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Oberhavel Finanzminister in gläserner Behörde
Lokales Oberhavel Finanzminister in gläserner Behörde
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14:39 15.05.2017
Finanzminister Christian Görke, Finanzamtsvorsteher Michael Fehlauer und BLB-Geschäftsführer Norbert John (von links) vor dem Neubau. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Ihre neue Arbeitsstätte erfordert noch ein wenig Fantasie. 200 Beschäftigte des Finanzamtes Oranienburg haben am Mittwoch den Erweiterungsbau am Heinrich-Grüber-Platz besichtigt. Finanzminister Christian Görke war mit dabei – und lieferte gleich eine Art Rechtfertigung für den Neun-Millionen-Euro-Bau.

Die Behörde konnte 2016 über eine Milliarde Euro an Steuerertrag verzeichnen. Ertrags-, Körperschafts-, Umsatz-, und Einkommenssteuer. „Das sind 14 Prozent der Steuereinnahmen des Landes“, so Görke. „Das Finanzamt Oranienburg ist damit eines der leistungsstärksten in Brandenburg.“

Drei Geschossen? Könnte man von außen vermuten. Es sind aber nur zwei. Quelle: Enrico Kugler

Eine Besonderheit in Oranienburg: Zusammen mit Cottbus teilt sich das Amt die Zuständigkeit für polnische Bauunternehmer und deren Arbeiter. 72 000 Fälle wurden im vergangenen Jahr bearbeitet. „Und es nimmt kein Ende“, so Görke. Ab September soll es eine Entlastung geben: Niedersachsen wird Brandenburg Arbeit abnehmen.

„Wir haben aber noch genug Aufgaben“, so Görke. Deshalb will das Land die Anzahl der Mitarbeiter aufstocken, von derzeit 3280 auf 3420 bis 2018. Und das, obwohl mittlerweile die Hälfte der Anfragen ans Finanzamt in digitaler Form einlaufen.

Etwa 200 Beschäftigte sahen sich ihre neune Räumlichkeiten an. Quelle: Enrico Kugler

In Oranienburg ziehen die Mitarbeiter der drei Außenstellen im Stadtgebiet und drei weiterer Standorte Anfang 2018 in den Erweiterungsbau. Die Kompetenzen sollen damit gebündelt, die Kommunikation vereinfacht werden. „Allein die Transportwege waren ein Problem“, so Michael Fehlauer, Vorsteher des Finanzamtes. Die Insolvenz einer Baufirma verzögerte denn Einzug um etwa ein halbes Jahr.

Der moderne Bau steht dabei im Kontrast zum alten Haus, dem T-Gebäude, in dem während der NS-Zeit die zentrale Verwaltungs- und Führungsbehörde für alle Konzentrationslager untergebracht war. Ein historischer Ort.

Noch viel Arbeit wartet auf die Baufirmen. Quelle: Enrico Kugler

Die Architektur des neuen Gebäudes sollte keine Nachahmung sein, sondern sich klar abgrenzen. „Ein Nazi-Terror-Gebäude zu erweitern, das verbietet sich einfach“, so Norbert John, Geschäftsführer des Bauherren, des Brandenburgischen Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB). Auch die Denkmalpflege und die Stiftung Bandenburgische Gedenkstätten sprachen sich klar dagegen aus. Nur ein Kellergang verbindet die Häuser.

Der Neubau ist in Passivhausbauweise und nach Nachhaltigkeitskriterien des Bundes entstanden. Architekt Guido Schwark erklärt die ungerade Fassadenführung. Äußerlich wirkt der Glasbau dreigeschossig, in Wahrheit sind es aber nur zwei. „Der Mensch soll sich hier – anders als in der NS-Zeit und im wuchtigen T-Gebäude – nicht klein fühlen.“ Die drei Bauteile wirken dabei für den Betrachter fast wahllos in die Landschaft gestellt – beinahe so als hätte ein Hubschrauber drei Container abgeworfen.

Von Marco Winkler

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