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Oberhavel “Es muss etwas passieren“
Lokales Oberhavel “Es muss etwas passieren“
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11:31 04.05.2017
Die Besucher kommen scharenweise in die Gedenkstätte. Die Anwohner sind vom Lärm der Busse genervt. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Seit mittlerweile zehn Jahren wohnt Falko Hoppe in der Straße der Nationen. Das heißt für ihn: Zehn Jahre starke Vibrationen durch Busse, die zur Gedenkstätte fahren, zehn Jahre klirrendes Geschirr, anspringende Alarmanlagen und zehn Jahre Lärm- sowie Geruchsbelästigung durch vor allem Reisebusse, die im Stand den Motor laufen lassen. „Es muss etwas passieren“, sagt er.

In einer Anwohnerversammlung, initiiert vom Kreistagsabgeordneten Axel Heidkamp (Piraten), machten er und weitere Anwohner, die sich seit Jahren ungehört von Gedenkstätte, Stadt und Kreis fühlen, ihrem Ärger etwas Luft – am Ende der Diskussion stand ein Angebot, das Hoffnung macht.

Neues Besucherzentrum unverrückbar

Was fest steht: Das geplante Besucherzentrum, anvisierte Baukosten: 2,7 Millionen Euro, bleibt am „alten“ Standort, wird nicht verlegt. „Wir können den Eingang nicht verlegen“, so Stiftungssprecher Horst Seferens, der mit seiner klaren Aussage vermeintliche Erwartungen verhindern will. „Das kann keine Gesprächsgrundlage sein.“ Anwohner brachten die Idee ins Spiel, um die Besucherströme in eine weniger bewohnte Gegend zu lenken.

Eine pädagogisch sinnvolle Führung durch das ehemaligen KZ ist essenziell für die Gedenkstättenarbeit. Allein deshalb könne der Eingang nicht verlegt werden. Quelle: Marco Winkler

Auch eine Einbahnführung die Straße der Nationen und den Schäferweg entlang, würde den Busverkehr nicht minimieren. Seit gut zwei Jahren sind Stadt und Gedenkstätte im Gespräch über eine mögliche Lösung. Viele Anwohner würden sich beispielsweise eine Asphaltierung der Straße zur Gedenkstätte wünschen. Baustadtrat Frank Oltersdorf meinte, der Straßenausbau wegen Munitionsbelastung hätte Vorrang. „Wir werden uns auf einen Kompromiss einigen müssen.“ Einen Teil eines möglichen Ausbaus müssten die Bewohner der Anliegerstraße dann selbst tragen.

Infrastrukturkonzept der Gedenkstätte überdenken

Laut Falko Hoppe müsse aber endlich ein Anfang gemacht werden. Schließlich sei das Infrastrukturkonzept der Gedenkstätte aus den 1960er Jahren. 1993 wurde es „nur“ überarbeitet, mit der Annahme, bis zu 300 000 Menschen würden die Gedenkstätte im Jahr besuchen. Jetzt sind es an die 700 000. Spekulationen von Axel Heidkamp, es könnten perspektivisch bis zu eine Million sein, wies Horst Seferens als „Panikmache“ entschieden zurück.

„Aber das Konzept muss überdacht werden“, so Anwohner Christian Wollank, der seit fünf Jahren hier lebt. „Der Verkehrsplan war nicht Gegenstand des Konzeptes“, so Horst Seferens. Auch Oranienburgs Bürgermeisterkandidat Heiner Klemp (Grüne) fordert eine Überarbeitung des Konzeptes.

Ein runder Tisch, der Lösungen erarbeiten will

Frank Oltersdorf brachte eine kleine Erleichterung: Er schlug vor, dass sich im Sinne einer besseren Besucherführung Stadt, Kreis, Gedenkstätte und Oberhavel Verkehrsgesellschaft an einen Tisch setzen werden. Diskutiert werden wird auch ein Zugang über den Heinrich-Grüber-Platz, entlang des Finanzamtes. Mit ersten Gesprächsresultaten können Anwohner voraussichtlich in frühestens sechs Monaten rechnen. Die Anwohner sind erst einmal froh: Sie finden wieder Gehör.

Der bisherige Streit um eine bessere Busanbindung, da die Busse regelmäßig überfüllt sind, steht derweil still. Sogar Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) schaltete sich ein, forderte eine Lösung, eine erneute Zählung. „Noch gibt es keine Informationen, wer beauftragt werden soll“, informierte Stefan Reinsberg von der Kreisverwaltung. Was nicht passieren wird: Eine Verlängerung der Buslinie 824. Das schließt die Oberhavel Verkehrsgesellschaft komplett aus. Grund: Es wäre die teuerste Variante, die zusätzliche Busse und weiteres Personal erfordere.

Von Marco Winkler

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