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Familie forschte zu Meseberger Gemälde

Ein Paar mit 17 Kindern Familie forschte zu Meseberger Gemälde

Das Gemälde von 1588 in der Dorfkirche in Meseberg zeigt ein altes Adelsgeschlecht. Die Nachfahren der Familie von der Groeben befassten sich mit der Geschichte des Votivbildes. Die Restauratorin äußert sich zur Zukunft des Gemäldes.

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Das Votivbild der Familie von der Groeben in der Kirche Meseberg.

Quelle: Fritz Hermann köser

Meseberg. Der Anblick war erschütternd. Extrem besorgniserregend, so erschien der Zustand des Gemäldes. Der Zahn der Zeit hatte kräftig an ihm genagt. Feuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen hatten ihm schwer zugesetzt in dem morschen Gemäuer der damals noch unsanierten Meseberger Dorfkirche, entsprechend viel Farbe war bereits abgeblättert. „Da war jahrhundertelang nichts passiert“, erinnert sich Gert von der Groeben.

Seine Familie beschloss, zu handeln. Sie wollte das Werk, das 1588 gemalt worden war, unbedingt retten. Gert von der Groeben kümmerte sich um die Durchführung der Aktion, die familieneigene Stiftung steuerte einen wesentlichen Geldbetrag bei. Weitere Mittel stammten von der Messerschmitt-Stiftung, die schon das Schloss Meseberg restauriert hatte. Der 71-Jährige hat eine starke Affinität zur Kunsthistorie. „Mein Steckenpferd“ so das Vorstandsmitglied und der ehemalige Vorstandvorsitzende der Mart-Stam-Gesellschaft. Der Verein fördert Studenten der Kunsthochschule Weißensee.

Gut eineinhalb Jahre dauerten die Arbeiten der dänischen Diplom-Restauratorin Greta Andersen-Bergdoll. Im Mai 2015 erstrahlte das Bild endlich in neuem Glanz. Das imposante Ölgemälde, 315 Zentimeter hoch, 550 Zentimeter breit, ist den von der Groebens, einem ehrwürdigen Adelsgeschlecht, sehr wichtig. Schließlich stellt es ein bedeutendes Stück ihrer Geschichte dar. Es zeigt Ludwig von der Groeben (1529 bis 1601) samt Ehefrau Anna und ihren Nachwuchs. Eine Inschrift unter dem Gemälde nennt sämtliche Namen. Mutter, Vater, 17 Kinder. „Alle stammen aus einer Ehe“, so Gert von der Groeben.

Die männlichen Nachkommen stehen links von Ludwig, augenscheinlich hatten sie sich nach Alter und Größe in einer Reihe aufgestellt. Ganz rechts steht Anna von Oppen mit vier Töchtern, ebenfalls nach Alter und Größe platziert. Drei der Jungen, Kleinkinder mit auffallend blassen Gesichtern, tragen auf ihren weißen Hauben ein schwarzes Kreuz. Sie waren bereits verstorben. Alle Abgebildeten blicken den Betrachter an.

Zudem sind Landschaften und biblische Motive zu sehen, als Gemälde im Gemälde. Eines zeigt den Sündenfall im Paradies, ein weiteres die Auferstehung Christi. Im oberen Drittel des Bildes öffnet sich der Raum zu einem Himmel. Rechts Gott, links Jesus, umgeben von Engeln und Putten. Bemerkenswert, findet Pfarrer Tobias Ziemann. Für ihn blickt Gott sorgenvoll auf die Erde, während ein recht optimistisch wirkender Jesus ihn bittet, den Glauben an deren Bewohner nicht zu verlieren. „Er tritt für uns Menschen ein“, sagt er.

Ein Votivbild. Solche Bilder stifteten Gläubige einem Heiligen als Dank für dessen Beistand. Was nun Ludwig von der Groeben zu seinem Auftrag an den Maler veranlasst hat, und warum ausgerechnet diese biblischen Motive gewählt wurden, weiß Gert von der Groeben nicht. Es gebe keinerlei Dokumente zu diesem Werk. Auch der Künstler sei unbekannt.

