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Oberhavel Feuerwehr geht gegen rechte Kameraden vor
Lokales Oberhavel Feuerwehr geht gegen rechte Kameraden vor
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00:17 31.01.2016
Stadtbrandmeister Heiko Nägel zeigte kürzlich sein „Herz“ für Flüchtlinge. Quelle: Foto: Stadt Velten
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Velten

Die Feuerwehr der Ofenstadt hat nach MAZ-Informationen Mitglieder mit rechter Gesinnung in ihren Reihen. Es handelt sich um mindestens drei Personen, die der Redaktion namentlich bekannt sind. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, so ein Feuerwehr-Insider. Er fordert, zwei oder drei der Männer zu suspendieren. „Dann wäre schon eine Menge erreicht.“

Feuerwehrmann schreibt über die BRD GmbH

Auf Facebook hatte sich ein Veltener Feuerwehrmann eindeutig geäußert. Unter einer Statistik, die die Straftaten von Islamisten sowie Links- und Rechtsextremen ins Verhältnis setzte, schrieb er: „Die Statistik ist doch so geschrieben (gefälscht) von der ARD wie es die Marionetten der BRD GmbH wollen.“ Der Begriff „BRD GmbH“ fußt auf der Verschwörungstheorie, dass Deutschland kein souveräner Staat sei, sondern eine Firma – und das Deutsche Reich nach wie vor existiere. In der rechtsextremen Szene ist die Theorie verbreitet. Dem Mann gefallen bei Facebook auch die Gruppen „Deutsch sein ist kein Verbrechen“, „Nein zum Heim in Oranienburg“, „Ein Licht für Deutschland gegen Überfremdung“ und „Pegida“.

„Die Wehrleitung nimmt die Sache zum Anlass, mit den genannten Kameraden ein ernsthaftes Gespräch zu führen“, erklärt Heiko Nägel, Veltens Stadtbrandmeister. Er verweist darauf, dass er selbst sich für die Aktion „Velten zeigt Herz“ fotografieren ließ. Mit der Brandenburgweiten Aktion zeigen viele Veltener Solidarität mit Flüchtlingen. Die Feuerwehr agiere politisch neutral, stellt Nägel klar. „Extremismus jeder Art können wir nicht gutheißen, widerspricht er doch dem Grundanliegen der Feuerwehr: dem Dienst am Menschen.“

Kreisbrandmeister: Äußerungen sind kein Strohfeuer

„Die getätigten Äußerungen entsprechen in keiner Weise dem humanistischen Grundanliegen unserer ehrenamtlichen Tätigkeit“, sagt auch Kreisbrandmeister Frank Kliem. Solche extremen Meinungsäußerungen dürfe man nicht als „Strohfeuer“ abtun, sie seien aber auch keine „Katastrophe“. „Insbesondere dann, wenn wir uns frühzeitig und offen den Brandursachen stellen.“ Die Reaktion der Veltener Wehrführung, mit den Männern das Gespräch zu suchen, sei angemessen.

Die Freiwilligen Feuerwehren seien ein Spiegelbild der Gesellschaft, so Kliem. Dazu gehöre, dass der kontrovers geführte Diskurs zum Thema Flüchtlinge nicht spurlos an den Kameraden vorbei gehe. „Ich nehme in den Diskussionen auch Bedenken, Unsicherheiten und Befürchtungen wahr, denen es sich offen zu stellen gilt“, so Kliem. Töricht wäre es, einfache Antworten und polemische Kommentare, etwa in den sozialen Netzwerken, unwidersprochen stehen zu lassen. „Sich dem entgegenzustellen und deutlich zu machen, dass unsere Grundhaltung auf demokratischen Grundwerten beruht, ist eine zentrale Aufgabe meiner Führungskräfte.“

Auf die Frage hin, ob die drei betroffenen Feuerwehrleute im Einsatz alles geben würden, auch wenn es dabei um Hilfe für Flüchtlinge ginge, antwortet Stadtbrandmeister Heiko Nägel eindeutig. „Unsere Kameraden geben in jedem Einsatz alles. Dessen bin ich mir sicher“, so Heiko Nägel.

Vorfälle in der Feuerwehrschule

Der Fall in Velten ist nicht der erste, bei dem die Feuerwehr mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert wird. So ist es in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt im September zu rechtsextremen Entgleisungen am Rande eines Lehrgangs gekommen sein. Einige Feuerwehrleute riefen „Sieg Heil“ und hörten rechtsextreme Musik.

Der Ausbilder soll sich außerdem an Nazi-Rhetorik bedienen. Um den Unterschied zwischen haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten zu verdeutlichen, soll der Lehrer die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr als „Volkssturm“ bezeichnet haben.

Von Marco Paetzel

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