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Flinke Füße für Toleranz

Weltfriedenswanderer Stefan Horvath macht in Oranienburg Station Flinke Füße für Toleranz

Enge Sportleggings, Rucksack und eine dicke Strickmütze, die er Sommers wie Winters als Markenzeichen trägt: In diesem Outfit demonstriert Stefan Horvath für Frieden und Toleranz – per pedes. Der 56-Jährige ist der selbst ernannte Friedenswanderer. Am Mittwoch machte er in Oranienburg Station.

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Stefan Horvath in der Bernauer Straße in Oranienburg. Er besuchte im Stadtgebiet Bekannte und Freunde, die ihn in den Vorjahren unterstützten.

Quelle: Foto: Helge Treichel

Oranienburg. Enge Sportleggings, Rucksack und Strickmütze: In diesem Aufzug demonstriert Stefan Horvath für Frieden und Toleranz – per pedes. Der 56-Jährige ist der selbst ernannte Friedenswanderer. Am Mittwoch machte er zum vierten Mal in Oranienburg Station. Zuvor sei er in Dresden gewesen, erzählt er. Gerade in Sachsen, wo die Pegida-Bewegung ihren Anfang nahm, will er für mehr Weltoffenheit und eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen werben.

Seine Eltern schließlich waren auch Flüchtlinge. Sie kamen aus Ungarn nach Österreich. In Wien war es auch, wo Stefan Horvath 1989 alles stehen und liegen ließ. Er gab sein bürgerliches Leben als Bauunternehmer auf – und lief los. „Ich hatte einfach die Schnauze voll“, sagt er. Damals sei das Gefühl über ihn gekommen, irgendwas tun zu müssen, um ein positives Zeichen zu setzen in der Welt. Seitdem wandert er im Alleingang kreuz und quer durch Deutschland, durch Europa und die halbe Welt.

50 Paar Wanderschuhe hat er in den 26 Jahren verschlissen, mehr als 50 000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt, schätzt er. Sesshaft war er während dieser Zeit nie.

Dennoch kehrt er in viele Orte regelmäßig zurück. Neuruppin oder Eberswalde sind solche Städte – und Oranienburg. Einmal jährlich schaut er hier vorbei. „Eine sehr schöne Stadt“, lobt Horvath und ein Lächeln macht sich breit in seinem wettergegerbten Gesicht. „Besonders die Natur“, schiebt er nach und schwärmt von seinem Gang über die Schlossbrücke.

„Ich möchte meine Leute besuchen“, begründet Horvath den Besuch mit seinem Wiener Dialekt. Er wolle ein kleines Schwätzchen halten, natürlich auch über Politik. Viele unterstützen ihn nicht nur moralisch, sondern auch materiell. „Sponsoring“ nennt Horvath diese Hilfe. Denn ganz ohne gute Ausrüstung und Bares funktioniert auch sein Leben nicht. Die Zeiten von Camping und schlafen unter freiem Himmel seien für ihn vorbei, sagt er und hustet wie zur Bestätigung. Es ist ein schweres, grollendes Husten. Die nächste Nacht werde er in einer sehr preiswerten Herberge verbringen, sagt er. Häufig bekommt der Weltfriedenswanderer Sonderrabatt, auch diesmal. Ein anderes Mal sind es Geschenke. In Oranienburg wurde ihm im Haushaltswarenladen eine Tasse zugesteckt. Ein Jahr zuvor habe er hier in einem Schuhgeschäft ein neues Paar Wanderstiefel bekommen. Stolz zeigt er auf seine Füße. Und wieder gibt ein breites Lächeln den Blick auf sein lückenhaftes Gebiss frei.

Nach seinem Oranienburg-Tag meldet sich Stefan Horvath noch einmal telefonisch, um von einem guten Gespräch in der Geschäftsstelle der Linken zu berichten. So etwas gäbe ihm Auftrieb.

Bis zu acht Stunden täglich ist der Dauerwanderer auf Schusters Rappen unterwegs, 365 Tage im Jahr. Früher habe er bis zu 100 Kilometer am Tag geschafft, heute seien es 30 bis 35. „Wenn ich mal nicht mehr kann, ziehe ich mich zurück“, sagt Horvath. Seine Erlebnisse wolle er dann in einem Buch festhalten.

Derzeit liegen ihm die Flüchtlinge am Herzen: „Wir müssen Aufnahmebereitschaft zeigen.“

Horvath verabschiedet sich herzlich. Sein nächstes Ziel ist – wieder Dresden.

Von Helge Treichel

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