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Engagiert und erfolgreich trotz Handicap

Hennigsdorf Engagiert und erfolgreich trotz Handicap

Jenny Riedel ist gerade mal 32 Jahre alt. Trotz ihrer Lungenerkrankung meistert die junge Frau aus Leegebruch sämtliche Hürden des Lebens – mit Erfolg. Seit 2012 ist sie selbstständig mit einem Unternehmen in Hennigsdorf und setzt sich für Inklusion ein. Um ihre Themen weiter voran zu bringen, will sie jetzt in die IHK-Vollversammlung.

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Büroarbeit im „Blauen Wunder“: Jenny Riedel (links) mit ihrem Team René Hinz und Manja Slowik.

Quelle: Marco Winkler

Hennigsdorf. Als Jenny Riedel kürzlich im Deutschen Bundestag war, schnupperte sie politische Luft, sah, wo gewichtige Entscheidungen getroffen werden. Wer die 32-Jährige, die seit 2011 in Leegebruch wohnt, nur zehn Minuten erlebt, der merkt: Sie ist eine, die entscheidet, eine selbstständige Macherin.

Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation ist Inhaberin ihres eigenen Unternehmens, Managementassistentin, IHK-geprüfte Ausbilderin und Prüferin, gibt Seminare, ist bei den Wirtschaftsjunioren, im Netzwerk Nord und im Business Netzwerk International (BNI) Hennigsdorf aktiv.

Im Bundestag verbrachte sie eine Woche mit Sabine Leidig (Linke)

Im Bundestag verbrachte sie eine Woche mit Sabine Leidig (Linke).

Quelle: privat

„Wer gibt, gewinnt“, sagt sie in ihren Geschäftsräumen im „Blauen Wunden“. Seit 2014 ist sie hier. Zwei Jahre zuvor gründete sie ihr Unternehmen „Mobile Office Management“, kurz: MOM. „Wir sind wie kleine Muttis“, sagt sie und lacht dabei. Der Sprachwitz sei ihr erst nach Gründung richtig bewusst geworden. MOM, das heißt, Jenny Riedel und ihr Team übernehmen Telefondienste von Kanzleien, Physiotherapien, Osteopathen, Kaufhäuser. So kann es sein, dass Kunden, die bei einer Sekretärin in Hamburg, Nürnberg oder München anrufen, in Hennigsdorf landen. „Die Kunst ist, sich vorzustellen, dass man im Vorzimmer direkt nebenan sitzt.“

Krankheit bestimmt nicht das Leben

Zwei Jahre lang hat Jenny Riedel ihre Selbstständigkeit vorbereitet. Wichtig sei ihr der inklusive Gedanke gewesen: Menschen mit Handicap zu unterstützen, einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu finden. „Man hat als Unternehmer auch eine gesellschaftliche Verantwortung.“ Während sie das sagt, lächelt René Hinz. Er absolviert bei Jenny Riedel eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Seine Ausstattung ist auf seine Behinderung abgestimmt.

Warum die gebürtige Berlinerin so viel Wert auf Inklusion legt, ist einfach erklärt: Sie hat selbst eine Behinderung, eine Lungenerkrankung. Trotzdem sieht sie das nicht als Last, eher als Erfahrung, die den Blick für Belange von Menschen mit Handicap schärft. „Ich organisiere alles so, dass es machbar ist.“ Sie ist belastbar, mutet sich auch viel zu. Nur die Wasserflaschen, die lässt sie sich ins Büro bringen. Extreme Anstrengungen umschifft sie geschickt und mittlerweile mühelos. „Ich möchte nicht, dass meine Krankheit mein Leben bestimmt.“ Ihre Taten bestimmen ihr Leben. So wurde ihr Interesse, mehr über Politikerarbeit zu erfahren, erst neulich geweckt.

Ziel: Ein Platz in der IHK-Vollversammlung

Politik trifft Wirtschaft: Im Rahmen des „Know-How-Transfers“ der Wirtschaftsjunioren begleitete sie eine Woche die Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig (Linke). „Jetzt gucke ich öfter Phoenix“, so Jenny Riedel. Der Austausch sei spannend gewesen. Gerade die Diskussionen im Plenarsaal. „Ein Redner bekam eine Ordnungsrüge, weil er aus ’Die Anstalt’ zitiert hat“, erinnert sie sich. Andere hätten am Ende Rhetorik-Berater hinzugezogen.

Nächstes Ziel der jungen Frau: einen der Plätze in der IHK-Vollversammlung ergattern. Ihr Hauptaugenmerk, das sie vertreten möchte: Berufsaufbildung und Inklusion. Gewählt wird bis zum 13. Juni. Zwei Tage später entscheidet sich, ob Jenny Riedel eine weitere Hürde in ihrem Leben nimmt.

151 Kandidaten für 75 Plätze

Parlament der regionalen Wirtschaft. Als solches gilt die IHK-Vollversammlung. Seit dem 9. Mai und bis 13. Juni kann gewählt werden. Das Ergebnis steht am 15. Juni fest. Die konstituierende Sitzung der neuen Vollversammlung wird am 13. September abgehalten.

Auf die 75 Plätze haben sich insgesamt 151 Vertreter aus allen Branchen und Regionen Brandenburgs beworben. Aus Oberhavel haben sich in den acht Wahlgruppen (von Dienstleistung bis Logistik) fast 30 Unternehmer beworben.

Von Marco Winkler

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