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Eisbaderin rettet Gans

Sabine Daniel steigt jeden Morgen in die Fluten des Lehnitzsees Eisbaderin rettet Gans

Jeden Morgen steigt Sabine Daniel in die Fluten des Lehnitzsees. Auch am Montag. Dabei entdeckte sie eine Kanadagans, die sie kurzerhand in den Korb ihres Fahrrades hob, festschnallte und mit nach Hause nahm. Inzwischen geht es dem Federvieh besser. Die Lehnitzer Tierfreundin will sie aber jetzt einem Tierarzt vorstellen.

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Hat mehrere Kilo zu bändigen: Sabine Daniel mit dem gefiederten Patienten.

Quelle: Enrico Kugler

Lehnitz. Elf Grad unter Null – auch das konnte Sabine Daniel am Montag nicht davon abhalten, am „Bolli“ in die Fluten des Lehnitzsees zu steigen. Das gehört seit mittlerweile neun Jahren zu ihrem morgendlichen Ritual. Um sieben heißt es: Raus aus den Federn! Dann radelt sie von der Thälmannstraße zum Badestrand, den Badeanzug hat sie unter der Jogginghose, um dann „sechs bis acht Minuten“ unterzutauchen. Überwindung koste sie das nicht. Im Gegenteil, „ich brauche das für den Kreislauf“, sagt die 71-Jährige. Bis zum Frühstück wärmt sie sich dann „mit einer Wärmflasche in den Nieren“ auf.

Angefangen hatte es damit, dass sie zusammen mit anderen Frauen aus Lehnitz die Badezeit im Sommer erst bis September, dann bis Oktober verlängert hatte. Inzwischen macht sie durch. Nur Freundin Marion Fuhrmann ist auch im Winter dabei. Abhalten können Sabine Daniel nur Eisschollen, „denn die sind scharf wie Rasierklingen“, weiß sie aus Erfahrung. Wenn es friert, gehe sie dort baden, wo die Strömung das Wasser offenhält. „Rein muss ich.“ Und das nicht nur wegen des morgendlichen Schwungs für Herz und Kreislauf, sondern auch wegen der Tiere: Jeden Morgen wird sie sehnlichst erwartet, von vier Schwänen, 15 bis 20 Graugänsen und mehrere Entenpärchen. Immer hat sie Weißbrot dabei – „die Nachbarn sammeln schon“.

Ende November fiel ihr bei einem Spaziergang ein Jungschwan auf, der sich nicht richtig bewegen konnte. Beherzt watete sie samt Bekleidung bis zum Hals ins Wasser, zog das Tier an einer Angelsehne an Land und befreite es von meterweise Schnur, die den „Schnabel 20-mal umwickelt hatte, ebenso einen Fuß“. Ohne ihren Einsatz, hätte die Sehne das sichere Todesurteil für das Jungtier bedeutet.

Seit Sonntag hat sie nun eine Gans im Keller. Die war „völlig schlapp und ließ den vereisten Hals so komisch hängen“. Sabine Daniel packte beherzt zu, schnallte die Gans im Einkaufskorb auf dem Gepäckträger fest und radelte heim. „Inzwischen hat sie Haferflocken und Brot gefressen und es scheint ihr besser zu gehen. Und ich habe sie kurzerhand Auguste genannt.“ Sabine Daniel ist eine große Tierfreundin. Ein roter Kater gehörte stets zum Haushalt, früher auch die beiden Pferde Lady und Poldy, Hund Willy und Hase Rosi. Von allen sei ihr der Abschied immer so schwer gefallen, dass sie eigentlich nie wieder Tiere wollte, aber Kater Paul schleicht schon wieder durchs Haus. Und nun Auguste. Jetzt, wo es dem Federvieh nach einem Tag sichtbar besser geht, will sie mit der Gans zum Tierarzt: „Irgendetwas ist mit dem Flügel nicht in Ordnung.“ Das Tier trägt übrigens einen Ring und ist mit „EJ 8“ beschriftet.

Selbstverständlich geht Sabine Daniel auch am Mittwoch wieder schwimmen. „Sechs bis sieben Grad hat das Wasser“, schätzt sie. Lebenspartner Udo Lemke wundert sich nur. Ob er mit baden gehen würde? „Niemals!“

Von Heike Bergt

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