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Oberhavel Familie Minge oder vom Glück zu helfen
Lokales Oberhavel Familie Minge oder vom Glück zu helfen
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00:18 30.12.2017
Zahntechniker Tibor Minge mit der peruanischen Zahnärztin Dr. Alinda und einer Patientin in der Zahnklinik. Quelle: privat
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Curahuasi

Vor zwei Jahren waren sie mitten im Kofferpacken: Stefanie und Tibor Minge aus Oranienburg und ihre Kinder Hanna, Jannes und Ruben. Nach einem ersten einjährigen Einsatz im Hospital Diospi Suyana in 2700 Metern Höhe im peruanischen Hochland im Jahr 2015, kehrten sie ab Anfang 2016 noch einmal für einen Hilfseinsatz zurück. Diesmal für drei Jahre. Eine aufregende Entscheidung für die ganze Familie (MAZ berichtete). Ins Hospital in Curahuasi, das inzwischen zehn Jahre besteht und dessen Arbeit aus Spenden finanziert wird, kommen in der Mehrzahl Menschen der armen Landbevölkerung, meist stark gezeichnet von ihrer harten Arbeit. Die Quechuas sind Nachfahren der Inka. Und seit dem 1. Oktober gibt es noch familiäre Neuigkeiten: die Minges sind nun zu sechst, Ida Klara erblickte das Licht der Welt.

Kinder sprechen schon gut spanisch

Im Moment sind für die „Großen“ gerade Sommerferien. Und es war Weihnachten. Waren sie möglicherweise in Oranienburg? „Als Familie mit vier Kindern ist es finanziell nicht möglich, mal schnell nach Deutschland zu reisen. Wir haben hier ja kein Gehalt, arbeiten ehrenamtlich. Finanziert werden wir durch Spenden aus unserem Freundeskreis der evangelischen Freikirche Oranienburg“, so Tibor Minge. Aber es gehe allen sehr gut, schreibt er auf MAZ-Nachfrage. Hanna und Jannes haben die 6. beziehungsweise 2. Klasse abgeschlossen, könnten sich inzwischen gut im Spanischen verständigen – „oft sind sie schon besser als wir“. Ruben meistert den spanischen Kindergarten. „Er ist der einzige Weiße seiner Gruppe.“

Stefanie Minge arbeitet als Logopädin

Stefanie Minge arbeitete bis zur Geburt von Ida Klara zwei Tage in der Woche, einen als Logopädin in der Schule und den zweiten im Krankenhaus. Hinter mancher Familie lagen sieben Stunden Busfahrt zur Sprachtherapie. Sie behandelt sowohl behinderte Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zum Beispiel nach einem Schlaganfall. „Es war schon traurig und ernüchternd zu sehen, dass die Patienten total hilflos sind, da es keine staatliche Unterstützung gibt“, berichtet Stefanie. Tibor arbeitet die ganze Woche im Dentallabor, der Zahnklinik des Hospitals. „Aus fast allen Bundesstaaten kommen die Menschen, um sich helfen zu lassen. Das Auftragsbuch ist schon bis März 2018 mit Prothesen ausgebucht.“

Tagtäglich mit Problemen zu kämpfen

Inzwischen ist mehr als die Hälfte ihres Einsatzes vorbei: „Uns kommt es so vor, als wenn die Zeit hier noch schneller rennt. Das liegt bestimmt an der Höhe“, sagt Tibor Minge scherzhaft. Aber sicher auch daran, „dass wir tagtäglich mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen haben.“ Mal sei es eine geplatzte Wasserleitung, mal ein verstopftes Fäkalienrohre, mal gebe es keinen Strom, mal kein Trinkwasser oder das Dach ist undicht. Und da es so gut wie keine Handwerker gebe, heißt es: Selbst ist der Mann! „Und das passiert alles neben dem normalen Alltagswahnsinn in einer sechsköpfigen Familie.“

Rückkehr nach Oranienburg für Ende 2018 geplant

Freizeit bliebe da wenig, „aber die verbringen wir als Familie in unserem Garten, gehen zum Fluss, um dort ein Picknick zu machen und zu schwimmen“, schreibt Tibor Minge. „Oft sind wir auch auf dem Hospitalgelände am Wochenende.“ Dort könnten die Kinder ungestört Fahrrad fahren. Man treffe sich mit Familien aus dem Dorf zu Kaffee und Kuchen. Highlight sei immer eine Fahrt in die zweieinhalb Stunden entfernte Stadt Cusco. Kontakt haben die Minges stets via Internet nach Hause. „Wir werden, so Gott will, bis Ende 2018 am Hospital arbeiten und dann nach Oranienburg zurückkehren“, schaut Tibor nach vorn. Manchmal träumten sie sich in den Schlosspark. „Aber im Moment sind wir glücklich über unsere Ehe, unsere gesunde Familie und auch damit, mit wenig zufrieden zu sein. Wir leben unseren Glauben!“

Geht in Erfüllung, was sie sich von ihrer Mission erhofft hatten? „Zu 100 Prozent, denn wir wollten mit unseren Begabungen und Berufen den Armen und Kranken helfen, denen sonst keiner hilft.“

Von Heike Bergt

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