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Finanznot, weil die Enten zu laut schnattern

Hennigsdorf Finanznot, weil die Enten zu laut schnattern

Rund 100 Hühner und Enten, dazu noch mal so viele Kaninchen züchtet Marion Strobach auf ihrem Hennigsdorfer Grundstück in der Tucholskystraße. Weil das ihren Nachbarn stinkt, führt die Klavierlehrerin der Musikschule seit Jahren einen Rechtsstreit. Doch nun gerät sie deshalb in finanzielle Not.

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Marion Strobach hat hunderte Tiere auf ihrem Hof, den Nachbarn stinkt das gewaltig.

Quelle: Paetzel

Hennigsdorf. Auf ihrer Hand locken ein paar Gramm Körner. Sofort watschelt eine Gruppe Enten auf Marion Strobach zu. „Das sind tolle Tiere, sie haben keine Hackordnung, so dass jede fressen darf“, sagt die Hennigsdorferin. Das sei anders als bei den Menschen, wo viele nur an ihr eigenes Wohl denken würden.

Vor gut 20 Jahren begann Strobachs außergewöhnliche Tierliebe. Zunächst mit Kaninchen, im Laufe der Jahre kam immer mehr Geflügel hinzu. Heute hält Marion Strobach etwa 100 Kaninchen und jeweils rund 50 Enten und Hühner sowie vier Puten und etliche Katzen.

Bedingungslose Tierliebe stützt Frau in Finanznot

Beim Pressetermin gurrt, kräht, kratzt es in den unzähligen Holzställen auf Strobachs rund 1300 Quadratmeter großen Grundstück in der Tucholskystraße. Die Frage ist, wie lange noch. Denn Marion Strobachs bedingungslose Tierliebe hat sie in arge finanzielle Not gestürzt.

Seit Jahren tobt ein zäher Rechtsstreit mit ihren Nachbarn, die sich von Lärm und Geruch der Tiere belästigt fühlen. Zudem sollen unter anderem Truthähne auf das Nachbargrundstück ausgebüxt sein, auch Tierkot plage die Familie, die direkt an der Grundstückgrenze ein Haus gebaut hat. „Ich habe bestimmt schon 10 000 Euro in diesen Rechtsstreit investiert, zum Glück trägt meine Rechtsschutzversicherung einen Teil“, so Marion Strobach, die als Klavierlehrerin an der Hennigsdorfer Musikschule ihr Geld verdient.

Die Hennigsdorferin züchtet auf ihrem Hof auch Kaninchen

Die Hennigsdorferin züchtet auf ihrem Hof auch Kaninchen.

Quelle: Paetzel

Dennoch sie sei finanziell am Ende, habe sich Geld von ihrer Mutter Frida leihen müssen. Grund: Laut einem Vergleich des Landgerichts Neuruppin vom Juni 2014 sollte Marion Strobach ihr Geflügel montags bis freitags von 20.30 bis 8 Uhr einsperren, an den Wochenenden und feiertags schon ab 18.30 Uhr. Das sei gerade bei einigen Hühnerrassen aber unmöglich. „Die saßen auf den Bäumen und überall auf dem Grundstück, ich hätte sie niemals alle in den Stall bekommen“, so die Vorsitzende des Berliner Züchtervereins D25. 5500 Euro hat sie wegen der Verstöße gegen die Auflagen schon überwiesen. Dazu kommen für die Alleinstehende monatliche Kosten für die Haltung der Tiere von etwa 500 Euro.

Kompromiss: Hühner sind durchgehend im Stall

Mittlerweile habe Marion Strobach zumindest das Problem mit den Hühnern im Griff, die Tiere seien durchgehend eingestallt und hätten dennoch genügend Auslauf. „Auch das ist aber ein ganz großer Kompromiss“, so die 53-Jährige. Nur mit den rund 50 Enten, die ein größeres Auslaufareal zur Tucholskystraße hin haben, sei das kaum möglich.

Marion Strobach liebt Tiere

Marion Strobach liebt Tiere. Nun ist sie wegen eines Streits mit dem Nachbarn um Federvieh und Kaninchen in finanzieller Not.

Quelle: Paetzel

Doch weitere Zahlungen wegen eines erneuten Verstoßes gegen die Auflagen könne sie nicht mehr leisten, deshalb sucht die Hennigsdorferin nach Unterstützern, die ihre Leidenschaft für die Tierzucht teilen und ihr mit Geld oder gutem Rat aus der Misere helfen wollen. Es sei für eine gute Sache. Denn Marion Strobach sieht ihre Zucht als Mission, sie will seltene Rassen erhalten und Menschen animieren, die Tiere zu züchten. Unter anderem hält sie japanische Yokohama-Hühner, deren weißes Gefieder wie Haare als langer Schweif von Kopf und Schwanz hängt oder niederländische Brabanter-Hühner, die schon um 17. Jahrhundert gezüchtet wurden. Den Rat ihres Anwalts, die Tiere auf ein anderes Grundstück zu bringen, könne Strobach nicht annehmen. All die Ställe, der Wohnwagen, die Überdachungen seien historisch gewachsen. „Das“, so Strobach, „kann ich in meinem Alter nicht noch mal aufbauen.“

Von Marco Paetzel

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