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Oberhavel "Es geht für die Angeklagten um viel"
Lokales Oberhavel "Es geht für die Angeklagten um viel"
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00:18 25.10.2013
Die Mutter des Ex-Freundes von Maike Thiel soll ihren Sohn zum Mord angestiftet haben. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin/Leegebruch

Die für Dienstag angekündigte Einlassung der beiden Angeklagten zu ihren persönlichen Verhältnissen fiel kurz aus. „Wir haben bisher drei Fassungen abgesprochen, haben uns dann aber entschieden, heute nichts zu sagen“, sagte der Verteidiger von Christine Sch., Hendrik König. Christine Sch. steht gemeinsam mit ihrem Sohn Michael seit dem 13. Mai vor dem Landgericht Neuruppin, sie wegen Anstiftung zum Mord. Sie soll ihren Sohn und einen Bekannten dazu bewegt haben, am 3. Juli 1997 die damals 17-jährige hochschwangere Maike Thiel umzubringen. Motiv: Sie wollte verhindern, dass ihr Sohn Unterhalt zahlen muss. So sieht es die Staatsanwaltschaft.

Bisher schweigen beide Angeklagte zu den Vorwürfen. Über Christine Sch.s bisheriges Leben war bisher kaum etwas im Prozess zu erfahren. Viel mehr gab auch Michael Sch. am Dienstag über seinen Anwalt nicht preis. Der 34-Jährige wurde in Hennigsdorf geboren, schloss eine Lehre zum Straßenbauer ab. Ein Studium der Sozialwissenschaften brach er ab. Seit 2002 bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Jahr arbeitete er als Betreuer in der Theodor-Fliedner-Stiftung. Im Jahr 2006 wurde seine erste Tochter, 2010 seine zweite Tochter geboren. „Mehr möchte der Angeklagte auf unser Anraten hin nicht sagen“, so Verteidiger Lüder Suling.

Damit wäre das Programm der ersten großen Strafkammer für den Verhandlungstag eigentlich erledigt gewesen. Doch: „Ich rechne mit allem“, sagte der Vorsitzende Richter Gert Wegner, als die Verteidigung weitere Anträge ankündigte. So benannte sie nach einer immerhin sechs Monate laufenden Verhandlung neue Zeugen, die die Unschuld ihrer Mandanten beweisen sollen. So informierte Rüdiger V. am 10. Juli 1997 die Berliner Polizei. Er habe nach einem Aufruf in der Berliner Zeitung die gesuchte Maike Thiel gegen 14 Uhr in der S-Bahn nach Pankow gesehen. Dieser Hinweis ging an die Kollegen in Oranienburg, die erst am Folgetag versuchten, den Zeugen zu erreichen. Ermittlungen wurden dazu nicht durchgeführt, so die Verteidiger.

Am 15. Juli 1997 soll ein Ehepaar die vermisste Maike Thiel in Begleitung eines jungen Mannes in einem Bus in Hamburg gesehen haben. Auch der Busfahrer habe Maike Thiel bei der Polizei auf einem Foto wiedererkannt – ohne jeden Zweifel. Zu einem „strafrechtlichen Alternativgeschehen“ könnten wiederum Angehörige eines im vergangenen Jahr gestorbenen Mannes etwas sagen, so Verteidiger Michael Böcker. Demnach sollen ihm zwei Männer berichtet haben, sie hätten Maike Thiel angefahren und sie anschließend in einen Kanalschacht zwischen Hennigsdorf und Velten geworfen.

Für großes Gelächter auf Seiten der Nebenkläger sorgte die Begründung, warum eine Grundschullehrerin aus Leegebruch als Zeugin geladen werden soll. Sie habe im September 1998 den Bruder von Maike Thiel beobachtet, wie er „mit großer Brutalität“ gegen einen Mitschüler vorgegangen sei. Das habe „sadistische Ausmaße“ gehabt. Was das mit dem Verschwinden seiner Schwester zu tun haben soll, blieb allerdings am Dienstag ungeklärt. „Es ist keineswegs lustig“, sagte Verteidiger Böcker zur Reaktion der Familie. Er wisse, dass es von ihrer Seite aus emotionsgeladen sei. Aber: „Es geht für die Angeklagten um viel“. Am 4. November wird weiter verhandelt. Dann soll erneut die Polizistin gehört werden, die die Hauptbelastungszeugin Dominique S. vernommen hat.

Von Dagmar Simons

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