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Einwohner stellt Jugendförderung in Frage

Birkenwerder Einwohner stellt Jugendförderung in Frage

Nach Ansicht von Einwohner Manfred Binder weisen die Aufwendungen der Gemeinde Birkenwerder für die Jugendarbeit im Vergleich zu den Haushaltsansätzen für Kita, Grundschule und Hort auf eine „extreme Schieflage“ hin. Gemeindevertreter ließen seine Berechnungen und Argumente das nicht auf sich sitzen.

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Steht plötzlich im Fokus einer absurden Diskussion: der Jugendklub C.O.R.N. in Birkenwerder.

Quelle: Robert Roeske

Birkenwerder. Für das Sanierungs- und Erweiterungsprojekt des Jugendklubs C.O.R.N. bringt Birkenwerder in diesem Jahr voraussichtlich knapp 2,3 Millionen Euro auf. Nach Ansicht von Manfred Binder weisen die Aufwendungen der Gemeinde für die Jugendarbeit im Vergleich zu den Haushaltsansätzen für Kindertagesstätten, Grundschule und Hort auf eine „extreme Schieflage“ hin. Der Einwohner wandte sich in der jüngsten Gemeindevertretersitzung mit einer Reihe von Fragen an die Kommunalpolitiker, mit denen er inhaltliche Arbeit, Organisation und Zielgruppe hinterfragte. Beispiel: „Gibt es Jahresberichte der Clubleitung zu durchgeführte Aktivitäten sowie eine Teilnahmestatistik? Wenn ja, in welcher Form und ist diese einsehbar?“

Parallel hat Binder eine tabellarische Übersicht erstellt, in der die finanziellen Leistungen der Gemeinde für Kita, Hort, Schule und Jugendklub laut aktuellem Haushalt vergleichend gegenübergestellt werden. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, hat er die Kosten dabei auf die Anzahl der Kinder beziehungsweise Klubbesucher umgerechnet. Danach werden in diesem Haushaltsjahr in der Pestalozzi-Grundschule 1118 Euro pro Kopf ausgegeben, im Hort 977 Euro und in den drei Kindertagesstätten im Schnitt 3801 Euro. Für den Jugendklub ermittelte Binder einen Wert von 7672 Euro. „Berücksichtigt man, dass für Kita, Grundschule und Hort ein anspruchsvoller Bildungsauftrag vorliegt, für den Jugendclub es sich lediglich um Angebote handelt, die das ,Herumhängen’ vermeiden helfen sollen, so ist diese finanzielle Schieflage nicht erklärbar und begründbar. Die Prioritäten sind meiner Ansicht nach extrem zu Gunsten des Jugendclubs verschoben und in diesem Ausmaß nicht gerechtfertigt“, sagte Binder.

Klare Positionen zu diesen Äußerungen bezogen die Gemeindevertreter. „Wir haben uns die Jugendförderung auf die Fahne geschrieben“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Henrik Lehmann. Ungehalten reagierte Peter Ligner (Linke) auf die Darstellung Binders. Diese beinhalte eigentlich die Frage, wozu überhaupt in den Jugendklub investiert wird – und den Vorschlag, dies auf Kosten der Jugendarbeit zu ändern. „Das ist absurde Sozialpolitik“, sagte Ligner. Diese Denkweise bezeichnete er als „abstrus“.

Verständnis für die Bürgerfragen, forderte Heiko Friese (SPD) ein. In Birkenwerder würden allerdings alle Altersgruppen ernst genommen und „ausgewogen bedient“. Auch den Heranwachsenden solle nicht vorenthalten werden, was ihnen zusteht. „Ich stehe voll hinter dieser Entscheidung“, sagte Friese. Die Investition sei zwar teuer, werde dem Ort aber zugute kommen.

Der Bürgereinwand komme ihm wie ein Vorwurf vor, als würden andere Bereiche schlechter behandelt, sagte Werner Lindenberg. Als langjähriger Gemeindevertreter könne er das mit Zahlen widerlegen. In die Kitas seien in den vergangenen Jahren fünf Millionen Euro investiert worden, in die Schule rund sieben Millionen und in den Hort zwei Millionen Euro. Die Investitionen für den Jugendklub hätten bislang aus „Kleinigkeiten“ wie dem Behindertenaufzug bestanden. Lindenberg: „Wir haben uns diese Investition reiflich überlegt.“

Von Helge Treichel

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