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Feuerwehrchef: „Führerscheinentzug! Am besten für Jahre“

Rettungsgasse Feuerwehrchef: „Führerscheinentzug! Am besten für Jahre“

Nach dem schweren Lkw-Unfall auf der A 10 bei Birkenwerder dieser Tage plädiert nicht nur der Einsatzleiter der Feuerwehr, Steffen Schönfeld, für harte Strafen.

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Die Einsatzkräfte hatten beim Unfall auf der A 10 keine leichte Anfahrt.
 

Quelle: Julian Stähle

Birkenwerder.  Der schwere Lkw-Unfall am Dienstagabend auf der A 10 bei Birkenwerder sorgte nicht nur für zwei Schwerverletzte und die zeitweise Vollsperrung der Autobahn. Auch die fehlende Rettungsgasse und das Verhalten von sogenannten Gaffern sorgte unter den Rettungskräften sowie bei den MAZ-Lesern für Diskussionen – und Ärger. Gleich drei Lastwagen befuhren die Rettungsgasse und erschwerten das Vordringen der Rettungskräfte zum Unglücksort. Schaulustige behinderten die Helfer und filmten die Unglücksstelle.

„So extrem habe ich das in meiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt“, berichtet Steffen Schönfeld, Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort . So zeigen Videoaufnahmen der Feuerwehr einen Lastkraftwagen, der die Rettungsgasse nutzte, um den Stau zu passieren und damit ein Durchkommen der Feuerwehr unmöglich machte. Die Helfer mussten schließlich ihr Einsatzfahrzeug verlassen und den stehenden Verkehr dirigieren, um ein Durchkommen zu ermöglichen. Dabei zeigten ihnen etliche Fahrer den Stinkefinger, sogar Handgreiflichkeiten wurden angedroht. „Gerade Berufskraftfahrer müssten doch ganz besonders wissen, was in solch einer Situation zu tun ist. Ich habe wirklich Puls gehabt“, merkt man Schönfeld auch Tage nach den Ereignissen den Ärger immer noch an. „Ich war stinksauer und wütend und frage mich in solchen Momenten, was in solchen Menschen vorgeht.“

Immer wieder erlebe er Probleme bei der Bildung einer Rettungsgasse. „Dabei geht es doch da um Grundkenntnisse, die man in der Fahrschule lernt“, meint Schönfeld. „Für mich ist es klarer Vorsatz, die Rettungsgasse zu blockieren. Diese Fahrer behindern mit Absicht die Rettungskräfte, während da vorn vielleicht gerade ein Mensch stirbt.“ Die Ereignisse vom Dienstagabend lassen ihn nicht kalt. „Ich werde diese Thematik auf jeden Fall auf Kreis- und Landesebene ansprechen. Ich hoffe, damit etwas anschieben zu können.“

Aktuell wird das Behindern einer Rettungsgasse lediglich als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von 20 Euro geahndet. Wenn überhaupt die Personalien der Fahrer vorliegen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt plant gegenwärtig eine Erhöhung dieser Strafe auf 115 Euro und einen Punkt.

Eine Bestrafung, die den MAZ-Lesern der Region längst nicht weit genug geht. „200 € und 2 Punkte“, so Franz Willy auf der Facebookseite der MAZ. „Die gewollte Neuregelung ist ein Witz. Fahrverbot und drastische Geldstrafe ist das Einzige, was hilft. Sich am Leid anderer zu ergötzen ist die höchste Form von Unmenschlichkeit“, meint Franz Willy weiter. Jennifer Müller schreibt: „Knast. Sobald ein Stau entsteht, haben die Fahrer die Pflicht, sich an den Rand zu stellen. Machen die Fahrer das nicht, ist das für mich Beihilfe zum Mord. Durch solche rücksichtslosen Menschen sterben geliebte Menschen.“

Ähnlich sieht es Steffen Schönfeld: „Leider ist Geld keine Strafe mehr. Punkte verfallen irgendwann. Da muss ein Führerscheinentzug her. Für mindestens sechs Monate, am besten aber zwei bis drei Jahre“.

Die Ereignisse am Dienstagabend werden für den Lkw-Fahrer, der die Rettungsgasse nutzte, um den stehenden Verkehr zu passieren, wohl nicht einmal Konsequenzen haben. Trotz Videomaterials. „Für die Rettungskräfte lag die Priorität beim Erreichen der Unfallstelle und der Hilfe für die Verletzten. Vor Ort war in dem Moment kein Personal verfügbar, welches die Personalien des Lkw-Fahrers hätte aufnehmen können. Zwar liegt uns das Videomaterial vor, damit aber gerichtsfest zu beweisen, welcher Fahrer der Spedition den Lkw gefahren ist, könnte sehr schwer oder sogar unmöglich werden“, erklärt Schönfeld.

Lesen Sie zu diesem Thema auch die Diskussion der MAZ-Leser auf unserer Facebook-Seite hier:
https://www.facebook.com/MAZOberhavel/posts/1335203969867713

Lesen Sie dazu auch:Die Rettungsgasse richtig bilden

So steht es im Gesetz

So steht es im § 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung: „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen... für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen... eine freie Gasse bilden.“

Von Nadine Bieneck

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