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Oberhavel Erinnerungsstücke eines Überlebenden
Lokales Oberhavel Erinnerungsstücke eines Überlebenden
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07:35 11.04.2017
Jutta Goldbeck mit Erinnerungsstücken ihres Vaters. Quelle: Quelle: Marco Winkler
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Oranienburg

Er wollte über die acht schrecklichsten Jahre seines Lebens nicht reden. Auch mit seiner Familie nicht. Amandus Goldbeck schwieg – bis zu seinem Tod. „Er hat nie darüber gesprochen“, sagt seine Tochter Jutta Goldbeck heute. „Er wollte einfach vergessen.“ Genau das Gegenteil will die 69-jährige Berlinerin bewirken. Sie möchte die Schrecken der NS-Zeit ins Bewusstsein rufen, öffentlich machen, was damals passiert ist. Montag übergab sie deshalb Erinnerungsstücke ihres verstorbenen Vaters an die Gedenkstätte Sachsenhausen. Ihr Vater wurde 1937 von der Gestapo in das damalige Konzentrationslager Sachsenhausen eingewiesen.

Es sind neben einem Liederbuch, Zeichnungen, Dokumenten und Lagerbriefen vor allem Glückwunschkarten, die Jutta Goldbeck der Gedenkstätte schenkt. Mit gezeichneten Lagerszenen verziert, kalligraphisch gestalteten Versen, Blumen, Eichen- und Lorbeerkränzen. Viele von ihnen wurden von Mithäftlingen unterschrieben. Der Berliner Gewerkschafter und Sozialdemokrat Amandus Goldbeck war wohl beliebt.„Es sind wertvolle Sachen“, sagt Sammlungsleiterin Monika Knop, „mit deren Hilfe wir die Geschichte des KZ und das Schicksal der Opfer dokumentieren können.“ Besonders wertvoll: Zwei Zeichnungen. Amandus Goldbeck ist darauf zu sehen, einmal als Verwaltungsangestellter vor seiner Verhaftung und einmal als Häftling der KZ-Kommandantur.

. Amandus Goldbeck mit seiner Tochter Jutta, um 1956. Quelle: privat

„Wir bekommen nicht mehr viele Nachlässe“, so Monika Knop. Die Zeitzeugen sterben aus, die nahen Verwandten bald auch. Jedes Stück, das die Gedenkstätte bekommt, ist ein wichtiges Puzzle-Teil der Erinnerungsgeschichte, die „nicht vergessen und immer wach gehalten“ werden muss. Informationen zu Amandus Goldbeck besaß die Gedenkstätte schon. Diese werden jetzt vervollständigt.

Goldbeck war in der illegalen Berliner Reichsbanner-Widerstandgruppe. Das Kammergericht Berlin verurteilte ihn 1936. Er weigerte sich, Mitgliedernamen zu nennen. Nachdem er seine Strafe abgesessen hatte, wurde er wahrscheinlich deshalb im September 1937 ins damalige KZ Sachsenhausen, das gerade aufgebaut wurde, gebracht. Er arbeitete in verschiedenen Baukommandos und im Klinkerwerk. Er war ab 1943 Schreiber in der Unterkunftskammer und in der Verwaltungsabteilung der Kommandantur. Wie viele musste er auf den Todesmarsch, wo er im April 1945 im Belower Wald befreit wurde.

Vor allem Karten befinden sich in dem Nachlass. Quelle: Marco Winkler

Jutta Goldbeck war 14 Jahre alt, als ihr Vater 1963 starb. Nach seiner Zeit in Sachsenhausen nahm er sein politisches Engagement wieder auf. Doch er litt – unter den Folgen der KZ-Haft. „Er war oft krank“, sagt sie. Geredet habe er nicht. „Meiner Mutter hat er auch nie viel über Sachsenhausen erzählt.“ Erst als Lotte Goldbeck 1998 ins Pflegeheim musste und ihre Tochter Jutta die Wohnung auflöste, fand sie die Erinnerungsstücke ihres Vaters.

„Der Nachlass schlummerte Jahrzehnte hinter hohen Bücherreihen.“ Einen besonderen Teil hatte ihr Vater aber immer bei sich: Einen Siegelring mit seiner eingravierten Häftlingsnummer. „Er hat ihn nie abgesetzt.“ Ob er in Sachsenhausen entstanden ist, ist unklar. Zumindest gab es hier eine Metallwerkstatt.

Den Siegelring trug Amandus Goldbeck immer – bis zu seinem Tod 1963. Quelle: Marco Winkler

Jutta Goldbeck hätte noch viele Fragen an ihren Vater, die sie nicht mehr stellen kann. Einige könnten aber bald beantwortet werden. Die Gedenkstätte ist in Kontakt mit dem tschechischen Überlebenden Josef Dvorak. Der heute 98-Jährige kam 1939 als Student ins Konzentrationslager und war ein guter Freund von Amandus Goldbeck. Viele der Glückwunschkarten zum Geburtstag tragen seine Unterschrift.

Goldbecks Nachlass wird künftig im am 5. November mit einem „Tag der offenen Tür“ neu eröffneten Depot gelagert.

Von Marco Winkler

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