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Oberhavel Firmenbesuch der Bundesbehindertenbeauftragten
Lokales Oberhavel Firmenbesuch der Bundesbehindertenbeauftragten
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06:11 29.07.2016
Verena Bentele (l.) testet die tastbare Beschriftung einer Wall-Toilettenanlage. Quelle: Foto: Gawande
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Velten

Für alles gebe es in Europa eine Norm, sogar für die Krümmung von Bananen, jedoch keine einheitliche Regelung für den Bau von barrierefreien, öffentlichen Toilettenanlagen, merkte Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, bei ihrem Firmenbesuch der Wall GmbH am Mittwoch in Velten an. „Alleine in Deutschland gibt es 16 Bauordnungen.“ So berichtete sie, dass sie viele Anfragen aus den Bundesländern bekomme, weil es keine einheitlichen Standards gebe.

Patrick Möller, Geschäftsführer der Wall GmbH, bestätigte, dass es selbst bei den vorgegebenen DIN-Normen Widersprüche geben würde. So sei beispielsweise vorgeschrieben, dass alle Bedienknöpfe von der Toilette aus erreichbar sein müssen, jedoch ein Radius von 1,2 Metern um das Klo, zum Wenden des Rollstuhls frei bleiben müsse. „Es gibt technische und biologische Grenzen.“ Doch sei es Anspruch der Firma, auch diese Hindernisse zu meistern. „Wir nutzen das Know-how der Zielgruppen, arbeiten eng mit den Behindertenverbänden zusammen.“ Man lege im Unternehmen großen Wert auf Barrierefreiheit. Allein in Berlin gibt es 172 barrierefreie Toiletten. Doch seien öffentliche Toiletten ein Randthema, finanziert durch den Verkauf von Plakat- und Posterflächen. Bentele: „Es gibt Defizite in kleinen Städte, Neuseeland ist deutlich auf einem besseren Stand.“ Möller bestätigte, dass für kleine Städte die Refinanzierung der Toilettenanlagen ein Problem sei, wobei die Anschaffung billiger als der Unterhalt sei.

Michael Wittner, technischer Leiter des Veltener Standorts, präsentierte Verena Bentele, die als blinde Biathletin 12 Mal bei den Paralympics gesiegt hat, ein im Bau befindliches Modell einer barrierefreien Toilette, die von der schwedischen Hauptstadt Stockholm in Auftrag gegeben wurde. 50 Stück in acht Varianten sollen ausgeliefert werden. Die 34-jährige Bentele testete daraufhin die tastbare Beschriftung der Anlage, die nach neuesten Erkenntnissen neben der Brailleschrift auch mit normalen Buchstaben versehen ist.

Wittner erklärte, dass in Schweden jeder Schalter tastbar sein müsse, anders als in Deutschland, wo aus hygienischen Gründen mit berührungslosen Bedienelementen gearbeitet werde. Die Behindertenbeauftragte zeigte sich zufrieden.

Von Ulrike Gawande

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