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Faszination von Fontanes Schlössern

Hoppenrade/Liebenberg Faszination von Fontanes Schlössern

Es war ein sehr aufschlussreiches Unterfangen, in die Geschichte abzutauchen und dabei neue Geschichten zu entdecken. Robert Rauh und Erik Lorenz haben es versucht und sind selbst erstaunt, wie viel Neues sie über die alten Schlösser zusammengetragen haben.

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Vor vielen Jahren machte Robert Rauh bereits Bekanntschaft mit dem Schloss Hoppenrade.

Quelle: Uwe Halling

Liebenberg/Hoppenrade. Der eine ist Lehrer und Seminarleiter in Berlin sowie Autor und Herausgeber von Geschichtslehrbüchern. Der andere arbeitet als Konzeptioner und Drehbuchautor in einer Agentur für digitale Medienproduktion in Mönchengladbach und ist Autor zahlreicher Bücher. Robert Rauh und Erik Lorenz. Beide haben sich zusammengetan, um ein ziemlich anspruchsvolles Projekt anzugehen. Sie wandeln dabei auf den Spuren von Theodor Fontane. Ihnen hat es das Buch „Fünf Schlösser“ angetan, in dem Fontane die Häuser in den Oberhavel-Orten Hoppenrade und Liebenberg sowie in Plaue, Quitzöbel und Dreilinden beschrieb. Mit dem Buch habe der Schriftsteller den fünf Herrensitzen und seinen Bewohnern Ende des 19. Jahrhunderts ein literarisches und historisches Denkmal gesetzt. Und zu Beginn des 21. Jahrhunderts, also 125 Jahre nach der Veröffentlichung der Erstausgabe im Jahr 1889, recherchierten die beiden Herren für ihr Buch „Fontanes Fünf Schlösser“ über die Geschichte der Häuser nach dem Erscheinen des Fontane-Buches. Sie machten sich auf den Weg, die Schlösser aufzusuchen und ihre heutigen Bewohner und Nutzer zu treffen.

„Mit der Räuberleiter sind wir rein“

Die Idee zu dem Buch hatte Robert Rauh. „Ich stieg 1990 oder 1991 mit einem Freund in das Schloss Hoppenrade ein. Das hätte ich damals natürlich nicht zugegeben. Da waren der Konsum und die Kneipe bereits ausgezogen. Das Gebäude stand leer. Mit der Räuberleiter sind wir rein. Ich kannte das Schloss, weil meine Eltern in Gutengermendorf ein Wochenendgrundstück besitzen und wir immer nach Hoppenrade spazierten.“ Einem ehemaligen Schüler zeigte er vor einigen Jahren das Schloss Hoppenrade: Erik Lorenz, der inzwischen Autor von Reiseliteratur ist und mehrere Bücher herausgebracht hat (allerdings mehr über asiatische Länder). „Brandenburg?“, lautete damals seine skeptische Frage. Dennoch willigte er ein. Robert Rauh übernahm den Part „historische Exkurse“, Erik Lorenz den der „Reisebeschreibung“. Beide begannen zu recherchieren. Die Reaktionen der Schlossherren seien durchweg positiv gewesen, als sie vor der Tür standen. Ihnen wurde Einlass gewährt. „Das ist nicht selbstverständlich, denn die Besitzer bekommen viele Anfragen. Aber im Zusammenhang mit Fontane war wohl noch niemand dabei“, glaubt Robert Rauh. Einen Favoriten unter den fünf beschriebenen Schlössern hat er nicht (Dreilinden existiert nicht mehr). „Von allen geht eine Faszination aus. Hoppenrade und Liebenberg strahlen jedoch, weil sie saniert sind.“ Das frühere luxuriöse Inventar und die großzügige Raumaufteilung sind das, was Robert Rauh in den Bann zieht. Und die Menschen, die in den Häusern residierten, welche politische oder wirtschaftliche Bedeutung von ihnen ausging. „Wer Geschichte machte.“ Auch die Zäsuren, die Brüche, die die Schlösser erfuhren, erweckten die Aufmerksamkeit der Autoren. Einerseits nach 1945, als die Häuser in Volkseigentum übergingen, und dann nach der Wende. Pfarrer Gerhard Gabriel erzählte den Autoren, wie er im Dezember 1989 den Sturm auf das Seehaus verhinderte – und von seiner Idee, dem Ehepaar Honecker Asyl in Liebenberg zu gewähren.

Die Autoren schließen Lücken

Robert Rauh und Erik Lorenz suchten bei ihren Recherchen nach Fakten, die noch nicht bekannt waren. „Wir schließen Lücken in der wechselvollen Geschichtsschreibung der Häuser und ihrer Bewohner. Und zeigen historische wie aktuelle Bilder“, so Robert Rauh.

Über die Schlösser schreibt das Autorenteam: „Diese fünf Schlösser sind eine Parabel für die Vergänglichkeit der Dinge – eine Parabel ohne Melancholie, denn die Orte, die wir besuchen, haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren. Mit ihrer spannungsreichen Geschichte faszinieren sie auch heute noch – durch morbiden Charme oder neuen Glanz.“ In diesem Monat erscheint das Buch. Am 10. September 2017 wird Robert Rauh in Hoppenrade sein, um anlässlich der 750-Jahr-Feier des Ortes aus dem Buch, das derzeit in Druck ist, vorzulesen.
http://www.fontanes-schlösser.de

Von Stefan Blumberg

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