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Flüchtlingsansturm nicht mehr gewachsen

Hilferuf aus der Oranienburger Kleiderkammer Flüchtlingsansturm nicht mehr gewachsen

Der Verein der Oranienburger Kleiderkammer zählt nur noch 13 Mitglieder. Die Mitbegründer Karin Maaß und Ingeborg Pahl gaben ihre Funktionen ab. Auch, weil sie sich der enormen Arbeitsbelastung und dem Flüchtlingsansturm in der Ausgabestelle in der Albert-Buchmann-Straße 15 nicht mehr gewachsen fühlen.

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Namensvetterin Karin Maaß engagiert sich im Verein und ist neu im Vorstand.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Viermal wollte sie sich zurückziehen, viermal kam sie zurück, weil Not am Mann und an der Frau war. Karin Maaß aus Birkenwerder gehört zu den Mitbegründern der Oranienburger Kleiderkammer. Seit Mittwoch ist sie nicht mehr dabei, hat sich endgültig von der Arbeit verabschiedet. Ihr Jahresbericht bei der Mitgliederversammlung war ein geballter Hilferuf: „Ich bin stolz auf die 15 Jahre, aber 2015 war das bisher ungewöhnlichste und arbeitsintensivste Jahr seit Bestehen“, fasste es die 78-Jährige zusammen. „Wir können nicht allen helfen, aber wir helfen, wo wir können“, das sei immer die Philosophie aller Ehrenamtler gewesen. Doch die stießen an ihre Grenzen.

Seit April 2015 hat die Kleiderkammer 300 Flüchtlingsfamilien vor allem aus Syrien, Afghanistan und Afrika versorgt, davon 100 Kinder. „Allein im Januar 2016 kamen 50 Kinder dazu.“ Bis zu 280 Menschen an einem Ausgabedonnerstag in den engen Räumen, die Verständigungsschwierigkeiten, die Lautstärke und der Überblick, der einfach verloren ginge, mache allen zu schaffen. „Und die Oranienburger Bedürftigen kommen nicht mehr“, bedauert sie.

Maaß bedankte sich ausdrücklich beim anwesenden Bürgermeister: Die Stadt stelle nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern zahle auch für Wasser, Strom und die nicht geringe Abfallentsorgung. Langjähriger Partner der Kleiderkammer ist das Christliche Jugendzentrum (CJO), „das dreimal mit uns umgezogen ist“ und ohne das die Transporte vom Unternehmen Bayer Pharma in Berlin, dem Hauptspender der Kleiderkammer, nicht zu bewältigen wären. 30 Lkw-Ladungen mit rund 9000 blauen Säcken voller Spenden kamen in 15 Jahren von dort und wurden an Bedürftige verteilt: In Oranienburg, der Ukraine, an Obdachlose in Berlin, an Hochwasseropfer in Melnik, an Überlebende von Ravensbrück, das Frauenhaus, Sportvereine.

„Das Elend der Flüchtlinge habe viele bewegt: Ein Spender brachte 50 neue Decken, ein anderer 100 Rasierapparate oder gestrickte Socken für Kinder“, erinnert sich Maaß. Doch die Helfer – im Alter zwischen 22 und 78 – sind am Limit. Die älteren haben gesundheitliche Probleme. Inzwischen helfen zwei junge Syrerinnen, Sprachbarrieren zu überwinden. Die Kammer sei gezwungen, neue Weg zu gehen. Helfen will dabei das CJO. Das hat sich bereiterklärt, künftig den Vorstandsvorsitzenden zu stellen. Wer das sein könnte, stand am Mittwoch aber noch nicht fest: „Wir wollen helfen, können ihn aber nicht aus dem Ärmel schütteln“, so die 2. Vorsitzende des Vereins des CJO, Annika Kleine.

Gesetzt hatten die Frauen der Kleiderkammer auf Herbert Weimer: „Wir wollen uns mit neuen Strukturen und Know-how einbringen“, für einen Vorsitz stehe er aber nicht nur Verfügung. „Ich ziehe den Hut vor ihrer Arbeit und ihrem Mut“, zollte Weimer Respekt. In den kommenden vier Wochen soll der Kleiderkammer-Vereinsvorsitzende gefunden sein und nachgewählt werden.

Auch Hans-Joachim Laesicke bat: „Lassen Sie sich nicht entmutigen von Problemen, die bestimmt nicht kleiner werden.“ Er wolle den Dank an die Stadt „hundertfach zurückgeben“. Als Bürgermeister sei er Manager einer Solidargemeinschaft „und angewiesen auf Menschen, die sich den schwer Zeiten stellen. Und die nur beherrschbar sind, wenn es überall solche gibt wie Sie.“

Von Heike Bergt

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