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Oberhavel Einmal schleusen, bitte!
Lokales Oberhavel Einmal schleusen, bitte!
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17:27 27.07.2018
Sportboote in der Schleuse – gleich geht es zu Tal, wird die Schleusenkammer geleert. Quelle: Heike Bergt
Oranienburg

Urlaubsbeginn für Kerstin Stahlberg und Frank Hörnke aus Berlin-Köpenick. Mit ihrem Schiff, Baujahr 1925, sind sie am Donnerstagvormittag auf dem Weg Richtung Müritz. Wann sie wo festmachen, ist ihnen dabei so ziemlich egal: Einfach treiben lassen. Die Sonne scheint, der Weg ist das Ziel. „Das Schiff ist unser Bungalow“, sagen die beiden. Drei Wochen wollen sie gen Norden schippen und warten auf Einfahrt in die Lehnitzschleuse.

Die Köpenicker auf ihrem Schiff vor der Schleuse. Quelle: Heike Bergt

Auf der hat am Donnerstagvormittag Timo Schröter als Schichtleiter Dienst. Seit 20 Jahren macht er diesen Job. Der Oranienburger hat ursprünglich Wasserbau gelernt und Schleusen gebaut. Als der Bereich aufgelöst wurde ging er zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde (WSA) und hat sich zum Schichtleiter qualifiziert. Betriebszeit der Lehnitzschleuse ist von 6 bis 21.45 Uhr, von Montag bis Sonnabend, an Sonn- und Feiertagen öffnen und schließen sich die Tore morgens erst ab 7 Uhr.

Timo Schröter aus Oranienburg vor seinen Bildschirmen. Quelle: Heike Bergt

Oben in seiner Kabine hat er den vollen Überblick auf das, was in, an und um die Schleuse passiert. Zehn Bildschirme lassen keinen schwarzen Fleck. Und doch beugt er sich ab und zu aus seinem Fenster und ruft den Bootsmännern ein paar Hinweise hinunter. Denn die Schleuse ist ein stattliches Bauwerk und nicht ungefährlich. Das Einhalten von Regeln ist wichtig. 134 Meter lang und 11,92 Meter breit ist das Schleusenbecken. 10 000 Kubikmeter Wasser passen in die Kammer, rauschen bei jedem Schleusengang davon. Am Donnerstagvormittag haben Sportboote dicht bei dicht darin festgemacht, aber auch Schubschiffe warten in der Gegenrichtung. Sie werden jeweils sechs Meter gehoben oder hinuntergelassen. Ein Schleusengang dauert um die 15 Minuten.

„Wir sind gehalten, mit dem Wasser zu haushalten“, sagt Timo Schröter. In normalen Zeiten wird aller 45 bis 60 Minuten geschleust, in der aktuellen Trockenzeit aller anderthalb bis zwei Stunden. „Weitere Einschränkungen sind denkbar.“ Im Durchschnitt passieren 100 bis 120 Sportboote pro Tag in der Sommersaison zwischen März und Oktober die Schleuse. Die Zahlen sind relativ stabil. 2017 waren es insgesamt 10 364 Sportboote.

Mit den Lastkähnen passierten im vergangenen Jahr 1,34 Millionen Ladungstonnen die Schleusentoren von Lehnitz. Die Schubprahme transportieren vor allem Roheisen, Dünger, Schrott, Getreide und Mais, haben zwischen 1000 und 9000 Tonnen geladen. Wer geschleust werden möchte, meldet sich per Funk an. Die Berufsschiffer auf „Kanal 18“, die Freizeitkapitäne über Funk oder Wechselsprechanlage. Mit der Kanalgebühr wird auch der Schleusengang bezahlt: „Wir kassieren hier kein Geld.“

Großer Kahn in der Schleuse. Quelle: Heike Bergt

Ist es nicht sehr einsam dort an den Bildschirmen? „Nö“, findet Timo Schröter, es gebe viel zu tun, zu beobachten, dass alle sicher einfahren, wieder rauskommen. Der Schleusengang geht automatisch. Er kann aber jederzeit eingreifen und die Stopptaste drücken.

So, wie im letzten Jahr, als ein Mann mit lautem Schrei in der Schleusenkammer über Bord ging. „Das geht durch Mark und Bein und der Adrenalinspiegel ist hoch.“ Zum Glück war der Pegel in der Kammer erst ein paar Zentimenter gefallen, der zweite Mann in der Crew warf einen Rettungsring zu. Und alle kamen mit einem Schrecken davon. So etwas braucht Timo Schröter wirklich nicht alle Tage.

In der Schleuse ist dann jeder selbst für sein Schiff zuständig. Beulen bei Rempeleien, das ist wie auf der Straße: Polizei holen oder privat klären.

Wartung an der Torvorrichtung. Quelle: Heike Bergt

Von Heike Bergt

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