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Oberhavel Erst krank, dann arbeitslos
Lokales Oberhavel Erst krank, dann arbeitslos
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02:15 22.05.2017
Susann Schönborn arbeitete nur etwa drei Wochen für Shell in Hennigsdorf. Während dieser Zeit habe sie nur fünf kurze Pausen machen dürfen. Quelle: Foto: Marco Paetzel
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Hennigsdorf

Das Fieberthermometer stand bei 39,6 Grad Celsius. Da hatte Susann Schönborn gerade zwei Stunden ihrer Schicht in der Hennigsdorfer Shell-Filiale geschafft. „Ich musste mich hinter der Theke auf einen Stuhl setzen, damit ich nicht umkippe“, sagt die 33-Jährige. Kunden hätten ihr angesehen, dass sie krank war. „Eigentlich hätte ich dann auch keine Bockwürste oder Brötchen mehr anfassen dürfen, die Kunden fanden das auch nicht so toll“, sagt Susann Schönborn. Zwei Tage lang hatte sie sich krank in die Shell-Tanke in der Spandauer Allee geschleppt, zweimal musste sie sich dort auch übergeben. „Ich hatte gehört, dass man bei Krankheit gekündigt wird.“ Am Dienstag, 25. April, ging es dann nicht mehr, Susann Schönborn war beim Arzt. Diagnose: Bronchitis, zwei Wochen krank. Und dann flatterte ihr die Kündigung ins Haus. „Ich kann das nicht verstehen, weil mich der stellvertretende Leiter der Tankstelle zu sich gerufen und mich für meinen Einsatz gelobt hatte.“ Die Verkäuferin glaubt, dass sie entlassen wurde, weil sie sich hat krankschreiben lassen. Genauso sei es ihrer Kollegin Theresa Hampel ergangen, auch ihr ging Ende April die Kündigung zu. Sie hatte sich bei der Arbeit in der Tankstelle den Daumen verstaucht und ausgerenkt, arbeitete aber tagelang unter Schmerzen so weiter. Bis auch sie der Arzt schließlich krank schrieb. „Sonst hätte der Daumen für immer steif bleiben können.“

Frauen fühlen sich ausgebeutet

Die Frauen fühlen sich nicht nur ungerecht behandelt, sondern auch ausgebeutet. Susann Schönborn habe in ihren etwas mehr als drei Wochen bei Shell nur fünf kurze Pausen machen dürfen. „Ich war meist alleine und hätte den Laden ja nicht einfach zuschließen können.“ Und so habe sie nur mal ein paar Minuten an einer Zigarette ziehen können, wenn gerade ein zweiter Kollege zum Schichtwechsel gekommen sei. Zudem habe Schönborn vermutlich vom Wasser in der Filiale Ausschlag am Hals bekommen, sie habe sich damit Tee und Kakao gekocht. „Nach der Kündigung war das schnell verschwunden.“ In diesem Fall habe sie die Berufsgenossenschaft eingeschaltet. Außerdem hat sich Susann Schönborn rechtlichen Beistand geholt. Sie fordert unter anderem 71 Euro für die durchgearbeiteten Pausen.

Shell streitet alle Vorwürfe ab

„Wir werden uns aus personalrechtlichen und Datenschutzgründen nicht zu den Ursachen der beiden Kündigungen äußern, wir weisen aber die Vorwürfe entschieden zurück“, erklärt Sprecher Axel Pommeränke. Die Gründe seien in beiden Fällen nicht krankheitsbedingt gewesen. Auch die Aussage, Mitarbeiter seien wegen Krankheit entlassen worden, sei falsch. Shell arbeite mit der Pächterin der Station Hennigsdorf seit 2003 sehr gut zusammen. Sie betreibe vier Stationen, es habe nie Anlass zur Beschwerde gegeben. „Ihre Mitarbeiter arbeiten zum großen Teil mehrere Jahre, teilweise über zehn Jahre mit der Pächterin zusammen.“ Shell weist ebenso entschieden die Behauptung zum Thema Wasser zurück. „Die Wasserqualität wird wie üblich getestet, die Behörden haben nie Anlass zur Beanstandung gehabt. Auch sonst gibt es keine Probleme“, so Pommeränke. Zum Pausen- und Schichtsystem erklärt er, dass auch wenn ein Mitarbeiter in einigen Schichten alleine sei, jeweils ein Schichtleiter zwischen den Stationen springe – und Mitarbeiter könnten so ihre Pausen nehmen.

Susann Schönborn indes schaut nach vorne, sie hat ein Vorstellungsgespräch bei Rewe in Velten. „Ich glaube aber“, so die 33-Jährige, „dass sich nach dem Zeitungstext noch andere Mitarbeiter der Tankstelle melden werden.“

Von Marco Paetzel

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