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Erstaunliche Funde auf dem Dorfanger

Germendorf Erstaunliche Funde auf dem Dorfanger

Natürlich haben die Archäologen auf dem Dorfanger auch auf ihrer zweiten Grabungsstätte vor der Kita erstaunliche Dinge zu Tage befördert. Zum Beispiel alte Brunnen und viele Tierkadaver. Doch mit einigen Vermutungen lagen die Mitarbeiter von Andrea Weishaupt daneben. Vielleicht war Germendorf doch kein Angerdorf.

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Marcel Torres, Hans Riediger und Karin Petrovszki (v. l.) dokumentieren die Funde.

Quelle: Robert Roeske

Germendorf. „Das ist alles hoch spannend für uns“, sagt Andrea Weishaupt. Und die Fläche für den Kitaneubau auf dem Dorfanger ist nun wahrlich nicht ihre erste Ausgrabung. Aber nördlich von Berlin gibt es keine ergiebigere Fundstätte, die so detailliert Auskunft über eine mittelalterliche Dorfstruktur gibt. Andrea Weishaupt steht mit staubigen Hosen und Schuhen neben den Resten der Holzeinfassung eines Brunnen, der noch reichlich mit Wasser gefüllt ist.

„Der hier ist ein barocker Brunnen, aus dem 18. Jahrhunert.“ Erstaunlich wie gut das Holz erhalten ist. Weil es im Wasser lag und kein Sauerstoff rankam, konnte es nicht verrotten. Für die Archäologen ist das ein Glücksfall. Die Jahresringe des Holzes geben Aufschlüsse über die Bauzeit. Er ist nur einer von fünf Brunnen, die auf engem Raum entdeckt wurden. „Das war hier offenbar eine Stelle, wo die Menschen leicht an Wasser herankamen.“ Deshalb wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an der selben Stelle Brunnen gebaut. Auch drei mittelalterliche Bauwerke aus dem 13./14. Jahrhunderten wurden entdeckt.

Dies ist ein Brunnen aus dem 18 Jahrhundert

Dies ist ein Brunnen aus dem 18. Jahrhundert. Der Holzkasten ist sehr gut erhalten.

Quelle: Robert Roeske

Nachdem die Mitarbeiter des Archäologiebüros schon für den Bau der Feuerwehr am Dorfanger auf enorme Funde stießen, hatten sie schon Vorstellungen, was sie ein paar hundert Meter weiter erwartet. Doch die jetzige Ausgrabungsfläche birgt selbst für die gestandenen Archäologen einige Überraschungen. „Eigentlich hatten wir an dieser Stelle Bauernhäuser mit Kellern vermutet“, sagt Andrea Weishaupt. Stattdessen stießen die Mitarbeiter auf Wirtschaftsgebäude. „Die Wohnhäuser müssen noch weiter drüben liegen“, zeigt sie in Richtung Dorfstraße. „Hier war jedenfalls nicht so ein Angerdorf wie wir vermutet haben.“ Bis zum 30-jährigen Krieg gab es wahrscheinlich eine ganz andere Struktur als den Anger. Ungewöhnlich sind auch die vielen Tierkadaver. 56 wurden jetzt gefunden, mehr als 160 waren es am ersten Ausgrabungsort.

Das ist das Skelett eines Kalbes

Das ist das Skelett eines Kalbes.

Quelle: Robert Roeske

„Das waren Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und Schweine – alles Jungtiere“, meint die Archäologin. „Die wurden hier wild im Gelände verbuddelt.“ Vielleicht gab es eine Tierseuche.

Auch die Annahme, an dieser Stelle hätten die weniger reichen Bauern gelebt, stimmt nicht. Die wertvollen Ofen- und Tonscherben sagen etwas anderes. Ganz ungewöhnlich seien auch die runden Zaunstrukturen. Die Pfeiler wurden dicht nebeneinander zu großen Kreisen gesetzt.

Ein Jahr lang hat das Archäologiebüro Weishaupt nun Zeit, die Funde zu dokumentieren und den Bericht an das Landesamt für Denkmalschutz zu geben. In einer Broschüre über Archäologie in Berlin und Brandenburg wird dann etwas darüber zu lesen sein.

Andrea Weishaupt arbeitet schon seit 1988 als Archäologin und hat bestimmt schon viel gesehen

Andrea Weishaupt arbeitet schon seit 1988 als Archäologin und hat bestimmt schon viel gesehen. Aber die Funde in Germendorf sind auch für sie hoch spannend.

Quelle: Robert Roeske

Bei den Ausgrabungen in Germendorf gibt es einige Besonderheiten: Nur weil der Baugrund so schlecht ist und ausgetauscht werden muss, konnten die Archäologen überhaupt so tief graben. Solche Möglichkeiten sind ihnen nicht oft vergönnt. Dieses Mal haben sie viele Fundstellen nur dokumentiert, mit Geovlies abgedeckt und für die Nachwelt erhalten, einfach um Kosten zu sparen.

Außergewöhnlich war auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Oranienburg. „Die haben uns den alten Jugendklub zur Verfügung gestellt“, sagt Andrea Weishaupt. Für ihr Team waren das sehr komfortable Zustände, für die Schreibarbeit ein Dach über dem Kopf und noch dazu Strom und Wasser zu haben. Gerade Ende Februar, als die Arbeiten begannen, war das sehr hilfreich. Wenn der Rohbau für die neue Kita in Arbeit ist, werden die Archäologen noch einmal kommen und die Gräben untersuchen, die für die Medien gezogen werden.

Und noch etwas Besonderes kann Andrea Weishaupt vermelden: „Wir liegen absolut im Zeitplan, nächste Woche sind wir fertig“, sagt Andrea Weishaupt. Genau pünktlich für die nächsten Bauarbeiten zur neuen Kita. Die Archäologin freut sich schon, wenn vielleicht auch mal vor der Sporthalle am Dorfanger gebaut wird. Dann wäre sie wieder dabei und würde sicherlich wieder etwas ausgraben, damit sich das archäologische Puzzle weiter vervollständigt.

Von Andrea Kathert

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