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Verführungen in digitalen Welten

Experten sprachen über Kinder- und Jugendschutz in sozialen Medien Verführungen in digitalen Welten

Wie können Jugendliche soziale Medien sicher nutzen? Über diese Frage diskutierten jetzt die Teilnehmer der Konferenz "Kinder- und Jugenmedienschutz" an der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg.

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Quelle: dpa

Oranienburg. Eine junge Frau verbreitet eine Selbstaufnahme von sich, das sie am Ort eines soeben geschehenen Selbstmordes zeigt - nur eines von vielen beschämenden Bildern, die in sozialen Medien kursieren.

Wie können Jugendliche soziale Medien sicher nutzen? Und wie lassen sich Jugendliche vor kompromittierenden oder entwürdigenden Bildern schützen? Darüber diskutierten am Donnerstag in der Fachhochschule der Polizei Brandenburg die Teilnehmer der Konferenz "Kinder- und Jugendmedienschutz".

Mehr als 90 Prozent aller Teenager hätten bereits einmal Bilder versandt oder weitergeleitet, die sie selbst oder andere nackt oder halbnackt zeigen, so Dozent Frank Robertz. Kursierten diese Nacktaufnahmen erst einmal im Netz, sei die Gefahr, dadurch später berufliche Nachteile zu haben, groß. "Jugendliche müssen lernen, was sinnvoll ist zu posten und was nicht", sagt der Professor für Kriminologie und Sozialwissenschaften.

Zwar nutzen mehr als 80 Prozent aller Jugendlichen eine sogenannte Privacy Option, eine Möglichkeit, Fotos und Inhalte nur an Freunde freizugeben. Doch auch das ist nach Einschätzung Robertzs keine echte Sicherheitsgarantie: "Wenn nur zwei Freunde diese Bilder weiterleiten, haben wir einen Schneeballeffekt." Robertz empfiehlt deshalb, Jugendlichen möglichst konkrete Ratschläge zu geben, was sie von sich preisgeben und was nicht: "Veröffentliche nur so viel, wie du einem beliebigen Menschen auf der Straße erzählen würdest."

Eine wachsende Gefahr ist auch Cybermobbing, das anhaltende Verbreiten beleidigender Inhalte, erniedrigender Fotomontagen oder kompromittierender Filme über soziale Medien. Im vergangenen Jahr waren nach Einschätzung der Forscher 16,6 Prozent aller Jugendlichen bereits einmal Opfer solcher Mobbingattacken geworden. "Das ist eine relevante Größe", sagt Robertz. Allerdings hatten mehr als ein Drittel der Täter bei einer Befragung zu ihren Motiven angegeben, aus bloßer Langeweile oder "nur zum Spaß" gemobbt zu haben. "Da haben wir eine relativ hohe Chance, mit Prävention etwas zu erreichen", so der Kriminologe.

Nach Einschätzung des Kriminologen Thomas-Gabriel Rüdiger reichen die bisherigen Regelungen zum Kinder- und Jugendmedienschutz nicht aus. Altersangaben und selbst Gütesiegel auf Online-Spielen gäben keine ausreichende Sicherheitsgarantie. Zwar zeigen solche Angaben an, dass ein Online-Spiel keine gewalttätigen oder pornografischen Inhalte hat. Völlig ungeschützt sind jedoch die mit einem Spiel verbundenen Kommunikationsmöglichkeiten. So können Pädophile Spiele nutzen, um potenzielle Opfer kennenzulernen. Über 0900-Nummern können Kinder zudem zu teuren Einkäufen verleitet werden.

Rüdiger hat sich in seiner Forschung auch mit dem Cybergrooming beschäftigt, dem Nutzen sozialer Medien zur Anbahnung sexueller Kontakte speziell mit Minderjährigen. Zwischen 2012 und 2103 hat sich die Zahl entsprechender Delikte dramatisch erhöht ‒ um mehr als 50 Prozent. Täter nutzen das Netz, um Kinder zu treffen oder die Freigabe weiterer Fotos zu erpressen. In Brandenburg forderte das Cybergrooming nach Angaben Rüdigers bereits ein erstes Todesopfer. Eine 13-Jährige aus Eichwalde wurde von ihrer Internetbekanntschaft ermordet.

Allein Aufklärung, so Rüdiger, könne helfen. "Nur informierte Eltern können ihre Kinder begleiten." Allerdings weiß auch Rüdiger, dass die allermeisten Eltern mit dieser Aufgabe schlichtweg überfordert sind - Kinder bewegen sich in digitalen Welten, die den meisten Eltern nicht mehr vertraut sind.

Von Frauke Herweg

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