Doch das Gemälde ist mehr als nur ein Familienporträt. Schon wegen seiner bloßen Dimension sei es ein absolutes Unikat, sagt Gert von der Groeben. „Es ist das Größte seiner Art in Deutschland“, sagt Greta Andersen-Bergdoll. Die meisten Votivbilder seien kleiner und kommen eher in den katholisch geprägten Gegenden Süddeutschlands vor, so die Restauratorin weiter. Sie sorgt sich um das Gemälde, würde es lieber in einem Museum sehen. Die Kirche sei zwar renoviert, aber es fehle eine Heizung. Wenige Monate nach der Restaurierung des Bildes hatte sie Verwerfungen in der Leinwand feststellen müssen, wegen starker Temperaturschwankungen. „Langfristig droht ein Abblättern der Farbschichten“, fürchtet sie.

Brandenburg und die von der Groebens, beide seien eng verwurzelt, erklärt Christian von der Groeben, ein Cousin von Gert. Von der Gegenwart bis zum Mittelalter lasse sich die Geschichte nachvollziehen, von Generation zu Generation, ohne Unterbrechung. Außer Ludwig trugen noch weitere bekannte Persönlichkeiten den Namen von der Groeben. Wilhelm Ludwig von der Groeben etwa hatte zurzeit Friedrich des Großen das Amt des obersten Beamten in Preußen inne. Nach dem Krieg war Hans von der Groeben (1907 bis 2005), der Vater von Gert, einer der Initiatoren der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Die Ursprünge der Familie sollen im Raum Magdeburg und in Brandenburg liegen, so Christian von der Groeben. 1140 wurden seine Vorfahren erstmals urkundlich erwähnt, Bis 1723 gibt es in der Mark viele Spuren und Hinweise auf die Familie, so der 75-Jährige. Etwa das Familienwappen am Brandenburger Dom. Oder das heutige Schloss Meseberg. Das Rittergut gehörte von 1526 bis 1721 der Familie. Auch Ludwig von der Groeben war Eigentümer. Als Geheimer Rat und Oberkämmerer diente er dem Brandenburgischen Kurfürsten. Zudem war er Amtshauptmann. „Er galt als wohlhabendes und arriviertes Mitglied des kurfürstlichen Staates“, so Christian. Nachdem das alte Herrenhaus in Meseberg im März 1721 abgebrannt war, ließ Graf Hermann von Wartensleben ab 1736 das heutige Schloss errichten. Das Anwesen hatte Ehefrau Dorothea, geborene von der Groeben, mit der Heirat in seine Familie eingebracht.

Der „märkische Stamm“ erlosch 1806. Mit dem deutschen Orden war ohnehin der Großteil der Familie ins damalige Ostpreußen gezogen, ließ sich dort im 15. Jahrhundert dauerhaft nieder, so Christian von der Groeben.

Christian wohnt in der Nähe von Würzburg, nach Meseberg zieht es ihn daher eher selten. Für Cousin Gert hingegen ist der Ort von seinem Heimatort Berlin aus leicht erreichbar. Im Schloss waren beide das letzte Mal vor der Renovierung. Seit es Gästehaus der Bundesregierung ist, kennen sie das Gebäude nur von außen. Bei unserem Familientreffen im vergangenen Jahr wurde uns der Einlass verwehrt, sagt Christian von der Groeben. Aus Sicherheitsgründen.

Für das Bild würden die beiden Cousins sich einen noch viel prominenteren Ort wünschen, nämlich das Deutsche Historische Museum in Berlin. Doch daraus wird wohl nichts, das Gemälde gehört der Kirche. Die hat es immerhin mit einem anständigen Rahmen versehen. Dennoch, eine Reproduktion täte es auch für das Meseberger Gotteshaus, findet die Restauratorin. Greta Andersen-Bergdoll: „In einem Museum könnten es viel mehr Leute betrachten“.

Von Fritz Hermann Köser

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