Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Eltern entsetzt: Figur von Baby-Grab gestohlen
Lokales Oberhavel Eltern entsetzt: Figur von Baby-Grab gestohlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 15.01.2018
Von Friedhöfen in Oranienburg und den Ortsteilen wird immer öfter Grabschmuck entwendet Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Die jungen Eltern sind fassungslos. Alle zwei Tage kommen sie zum Grab ihres Kindes, dem nur ein zehn Wochen langes Leben beschieden war. Gestorben war es im November letzten Jahres. „Aller zwei Tage zünden wir eine neue Kerze auf dem Grab auf dem Oranienburger Friedhof an“, so Vater Willy Kunze. Und als wenn sie nicht schon genug Sorgen und Trauer hätten, mussten sie am Freitag vergangener Woche feststellen, dass ein Schneemann von der Grabstelle verschwunden war.

„Etwas vom Grab eines Kindes zu nehmen, ist doch das Allerletzte“

„Wir haben die kleine Grabstelle mit Grün abgedeckt. Viele haben als Anteilnahme etwas dazugestellt. Zur Erinnerung“, so Willy Kunze. Der Schneemann stammte von seiner Mutter, der Oma des kleinen Kindes. Alles sei liebevoll dekoriert gewesen. „Etwas vom Grab eines Kindes zu nehmen, ist doch das Allerletzte“, erzürnt er sich. Es sei ja nichts von großem materiellen Wert, habe doch aber so große persönliche Bedeutung. „Manche Menschen gehen gar mit ihren Hunden über den Friedhof. Die Menschen haben einfach den Anstand verloren.“

Pietätloser Grabklau keine Seltenheit

Dabei sei pietätloser Grabklau keine Seltenheit. Seine Frau sei in einer Seite „Sternenkinder“ mit anderen Familien vernetzt, die den Tod eines Kindes zu beklagen haben. „Auch sie berichten immer wieder davon.“ Willy Kunze und seine Frau hoffen vor allem, vielleicht noch einmal Eltern werden zu können.

Dass Grableuchten, ganze Gestecke oder Blumen von Gräbern gestohlen werden, „kommt immer mal wieder vor. Hat aber nicht zugenommen“, so Nicole Herzog, zuständig im Tiefbauamt der Stadt für die Friedhöfe. Sie wisse aktuell von drei Fällen, wo von der anonymen Wiese nahe der Kapelle auf dem Oranienburger Friedhof in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße Blumen abhanden gekommen sind. Eine Grableuchte gestohlen wurde. Auch im Frühjahr, wenn die Frühjahrsbepflanzung erfolge, bediene sich immer mal wieder jemand beim Nachbarn. Wenn so etwas passiere, dann in Oranienburg oder auf den Friedhöfen der Ortsteile Friedrichsthal, Sachsenhausen oder Lehnitz, auf denen anderer Ortsteile nicht.

Bei Grabklau: Anzeige erstatten

Da die Grabstellen Privateigentum sind, empfiehlt sie, bei solchen Diebstählen Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Auch sie ärgert sich über solches völlig geschmackloses Verhalten.

Auf dem Hennigsdorfer Waldfriedhof hatte sich im Mai 2017 Ähnliches abgespielt. Eine junge Frau hatte dort einen vergoldeten Engel aus Porzellan auf das Grab ihres Vaters gestellt. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk für den Verstorbenen sein. Doch Unbekannte stahlen den Engel in den folgenden Tagen von dem Grab. Wieder aufgetaucht ist er bis heute nicht, sagt die betroffene Hennigsdorferin.

Laut der Pressestelle der Polizeidirektion Nord kommt es immer mal wieder vor, dass sich Unbekannte auf Friedhöfen zu schaffen machen. 17 Fälle gab es 2015, ein Jahr später stahlen Unbekannte zwölf- mal etwas von den Orten der letzten Ruhe im Landkreis. Oft sind es Buntmetalldiebe, die Einfriedungen oder Zaunteile von Gräbern abmontieren, um sie dann zu verkaufen. Im April 2016 etwa trugen Unbekannte sogar den Grabstein einer Verstorbenen in Nassenheide vom Friedhof. Auch Blumen werden mitunter von den Gräbern geklaut. So wurden etwa im Juli 2016 auf dem Friedhof in Eichstädt von gleich vier Gräbern Geranien gestohlen.

Es gibt zehn Friedhöfe in Oranienburg. Gesamtfläche: 17 Hektar.

65 Prozent der Bestattungen finden auf dem Friedhof an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße statt.

Zwölf Prozent der Bestattungen sind Erd-, 88 Prozent Feuerbestattungen.

52 Prozent der Beerdigungen sind anonyme Beisetzungen. 460 Beisetzungen gibt es jährlich in der Stadt.

Von Heike Bergt und Marco Paetzel

Kritische Gedanken zum geplanten „Grünen Stadtquartier“: Anwohner der Oranienburger Straßehaben einen Offener Brief an die Stadtverordneten gerichtet.

15.01.2018

Seit 2007 betreibt Norbert Stolley in Kremmen das Lokal „Coldehörn“. Seit mehr als 50 Jahren ist er Koch. Nun hat er ein Buch herausgegeben: „Neeein, sag mir, dass das nicht wahr ist ...“ – mit Erinnerungen und Geschichten.

12.01.2018

Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) ist optimistisch, dass der S-Bahn-Anschluss für Velten bis zum Jahr 2025 gelingen kann. Zudem sollen die Veltener ab 2021 in einem Supermarkt in der Innenstadt shoppen gehen können. Im Gespräch mit der MAZ blickt Ines Hübner auf die großen Zukunftsprojekte.

21.04.2018