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„Es gehört Mut dazu, Fremde aufzunehmen“

Flüchtlinge „Es gehört Mut dazu, Fremde aufzunehmen“

Katholische und evangelische Kirchengemeinden in Oberhavel folgen dem Aufruf des Papstes und wollen Flüchtlingsfamilien unterbringen. In vielen Kirchenliegenschaften sind dazu Umbauten erforderlich. Deshalb geht der Apell an die Gemeindemitglieder, bei sich privat Flüchtlinge aufzunehmen.

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Flüchtlinge tragen ein Bett zu einem Stahlblech-Haus in der Flüchtlingssiedlung in Brück im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Auch in Oberhavel werden Wohncontainer aufgestellt.

Quelle: dpa-Zentralbild

Oberhavel. Der Aufruf des Papstes, geflüchtete Menschen, aufzunehmen, ist bei den katholischen und auch evangelischen Gemeinden angekommen.

Er wolle seine Gemeindemitglieder bitten, zu überlegen, ob sie Flüchtlinge aufnehmen könnten. Doch auf keinen Fall „will ich Druck aufbauen“, sagt Pfarrer Thomas Höhle vom katholischen Pfarramt Templin, zuständig auch für die Gemeinden in Zehdenick und Mildenberg. Er habe die Worte des Papstes als moralischen Aufruf verstanden, denn schon in der Bibel sei von Barmherzigkeit die Rede. Doch in seinen Pfarrhäusern sei kein Wohnraum frei. Und einfach eine Garage zu räumen oder den Pfarrraum zu belegen, das gehe nicht. Denn die Flüchtlinge müssten mit eigenem WC und Küche richtig wohnen können.

Referentin Katrin Schmidt von der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde in Oranienburg freut sich über den Aufruf des Papstes und darüber, dass das Bistum Berlin gleich mit einer Rundmail reagiert hat. Darin bittet Prälat Tobias Przytarski die Gläubigen, zu überlegen, wo sie Flüchtlinge aufnehmen können. Er teilt eine Mailadresse mit, unter der die Bereitschaft zur Aufnahme mitgeteilt werden soll. „Das ist ganz wichtig, denn es gehört Mut dazu, einen Fremden in sein Haus zu lassen. Dabei wollen wir die Bereitwilligen unterstützen“, sagt Katrin Schmidt. Sie kennt eine Familie in Borgsdorf, die einen Syrer aufgenommen hat. Und sie selbst überlegt jetzt mit ihrer Familie, dies ebenfalls zu tun. Denn eines ihrer Kinder verlässt für ein halbes Jahr das Elternhaus, da werde ein Zimmer frei. Die Herz-Jesu-Gemeinde in Oranienburg bietet seit Eröffnung des Heimes in Lehnitz einmal im Monat einen offenen Kaffeenachmittag im Gemeinderaum an der Augustin-Sandtner-Straße in Oranienburg an. Dort seien viele persönliche Kontakte zwischen Gemeindemitgliedern und Flüchtlingen entstanden. Häufig kämen Flüchtlinge auch in den sonntäglichen Gottesdienst. „Um ihnen ein bisschen Heimat zu geben, lassen wir das Evangelium von ihnen selbst in englisch und französisch lesen“, erzählt Schmidt.

Pfarrer Norbert Pomplun der Gemeinde St. Hildegard im Erzbistum Berlin, auch zuständig für die Orte Zühlsdorf, Mühlenbeck mit Summt, Schildow, Glienicke/Nordbahn, Schönfließ und Hohen Neuendorf mit Stolpe und Bergfelde, teilt mit, dass sich seine Gemeinden schon lange für Flüchtlinge engagieren. Zugleich plane man, Flüchtlingsfamilien in einigen der Pfarrhäuser unterzubringen. Zudem werde er die Gemeindemitglieder aufrufen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Der Hennigsdorfer Pfarrer Ferdinand Yago Canto der Gemeinde „Zu den heiligen Schutzengeln“ berichtet, dass die Gemeinde schon länger irakische Flüchtlingsfamilien betreue, die in der Stadt Fuß gefasst hätten. Jetzt überlege man, wo man weitere Flüchtlinge unterbringen könne.

Vor der evangelischen Kirche in Velten ist seit Jahren ein Stoffbanner zwischen Bäumen gespannt mit der Aufschrift „Schützt Fremde“. Pfarrerin Ute Gniewoß sagt: „Wir haben schon seit 20 Jahren eine Wohnung für Menschen in Not. Lange bevor der Papst aufgerufen hat, brachten und bringen wir Flüchtlingsfamilien bei uns unter.“

Für den evangelischen Kirchenkreis im oberen Havelland erklärt Pfarrer Friedemann Humburg: „Mit unseren 3000 Gemeindemitgliedern machen wir den Aufruf des Papstes auch zu unserer Sache und schieben diese Aufgabe nicht nur der Politik zu. Unsere Mietobjekte sind alle belegt. Doch wir können eventuell eine Familie in einer Einliegerwohnung eines Privathauses unterbringen. In den Kirchenliegenschaften müssen wir erst Umbauten vornehmen.“

Von Marion Bergsdorf

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