksbetrieb. Heute hat Mommert vier Vollzeitbeschäftigte und einen Lehrling. Zum Firmenjubiläum schenkt er ihnen einen freien Tag, an dem er sein Team mit einem Firmenausflug überraschen wird.

Von Marion Bergsdorf

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